Interview vom 24. Juni mit Annette Juretzki. Das Interview fand in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ statt, guckt gerne sonntags zwischen 18.00 – 19.00 vorbei, wenn ihr selber mal Fragen stellen möchtet.

Annette findet ihr auf ihrer Internetseite.

Das Interview

Autorenvorstellung

Hallo allesamt, ich freue mich schon richtig auf euch und eure Fragen! :D

Da ich wahnsinnig schlecht darin bin, einfach so über mich selbst zu reden, wird diese Vorstellung jetzt ganz kurz:

Moin – wie wir im Norden so schön sagen –, ich bin Annette. :) Ich schreibe im Grunde schon seit Ewigkeiten Geschichten, aber vor fast genau einem Jahr ist auch endlich mal mein erstes Buch erschienen: „Blind“, ein Scifi-Roman, beim Traumtänzer-Verlag, und den zweiten Teil gibt es inzwischen auch bereits.

Ich bin ein Nerd durch und durch, wenn ich nicht gerade schreibe, spiele ich Computerspiele, schaue Serien und treffe mich mit meiner Rollenspielrunde. Deshalb auch SciFi und Fantasy als Genre, das Hier und Jetzt hab ich einfach noch nie sonderlich spannend gefunden. Außerdem leite ich noch das Rezensionsportal Zauberwelten-Online, auch wenn ich leider selbst kaum noch zum Rezensieren komme.

Infos zu meinem ersten Roman findet ihr hier: www.amazon.de/dp/B073774KTH/.

Meine FB-Seite erreicht ihr unter Annette Juretzki und das hier ist mein Blog: https://annette-juretzki.de.

Dann mal los – was wollt ihr wissen? :D

Leserfrage 1

Chrissy: Hallo Annette, ist schon ein neuer Roman in Aussicht? Um was wird es gehen?

Der ist in der Tat schon fest in Planung, es wird allerdings noch bis zum nächsten Jahr dauern. :) Diesmal wird es auch Fantasy, richtig düster, aber tatsächlich ein wenig romantischer als Sternenbrand. Es geht um einen Deserteur, der in einer eisenzeitlichen Welt in seiner von einer Zombie-Plage heimgesuchten Heimat versucht, seine Familie zu retten, und sich dabei ausgerechnet mit einem Nekromanten anfreundet, der an dem ganzen Schlamassel nicht ganz unschuldig ist …

Leserfrage 2

Lena: Was ist bei dir zuerst da? Die Figuren, die Welt, oder der Plot?

Die Figuren und die Welt kommen definitiv vor dem Plot, entstehen aber meistens gemeinsam. Ganz zuerst habe ich meistens eine Figur im Kopf, und je mehr Eigenschaften sie entwickelt, desto mehr weiß ich, in was für einer Welt sie großgeworden ist. Der Plot entsteht meist erst, wenn ich meine Hauptfiguren kenne, weil ich dann weiß, was sie motivieren würde, etwas zu tun. Ist ja nicht jeder gleich begeistert, wenn er plötzlich die Welt retten soll. :D

Leserfrage 3

Evelin: Da deine ersten zwei Bücher SciFi sind, kannst du dir vorstellen, auch eine andere Richtung zu schreiben?

Definitiv! Der nächste Roman wird in Richtung Low Fantasy gehen und das auch noch in einer eisenzeitlichen Welt, also nochmal eine Technologiestufe unterm Mittelalter. Ich mag es, mich in viele verschiedene Welten zu denken, und werde wohl somit immer zwischen Zukunft und Vergangenheit hin- und herspringen. :)

Leserfrage 4

Julia: Dein Roman „Blind“ war die zweite Veröffentlichung im Traumtänzer-Verlag. Was machte für dich den Reiz aus, ausgerechnet in diesem Verlag zu veröffentlichen? Denn mal ehrlich, ein Debüt in einem so jungen Verlag kann schon ein Risiko sein.

Ehrlich gesagt fand ich es toll, direkt an der Geburt eines Verlags beteiligt zu sein, denn das bedeutet auch ein großes Maß an Freiheit. Schließlich kann man so eine Richtung auch mitbestimmen, anstelle sich bloß anzupassen. Ich finde es schön, gemeinsam mit dem Verlag zu wachsen und irgendwann, wenn Traumtänzer riesengroß ist und hunderte Bücher veröffentlicht hat, kann ich dann behaupten: Ich war von Anfang an dabei!

Leserfrage 5

Chrissy: Was für ein Thema würdest du gerne mal aufgreifen, hast dich aber noch nicht getraut? Oder hast du ein absolutes Tabu-Thema?

Mich reizt es, irgendwann auch über Transpersonen zu schreiben, und ich habe sogar schon einen Plot im Kopf. Allerdings ist Transsein von meiner Lebenswirklichkeit ein ganzes Stück weiter weg als Homo- oder Bisexualität, weshalb ich da noch mit viel mehr Menschen reden muss, die diesen Weg bereits hinter sich haben oder noch mitten dabei sein. Denn ich möchte nicht, dass sich später jemand mit meiner Geschichte unwohl fühlt.

Leserfrage 6

Chrissy: Wie bist du zu homosexuellen Figuren gekommen? Geplant oder eher Zufall?

Sie waren schon immer da, denn zum Glück ist meine Fantasie da sehr bunt. :) Schon als ich mit 14 mit dem Rollenspiel anfing, waren viele meiner Charaktere bisexuell, einfach weil sich das für mich „normal“ anfühlte, und es wäre komisch gewesen, sie zu ändern. Wenn ich mir eine Figur ausdenke, „weiß“ ich im Grunde sofort, welche Sexualität er hat, da muss ich nichts gezielt planen. Entweder er ist schwul, oder er ist es nicht, und ihn dann krampfhaft zu ändern, bringt nichts.

Leserfrage 7

Chrissy: Auf was legst du in deinen Romanen besonders viel Wert?

Mir sind die Charakterisierungen meiner Figuren am wichtigsten. Ich möchte niemanden verbiegen, damit es zum Plot passt. Wenn eine Figur anders handelt, als ich geplant habe, dann lasse ich es zu und ändere eben die Handlung, alles andere würde auf mich unnatürlich wirken. Für „Blind“ hatte ich z. B. drei verschiedene Enden im Kopf, weil ich einfach nicht planen konnte, wie sich Jonas am Ende entscheiden würde. Das wusste ich erst in dem Moment, in dem er es tat. Außerdem sind mir die Dialoge immer sehr wichtig, was aber auch daran liegt, dass ich selbst ein großer Fan von langen Dialogen in Romanen bin. :D

Leserfrage 8

Elke: Lässt du deine anderen Leidenschaften (Computerspiele und Rollenspiele) in deine Bücher einfließen?

Klar, gerade das Rollenspiel hilft da ungemein beim Schreiben! Ich leite sehr gerne in meiner Gruppe, und dabei lernt man wahnsinnig gut, die Handlung auf die Charaktere anzupassen. Ich kann meine Mitspieler ja nicht zwingen, mein Abenteuer zu spielen, wenn ihre Helden einfach keinen Grund dazu haben. Und einen Lösungsweg kann ich ihnen auch nicht aufzwingen. So gehe ich beim Schreiben dann auch immer an die Handlung heran: Als wären meine Figuren meine Mitspieler, und ich überlege mir, was jetzt passieren muss, damit sie auch Lust auf ein Abenteuer haben. :)

Andrea: Das kann ich sehr gut verstehen, ich hab mich auch stark vom Rollenspielen inspirieren lassen bei mehreren meiner Bücher. :D Und ich hab noch von anderen AutorInnen gehört, dass es ihnen auch so geht. Mindestens einer von ihnen hat direkt Abenteuer, die er mal gespielt hat, für einen Roman abgewandelt.

Mir wurde letztens zu einer Kurzgeschichte gesagt, sie würde ein perfektes Abenteuer abgeben. Das fand ich toll. <3 Wobei ich ja auch selbst Abenteuer geschrieben habe, auch wenn ich aktuell leider nicht mehr dazu komme. So viele Ideen, so wenig Zeit. :(

Leserfrage 9

Tatty: Werden wir vielleicht, irgendwann, eventuell nochmal was von Jonas, Xenen und Zeyn lesen können? *lieb schau*

Ich sag es mal so: Meine Zimmertür ist mit Klarsichtfolie beklebt und bis unten hin vollgeschrieben. Ganz oben steht „Teil 1: Blind“ und ganz unten „Teil 5“ … ;) Und: *hust* Meine Lieblingssüßigkeit ist übrigens Vollmilchschokolade mit Honig und Meersalz. ;)

Tatty: Dann lege ich mal ein Vorrat davon an. ;) Ich will doch noch so viel mehr von den dreien lesen.

Leider wirst du da noch sehr viel Geduld haben müssen, weil ich mich im Moment zwei anderen widme, aber ich verspreche dir, irgendwann kommen sie wieder. :)

Leserfrage 10

Sandra: Warum schreibst du Geschichten/Bücher?

Klingt jetzt total bescheuert, aber: weil ich nicht anders kann. Das meine ganz ehrlich, ich hatte schon als Kind den Kopf voller Geschichten und hab schon in der Grundschule begonnen, Klassenhefte damit vollzuschreiben. Irgendwie müssen diese Ideen ja raus. :)

Sandra: Versteh dich und es ist ein guter Grund zu schreiben. Wenn du damit andere Menschen begeistern kannst, ist doch super.

Ich schüchternes Ich bin ehrlich gesagt immer noch ein wenig erstaunt, wenn andere von meiner Schreiberei begeistert sind.

Leserfrage 11

Chrissy: Gibt es Szenen, die dir besonders leicht oder besonders schwer fallen beim schreiben?

Mir fallen Dialoge und Emotionales recht leicht, ganz besonders, wenn eine Figur so richtig tief unten ist und leidet. Klingt jetzt total fies, aber ich fühle mich ihnen am nächsten, wenn sie so richtig am Boden sind – obwohl ich selbst eher ein optimistischer Mensch bin. Schwer fallen mir hingegen Actionszenen, vor allem Kampf und Sex. Mir sind Details wichtig, zu viele killen aber die Dynamik, deshalb sitze ich immer ewig an einem Absatz, damit er sich am Ende schön flott lesen lässt. Ich hab mal den Spruch gehört: „Einer muss immer leiden, entweder der Autor oder der Leser“ – das kann ich nur unterstreichen.

Leserfrage 12

Elke: Wann schreibst du am liebsten?

Tief in der Nacht, so von null bis drei Uhr. Da habe ich mein absolutes Kreativhoch, und es hat den tollen Nebeneffekt, dass ich Morgenmuffel den Morgen somit auch gleich mal dank Schlaf überspringen kann.

Leserfrage 13

Sandra: Was liest du in deiner Freizeit?

Tatsächlich auch in dem Genre, in dem ich schreibe: Fantasy und Science Fiction. Mein absoluter Lieblingsautor ist da Andrzej Sapkowski, ich hab aber auch in letzter Zeit sehr Tobias O. Meißner zu schätzen gelernt.

Leserfrage 14

Sandra: Was macht dich glücklich und über was kannst du dich ärgern?

Puh, das ist eine schwere Frage, denn ich brauche eigentlich gar nicht viel, um glücklich zu sein. Ich mag es, am Tag ein wenig ruhige Zeit für mich zu haben, dann ein wenig Zeit mit meinem Mann zusammen, dazu noch etwas Leckeres zu essen und ich bin zufrieden. :) Tatsächlich ärgere ich mich nicht viel, ich gehöre zu den Menschen, die das Ärgern fast direkt überspringen und schauen, was sie jetzt mit dem Schlamassel anfangen können. Aber wenn ich am Morgen zu einer einstelligen Uhrzeit aufstehen musste, kann es schon einmal kein allzu guter Tag werden. ;)

Leserfrage 15

Chrissy: Was würdest du dir für die Zukunft für das Gay-Genre wünschen?

Dass es offener wird. Ich würde mir wünschen, wenn nicht jedes Buch mit queeren Protagonisten gleich als Gay Romance wahrgenommen werden würde, sondern sichtbarer wird, dass die Gay Fantasy, Gay Crime, Gay Thriller etc. ebenso oft vorkommen. Und wenn ich noch einen Schritt weiter denke, fände ich es am allerschönsten, wenn es nicht mehr wichtig ist, wen ein Protagonist liebt, sondern Gay Romance wie selbstverständlich als Romance angesehen würde, Gay Fantasy als Fantasy etc. Auch wenn ich unsere kleine Nische sehr liebgewonnen habe, ich fände es schön, wenn sie nicht mehr zur Abgrenzung genutzt werden würde, damit die Obergenres weiterhin heteronormativ bleiben.

Leserfrage 16

Julia: Hast du literarische Vorbilder? Wobei ich nicht meine „ich will so schreiben wie XY“, sondern einfach Autoren, die du bewunderst.

Definitiv Andrzej Sapkowski. Ich schreibe zwar nicht wie er, will ich auch gar nicht, aber durch ihn habe ich gelernt, was gute Dialoge sind. :)

Leserfrage 17

Julia: Kannst du dir vorstellen, mal mit einem anderen Autor zusammen einen Roman zu schreiben?

Definitiv – ich glaube aber, die Frage müsste eher heißen: Kann sich ein anderer Autor ernsthaft vorstellen, mit mir verplantem und überkritischem Etwas einen Roman zu schreiben? Und weiß er, wo er notfalls meine Leiche verstecken kann? ;) Übrigens, wenn wir mal von Romanen wegschauen, ist da tatsächlich eine Kooperation mit der lieben Elea Brandt in Planung, da wollen wir beide aber noch nichts verraten – außer, dass es im weitesten Sinne um Rollenspiele geht. ;)

Leserfrage 18

Sandra: Dein neues Projekt in einem Satz (oder auch in zwei)?

Vorsichtig, bissig! ;)

Sandra: Bitte nicht öffnen?!

Die beste Prophezeiung, die ich je in einem Spiel gehört habe! <3

Leserfrage 19

Chrissy: Was würdest du einem Neuautor raten? Gibt es eventuell Fehler, die er nicht machen sollte?

Auch wenn das Schreiben eine einsame Tätigkeit ist, wir Autor*innen müssen es nicht sein. Ich habe oft den Eindruck, Neulinge haben schnell Angst vor Ideenklau und tauschen sich deshalb nicht gern aus, aber das ist ein riesen Fehler. Ich habe selten eine so nette und offene Community getroffen wie wir Autor*innen es sind, und das meine ganz ehrlich. Wir können wahnsinnig viel voneinander lernen und diese Chance sollten Neulinge nutzen. Also, bleibt nicht allein, redet mit uns und lasst uns zusammen ganz tolle Bücher erschaffen. :)

Leserfrage 20

Chrissy: Hast du ein Lieblingsbuch im GayGenre?

Trotz all seiner Fehler: Staub & Stolz.

Sandra: Staub & Stolz, tolles Buch.

Tatty: Da überspringe ich das Ende. Nochmal ertrage ich das nicht.

Tatsächlich gefällt mir das Ende auch nicht, wobei ich überhaupt nichts dagegen habe, wenn es mal kein Happy End gibt. Hier finde ich halt nur, dass das Ende nicht gut zur Geschichte passt. Aber es ändert alles nichts daran, dass es ein wahnsinnig gutes Buch ist!

Leserfrage 21

Nico: Ich kenne jetzt noch nichts von dir. Welches deiner Werke würdest du mir besonders ans Herz legen?

Da ich bisher nur einen Zweiteiler veröffentlicht habe, wäre es ganz gut, direkt mit Teil 1 zu beginnen: „Sternenbrand 1: Blind“ :)

Leserfrage 22

Sandra: Drei Worte, die dich am besten beschreiben!

Chaotisch, pragmatisch, Ingwertee. ;)

Schlusswort

Wie jetzt, schon eine Stunde rum? Wie ist das denn so schnell passiert?

Vielen Dank an euch alle, es hat wahnsinnig Spaß gemacht! Und wer noch eine Frage hat, kann mich gern jederzeit über meine Seite anschreiben. Ich beiße auch nicht, das überlasse ich den Zombies. ;)

Leser interviewen – Annette Juretzki