Leser interviewen – Celia Jansson

Interview vom 14. Oktober mit Celia Jansson. Das Interview fand in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ statt, guckt gerne sonntags zwischen 18.00 – 19.00 vorbei, wenn ihr selber mal Fragen stellen möchtet.

Celia findet ihr auf ihrer Internetseite.

Das Interview

Autorenvorstellung

Hallo, dann stelle ich mich mal vor. Ich bin Gay-Romance-Autorin. Angefangen habe ich wie so viele damit, meine Texte auf Seiten für Originale M/M-Geschichten zu posten. Mein erster Roman war aber ein Fantasy-Jugendbuch. Aber auch da hatte sich schon ein schwules Paar eingeschlichen. Ich habe noch ein paar Romane geschrieben, bis ich dann mit Sunford den ersten veröffentlicht habe. Sunford ist ein historischer Roman, der im Sieben Verlag erschienen ist. “Liebe in fünfzehn Lektionen” und “Aljoschas Tanz” spielen in der Gegenwart. Mein letztes Buch “Feuererbe” ist Urban Fantasy.

Was gibt es sonst über mich zu wissen? Ich komme aus Hamburg und lebe da immer noch. Ich bin 32, also 90er Kind, ich habe aber nie Kelly Family oder Back Street Boys gehört. Meine Mutter ist Bibliothekarin, daher hatte ich immer viele Bücher zur Verfügung. Studiert habe ich auch, Soziologie und Kulturwissenschaften. Meine anderen Leidenschaften neben dem Schreiben sind Musik hören, Konzerte, Serien gucken, Kino, Kunst und natürlich Lesen. Auf meinem Blog findet ihr einige Filmrezensionen. Neben dem Schreiben arbeite ich als Redakteurin.

Hier ist meine Seite: https://www.facebook.com/celiajanssonautorin

Leserfrage 1

Chrissy: Welches Genre schreibst du am liebsten?

Das kann ich gar nicht direkt sagen. Innerhalb von Gay Romance mag ich viel. Gegenwärtiges und Fantasy wohl am liebsten. Ich würde aber auch noch gerne andere Genres probieren.

Leserfrage 2

Chrissy: Was ist dein nächstes Projekt?

Als nächstes schreibe ich ein Winterbuch. Der Arbeitstitel ist „Haus am Meer“. Es spielt an der Ostsee und die Protagonisten sind ein Musiker, dessen erfolgreiche Band sich gerade aufgelöst hat und der das Haus seines Opas geerbt hat, und ein Künstler. Die beiden verbindet eine lange Freundschaft, die aber durch einen schlimmen Streit zerbrach …

Leserfrage 3

Chrissy: Wie bist du zum Schreiben und vor allem zu Gay gekommen?

Geschichten ausgedacht habe ich mir quasi schon, bevor ich schreiben konnte. XD. Dann habe ich in der Grundschule die Hefte vollgeschrieben, und als ich einen PC bekam, dann mit dem Tippen angefangen. Mein erster Roman wurde aber erst mit Anfang 20 fertig. Danach habe ich nicht mehr aufgehört.

Zum Gay Genre kam ich wohl wie so viele durch Mangas und die Seiten für Originale Gay Stories. Fanfiktion habe ich dagegen nie gelesen oder geschrieben. Warum ich jetzt genau darauf kam, weiß ich gar nicht mehr.

Leserfrage 4

Chrissy: Was würdest du gerne mal schreiben?

Ich habe noch sehr viele Ideen und weiß gar nicht, wann ich die alle schreiben soll. Ich habe Lust, mal eine richtige Space Opera zu schreiben. Aber da fehlt mir noch die richtige Idee. Mehr historische Romane hätte ich auch Lust. Der Rechercheaufwand ist allerdings ziemlich groß.

Leserfrage 5

Chrissy: Was ist dein Lieblingsschreibplatz und wie ist er eingerichtet?

Ich habe einen kleinen Sekretär. Da passen gerade mein Laptop und eine Tasse drauf. Und kleine Fächer für Stifte. Mehr ist da nicht drauf. Ich schreibe aber tatsächlich auch öfter mal vom Bett aus. Ein Sofa habe ich gar nicht, wegen meiner Milbenallergie. Daher ist das Bett dann bequemer.

Leserfrage 6

Kristina: Hast du schon früh Geschichten geschrieben? In deiner Schulzeit z. B.?

Ja, wie oben schon gesagt, habe ich in der Grundschule schon Hefte vollgeschrieben, später dann am PC, aber nie wirklich etwas beendet. Dann habe ich mit 15 ein Fantasy-Jugendbuch angefangen. Später habe ich dann mit Gay Romance angefangen. Wobei ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass es Gay Romance gibt. Ich glaube, in Deutschland gab es das auch noch nicht so wirklich. Nur als Untersegment auf Fanfiktion.de. Während der Schulzeit habe ich viel geschrieben.

Leserfrage 7

Katrin: Ich kenne noch keins deiner Bücher, welches würdest du mir denn empfehlen und warum?

Wenn du gerne Gay Romance liest, die in der Gegenwart spielt, würde ich dir „Liebe in fünfzehn Lektionen“ empfehlen. Das ist eine Geschichte um einen draufgängerischen Playboy und einen schüchternen Nerd, die in Berlin spielt. Sie ist eher humorvoll, liegt mir aber auch wirklich am Herzen. Sie kam bei den Lesern auch am besten an. ;)

Hier gibt es das Buch auf Amazon: https://www.amazon.de/Liebe-fünfzehn…/dp/B071VTMX31/

Das ist der Klappentext: Als Levi Aaron begegnet, ist er hin und weg. Aaron ist sein absoluter Traummann. Heiß, charmant … und unerreichbar. Denn Levi ist zu schüchtern, um Aaron auch nur anzusprechen.

Ausgerechnet Levis Kumpel Jannik bietet seine Hilfe an. Der selbstbewusste Player stylt Levi nicht nur um, sondern gibt ihm auch Nachhilfe im Bett. Aus diesem Deal entwickelt sich bald eine Affäre. Denn beide wollen nicht mehr auf ihre Abenteuer im Bett verzichten. Ganz unkompliziert – bis unerwartete Gefühle ins Spiel kommen.

Leserfrage 8

Chrissy: Hast du ein Land oder eine Stadt, die besonders gerne in deinen Romanen vorkommen?

Hm, eigentlich nicht. Zwei Bücher spielen in England. Ich mag das Setting, Anfang des 20. Jahrhunderts, so Downton Abbey, Jane-Austen-mäßig. Aber die meisten Bücher spielen in Deutschland. „15 Lektionen“ spielt in Berlin, „Aljoschas Tanz“ in Hannover. Es gibt noch ein Buch, das ich noch nicht veröffentlicht habe, das in Hamburg spielt. Da kenne ich mich natürlich am besten aus und würde da auch mal wieder ein Buch ansiedeln.

Leserfrage 9

Jennifer: Was sind denn Seiten für Originale M/M-Geschichte? Habe gegoogelt, aber nichts gefunden. :)

Hi. Das gibt es auch wohl nicht mehr. Früher, als es Gay Romane noch nicht so viel in Buchform gab, da fand man es hauptsächlich auf Seiten wie Fantiktion.de und neben Slash-Fantiktions zum Beispiel mit Harry Potter und Draco kann man da auch Geschichten posten, die man komplett selbst erfunden hat. Deshalb nennt sich das „Originale“. Und da der Begriff Gay Romance noch nicht gängig war, gab es dann auch extra Seiten für „Originale“, zum Beispiel Boyxboy. Da habe ich angefangen, Geschichten zu posten.

Leserfrage 10

Minelle: Schließe mich der Frage von Kathrin Katrin an. Ich kenne auch noch kein Buch von dir. Musste vorhin tatsächlich erst auf Amazon suchen gehen. *schäm*

Es gibt bisher auch nur vier Bücher von mir. ;) Das wird sich aber hoffentlich nächstes Jahr ändern. Wie gesagt, wenn du eher Gegenwarts-Geschichten magst, gerne etwas lustig und mit Erotik, dann wäre „Liebe in fünfzehn Lektionen“ das richtige. Aber ich freue mich auch immer, wenn jemand „Sunford“ liest. Das historische Genre scheint aber nicht so beliebt zu sein. ;)

Minelle: Steht schon auf der Liste! Gay Historicals sind noch ziemlich rar gesät, das stimmt.

Ja, leider. Ich lese sie so gerne. Viele scheinen davor zurückzuschrecken, weil sie Sad Ends erwarten. Aber für mich hat Gay Romance immer ein Happy End!

Leserfrage 11

Chrissy: Trifft man dich auf der Buch Berlin?

Puh, das weiß ich noch nicht. Einen Stand habe ich nicht, ich würde aber trotzdem gerne hinfahren, weiß aber noch nicht, ob das klappt.

Leserfrage 12

Eltria: Wird von „Feuererbe“ ein weiterer Teil erscheinen?

Auf jeden Fall! Ich weiß nur noch nicht ganz konkret, wann. Schreiben möchte ich es Anfang nächsten Jahres. Geplant ist erst mal ein Australien-Special.

Leserfrage 13

Chrissy: Welche Szenen fallen dir leicht, welche eher schwer?

Hm, da muss ich überlegen. Es kommt immer darauf an. Das liegt am jeweiligen Text. Manchmal fallen mir Beschreibungen leicht, manchmal schwer. Was ich immer nicht so einfach finde, wie beschreibe ich das Aussehen der Figuren subtil oder wie vermeide ich, dass man bei einer Erotikszene nicht mehr weiß, wer was macht …

Leserfrage 14

Chrissy: Wie reagiert dein Umfeld auf dein Schreiben?

Die meisten positiv. Meine Familie hat mich da zum Glück immer ermutigt. Ich habe inzwischen so viele andere Autoren kennengelernt, die auch Freunde sind, dass ich kaum noch Freunde habe, die nicht schreiben. Selbst wenn ich mal andere kennenlerne, erzählen die auch oft, dass sie mal so nebenher schreiben. Nur möchte ich nicht, dass meine Oma meine Texte liest.

Leserfrage 15

Chrissy: Welches von deinen Büchern hat dein Lieblingscover?

Hm, ich mag das von Sunford sehr gerne. Aber das für „Liebe in fünfzehn Lektionen“, das Casandra Krammer gemacht hat, finde ich auch immer noch sehr schön. Bild könnte enthalten: 1 Person, Text

Leserfrage 16

Mieko: Was brauchst du unbedingt zum Schreiben?

Eigentlich nichts. Meistens höre ich aber Musik nebenher. Und habe einen Tee daneben stehen.

Leserfrage 17

Mieko: Gibt es Themen, mit denen du dich auf keinen Fall auseinandersetzen magst?

Puh, darüber habe ich schon nachgedacht. Es gibt Themen, über die ich einfach nicht schreiben möchte. Ich schreibe keinen Horror. Detailliert Gewalt beschreiben mag ich auch nicht. Ich würde jetzt auch nicht unbedingt darüber schreiben, wie es wäre, als schwuler Mann in den 70ern in Rostock aufzuwachsen oder so. Also Sachen, die ich so nicht wissen kann und die ich auch mit Recherche nicht unbedingt rüberbringen könnte.

Leserfrage 18

Minelle: Hast du Vorbilder?

Vorbilder nicht direkt. Es gibt Autoren, die ich sehr mag. Allgemein Ursula K. LeGuin. Sie hat sehr früh über queere Figuren geschrieben, in einer Weise, die dazu auffordert, den Denkrahmen zu erweitern (Ein Planet, auf dem es nur Intersexuelle gibt z.B.) Inspiriert, etwas Historisches zu schreiben, hat mich KJ Charles. Ich liebe ihre Bücher.

Leserfrage 19

Mieko: Was für Bücher liest du selbst am liebsten?

Ich lese sehr gerne und viel Fantasy. Ich mag zum Beispiel sehr „Der Name des Windes“, „Das dunkle Herz des Waldes“ oder die Ryiria-Reihe von Michael J. Sullivan. Ich lese aber auch sehr gerne Jugendbücher und auch SF. Im Gay Bereich lese ich auch gerne Jugendbücher mit queeren Figuren. Zum Beispiel liebe ich „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“. Aber auch wie gesagt die Bücher von KJ Charles liebe ich sehr. Allgemein Gay Romance hauptsächlich Contemporary, Fantasy und Historisch.

Leserfrage 20

Katrin: Wie lange schreibst du an einem Buch?

Ganz unterschiedlich. Für die älteren Bücher habe ich teilweise Jahre gebraucht. Da ich jetzt Teilzeit schreibe, habe ich natürlich mehr Zeit und auch mehr Erfahrung. Für kürzere Texte zwei bis drei Monate. Und dann noch überarbeiten.

Leserfrage 21

Kristina: Was würdest du heute bei deiner Erstveröffentlichung anders machen, wenn du noch mal die Chance dazu hättest? Oder bist du 100% so zufrieden, wie es gelaufen ist?

Mit der ersten, also „Sunford“ bin ich eigentlich ganz zufrieden. Ich wollte für das erste Buch gerne mit einem Verlag zusammenarbeiten können. Damals verstand ich noch nicht so viel von Marketing. Also, da hätte ich mehr machen können. Außerdem, wenn ich es jetzt nochmal lese, fallen mir Sachen auf, die ich wieder ändern würde. Aber so geht es mir immer.

Leserfrage 22

Chrissy: Magst du Lesungen? Wo kann man dich wieder hören?

Bisher hatte ich nur zwei Lesungen. Die erste war auf der Queer Convention auf der Buch Berlin. Ich bin ja eher schüchtern und nicht so die Rampensau. ;) Aber ich hätte schon Lust, in Hamburg mal eine Gay Romance-Lesung zu machen, und ich kenne hier auch einige Leute, die Lesungen organisieren. Konkret ist da aber noch nichts.

Leserfrage 23

Kristina: Welche ist deine liebste Erzählperspektive? Als Leser und als Autor. :)

Habe ich so nicht. Es muss zum Text passen. Ich habe mehrere Bücher in Ich-Perspektive geschrieben. Einen sogar in Präsens. Bei der dritten Person geht es besser, wenn man mehrere Figuren hat, die erzählen.

Leserfrage 24

Kristina: Ganz spontan: Ein Vorteil und ein Nachteil des Selfpublishings? Ganz allgemein, nicht auf dich als Autorin direkt bezogen.

Vorteil: mehr Kohle. XD Mehr Eigenverantwortung. Das letztere ist gleichzeitig der Nachteil. Und natürlich dass man alles selbst machen muss.

Leserfrage 25

Kristina: Wie sind deine Erfahrungen mit Bloggern?

Eigentlich sehr gut. Die meisten, die ich nach Rezensionen frage, melden sich auch zurück. Ich habe jetzt gerade für mein Hetero-Romance-Buch einige angeschrieben und die meisten waren sehr nett.

Leserfrage 26

Kristina: Was ist das bisher tollste Kompliment, welches du bisher für deine Bücher bekommen hast?

Ich weiß, das klingt gemein, aber wenn mir jemand schreibt, dass er beim Lesen weinen musste, dann weiß ich, dass die Geschichte berührt hat. Gerade bei „Aljoschas Tanz“ habe ich einiges an Feedback bekommen. Oder wenn jemand sagt, dass er mein Buch schon mehrfach gelesen hat, bin ich auch immer ganz baff.

Leserfrage 27

Kristina: Wie gehst du mit Kritik an deinen Büchern um?

Ich lese sie mir durch und überlege, ob etwas dran ist, was ich verbessern könnte. Klar hört kein Autor gerne Verrisse. Aber mir ist auch klar, dass die Bücher nie jedem gefallen können. Da ich schon seit Jahren eine Schreibgrupe habe, in der wir unsere Texte kritisieren, bin ich das gewohnt. Es tut vielleicht erst mal weh, aber dann geht’s weiter … sonst könnte man nicht veröffentlichen.

Leserfrage 28

Kristina: Wenn du einen Wunsch (bezogen auf dein Autorensein) frei hättest, was würdest du dir wünschen?

Am liebsten würde ich schon komplett davon leben können. So viel Zeit, wie ich möchte, für meine Texte zu haben, wäre schon ein Luxus.

Leserfrage 29

Kristina: Was ist am Autorsein das Allerbeste?

Die Freiheit, die Geschichten erzählen zu können, die ich im Kopf habe, und wenn es den Lesern dann auch noch gefällt, ist das das Allerbeste. Oder wenn jemand sogar schreibt, dass das etwas in seinem Leben verändert hat.

Leserfrage 30

Kristin: Was wolltest du deinen Autorenkollegen und Lesern schon immer mal sagen?

Danke! Danke an die Leser, dass sie meine Bücher lesen und mögen. Die Autorenkollegen, die mir viel geholfen haben, wissen das hoffentlich auch. ;)

Leserfrage 31

Kristina: Was gefällt dir am Genre am besten und was am wenigsten?

Schwer zu sagen. Ich mag, dass es so klein ist und man so viele nette Autoren kennenlernt und besonders in dieser Gruppe so gut mit Lesern und Autoren ins Gespräch kommt. Was schade ist, dass man oft nur fragende Blicke erntet, wenn man erzählt, was man schreibt. Nicht nur wegen Gay, auch Romance wird ja oft nicht so anerkannt.

Schlusswort

Vielen lieben Dank für die Mühe und die interessanten Fragen!

Leser interviewen – Celia Jansson

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