꙳Die Vereinbarung꙳ – Felice Stevens

Die Geschichte hatte ich in dem großen Bücherpool gar nicht auf meiner Liste. Als die Autorin mich aber anschrieb, ob ich Lust hätte, das Buch zu lesen, war ich von den Inhaltsaussichten sehr angetan. Aufgrund dessen, dass Felice kein Deutsch kann, findet sich am Ende der Rezension eine englische Übersetzung meiner Gedanken zum Buch. Nun aber ans Eingemachte:

Allgemeines zum Buch

Die Geschichte um Carter und Reed umfasst ungefähr 300 Seiten und wurde von der Autorin ursprünglich im Juli 2016 selbständig herausgebracht. Übersetzerin ist Susanne Scholze. Das Buch wurde erstmals im Februar 2018 übersetzt und ist dem Genre Gay Romance zuzuordnen. Wie bereits angedeutet, habe ich ein Rezensionsexemplar erhalten.

Inhalt und Rezension

Ich habe jetzt ein paar Tage gebraucht, um so richtig in Worte fassen zu können, wie mir die Geschichte gefallen hat. Direkt nach dem Lesen hatte ich so viele Gedanken im Kopf, dass ich sie erst einmal sortieren musste. Ähnlich wie sich auch Carter und Reed sortieren mussten, weil sie gegenseitig ihre Welt auf den Kopf gestellt haben. Beide wollen nur eine lockere Zusammenkunft, doch so wirklich klappt das nicht, weil sie von Beginn an eine starke Anziehungskraft verbindet.

Zuallererst möchte ich sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat, dass die Protagonisten entsprechend ihrer Probleme handeln. Auch wenn ich in vielen Situationen anders gehandelt hätte, ist mir vollkommen klar, dass Carter und Reed eine Vorgeschichte haben, die ein abweichendes Handeln nicht nur nachvollziehbar, sondern auch unumgänglich macht. Beide haben Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen einzugehen und aufrechtzuhalten. Carters Probleme finden sich in der Vergangenheit und Reeds in seiner Angststörung und dem ADHS. Das fand ich sehr konsequent und folgerichtig umgesetzt.

Desweiteren fand ich gut, dass die Sexszenen gezeigt haben, wie verzweifelt gerade Carter jemanden in seinem Leben haben möchte, der ihn liebt und unterstützt. Auch wenn er es sich lange Zeit nicht eingestehen möchte, zeigt er dabei schon ganz zu Anfang, wie groß sein Sehnen nach Zuwendung ist. Der Kontrast zwischen dem und seinem strukturierten Leben mit seinem kleinen Bruder lässt schöne Zwischentöne entstehen, die beim Lesen eine interessante Atmopshäre schaffen. Diese intimen Stellen, von denen ich anfangs befürchtet habe, dass sie „zu viel“ werden könnten, haben somit eine Funktion, die ich für den Handlungsverlauf als wichtig empfunden habe.

Auf einer etwas kritischeren Note hätte ich mir gewünscht, dass Reeds Hintergründe mehr in das Geschehen eingearbeitet werden. So denkt er doch stellenweise ziemlich ausführlich  über seine Vergangenheit nach, was dem Lesefluss nicht unbedingt zuträglich ist. Ein aktives Erleben und kürzere Rückblenden hätten mir eher zugesagt.

Auch muss ich sagen, dass ich zwar die zweite, überarbeitete Übersetzung lesen durfte, jedoch von dieser kein Fan geworden bin. Kleine Abweichungen zu einer „Norm“übersetzung habe ich mir gefallen lassen, gestört haben mich aber vor allem die Zeitfehler bei den Rückblenden. So war teilweise schwer auszumachen, was Reflektion aus früherem Geschehen ist und was aktuelles Erleben. Ein weiterer Punkt, den ich sonst selten anspreche, betrifft den Buchsatz. Ich kann nicht sagen, ob das ein Problem der Übersetzung ist oder des Originals, allerdings werden an einigen Stellen die wörtlichen Reden der Protagonisten in einen Absatz gepackt. Dadurch entsteht das Problem, dass ein Wechsel der Redner stattfindet, den ich als Leser aber nicht gleich nachvollziehen kann. Erst inhaltlich wird dann am Ende der wörtlichen Rede klar, wer „gesprochen“ hat.

Abgesehen von diesen Punkten hat mir die Geschichte gut gefallen. Ich hatte ein paar Mal mit meinen Emotionen zu kämpfen, als es darum ging, was die beiden vorher durchgemacht haben. Und nicht nur die beiden, sondern auch Jackson (Carters kleiner Bruder). Ich denke, dass die Geschichte ein paar Seiten mehr vertragen hätte, da ich an einigen Stellen das Gefühl hatte, dass die Informationen zusammengepresst worden sind. Mehr Raum dafür und noch mehr Erleben hätten, denke ich, mehr Spannung und Nähe zugelassen.

Fazit: Eine interessante Liebesgeschichte mit Protagonisten, die sich selbst treu bleiben und mit ihren Schwächen und Fehlern agieren. Wer dazu befähigt ist, dem würde ich aber empfehlen, die Geschichte im Original lesen.

Autoreninformation/-kontakt

Felice hat eine eigene Internetseite, auf der sie euch regelmäßig über ihre Bücher auf dem Laufenden hält: https://www.felicestevens.com/

Translation: Content and review

It took me a few days to be able to really put into words how I liked the story. Right after reading it, I had so many thoughts in my head that I had to sort them out first. Just like Carter and Reed had to sort it out because they turned their world upside down. Both only want a simple get-together, but it doesn’t really work out because they have a strong connection to each other right from the start.

First of all I would like to say that I very much liked that the protagonists act according to their problems. Even though I would have acted differently in many situations, it’s perfectly clear to me that Carter and Reed have a history that not only makes it comprehensible to act differently, but also makes it inevitable. Both have difficulties entering into and maintaining healthy relationships. Carter’s problems can be found in the past and Reeds in his anxiety disorder and ADHD.

I also thought it was good that the sex scenes showed how desperate Carter wants someone in his life who loves and supports him. Even if he doesn’t want to admit it to himself for a long time, he shows right at the beginning how intense his longing for attention is. The contrast between this and his structured life with his little brother creates beautiful nuances, which create an interesting atmosphere while reading. These intimate passages, which I initially feared could become „too much“, thus have a function that I felt was vital for the course of the action.

On a more critical note, I would have liked Reed to have his backgrounds incorporated more into the action. So he thinks about his past quite extensively, which doesn’t necessarily help the reading flow.

I also have to say that I was allowed to read the second, revised translation, but didn’t become a fan of it. I put up with small deviations from a „norm“ translation, but I was particularly disturbed by the time errors in the flashbacks. So it was sometimes hard to tell what was a reflection from earlier events and what was a current experience. Another point that I seldom mention is the book typesetting. I can’t say whether this is a problem of translation or of the original, but in some places the literal speeches of the protagonists are packed into one paragraph. This creates the problem that there is a change of speakers, which I, as a reader, cannot understand immediately. Only at the end of the literal speech it becomes clear who „spoke“.

Apart from these points I liked the story a lot. I had to struggle a few times with my emotions when it came to what they had been through before. And not just the two of them, but Jackson (Carter’s little brother) as well. I think the story could have taken a few more pages as I felt in some places that the information had been compressed. More space for it and even more experience would have allowed, I think, more tension and closeness.

Conclusion: An interesting love story with protagonists who stay true to themselves and act with their weaknesses and mistakes. I would suggest those who are capable to do so to read the story in english.

Thank you for bringing the story to my attention.

꙳Die Vereinbarung꙳ – Felice Stevens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere