Interview vom 05. August mit Elea Brand. Das Interview fand in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ statt, guckt gerne sonntags zwischen 18.00 – 19.00 vorbei, wenn ihr selber mal Fragen stellen möchtet.

Elea findet ihr auf ihrer Internetseite.

Das Interview

Autorenvorstellung

Hallo zusammen, es freut mich, dass ich mich heute euren Fragen stellen darf.

Ich bin Lena und schreibe Fantasy als Elea Brandt. Ich bin ein waschechter Geek, liebe Rollenspiel, Fantasy-Kram, LARP und Trash-Filme und denke mir schon Geschichten aus, solange ich mich erinnern kann.

Queere Figuren spielen in nahezu allen meinen Roman-Projekten eine Rolle, allerdings sind sie nicht immer unbedingt die ProtagonistInnen. „Unter einem Banner“ ist mein erster „waschechter“ Gay Fantasy Roman, erschienen im Dead Soft Verlag.

Link zu „Unter einem Banner“: https://www.amazon.de/Unter-einem-Banner…/dp/B078YWNWHM

Link zu meinen anderen Romanprojekten: https://eleabrandt.com/veroeffentlichungen/romane/

Link zu meiner Facebook-Seite: www.facebook.com/eleabrandt

Leserfrage 1

Andrea: Hallo Lena, an was für einem Projekt arbeitest du gerade, wenn du dazu schon etwas verraten darfst?

Klar, das darf ich. :) Ich überarbeite gerade einen zweiten Dark-Fantasy-Roman im Stil meines Debüts („Opfermond“), der auch im Mantikore-Verlag erscheinen wird. Ziemlich düster, etwas horrorlastig und – im Gegensatz zu „Opfermond“ – mit einer queeren, weil lesbischen, Protagonistin. Daneben schreibe ich außerdem an der Fortsetzung zu „Unter einem Banner“, wieder Low Fantasy, diesmal aber mit einem gewissen Fokus auf Politik und Intrigen.

Leserfrage 2

Andrea: Haben dich deine Erfahrungen mit Rollenspiel und LARP auch beim Schreiben inspiriert oder beeinflusst?

Ja, immens. In „Unter einem Banner“ habe ich sehr viele Erfahrungen aus dem „Pen & Paper“-Rollenspiel-Bereich einfließen lassen, gerade was die Kriegs- und Lagerszenen angeht, das Zusammenspiel zwischen den Soldaten etc. Auch Charakterentwicklung ist etwas, das man im Rollenspiel intensiv ausleben kann, es macht Entwicklungen sehr greifbar. Das bereichert mich beim Schreiben auf jeden Fall.

Leserfrage 3

Chrissy: Ich durfte ja bei der Lesung in Wiesbaden bei Queer Gelesen dabei sein. Wann hast du deine nächste Lesung?

Im September lese ich auf dem Festival Mediaval in Selb, dem größten Mittelalter-Festival Europas, da bin ich schon wahnsinnig gespannt drauf. Ich darf dort sowohl mein Debüt „Opfermond“, als auch „Unter einem Banner“ vorstellen und freu mich total drauf.

Chrissy: Wird man dich auch auf der Gaybook Fair und/oder der BuchBerlin treffen können?

Auf die Gaybook Fair werde ich es vermutlich nicht schaffen, weil der BuCon parallel ist – und auf den mag ich so ungern verzichten. :D Auf die BuchBerlin würde ich sehr gerne kommen.

Leserfrage 4

Chrissy: Wie entsteht bei dir ein Fantasyroman? Was arbeitest du als erstes aus?

Puh … Gute Frage. Meistens sind die Charaktere als erstes da und nerven so lange, bis ich mich bereit erkläre, ihnen eine Bühne zu bieten. ;) Parallel gibt es meistens auch schon eine grobe Idee für das Setting (eher düster, eher märchenhaft, eher mittelalterlich oder antik-orientalisch etc.). Die Welt im Detail entsteht dann Stück für Stück aus dem Plot heraus, ich entwickle sie nie unabhängig von der Geschichte.

Beim Plot arbeite ich sehr gerne mit den 7 Punkten. Die lassen mir genug Freiraum, um die Geschichte zu gestalten, bieten aber auch einen guten Orientierungsrahmen.

Leserfrage 5

Andrea: Gibt es irgendwelche Dinge, auf die du beim Schreiben nicht verzichten magst? (z.B. ein spezielles Schreibgerät, Kaffee …)

Ich bin da eigentlich sehr flexibel. Ich bin bis vor wenigen Monaten noch unter der Woche gependelt und hab viel im Zug geschrieben, mal im Café, mal in meiner Zweitwohnung, mal Zuhause … Da tut man sich schwer mit Routinen. Auf mein Schreibprogramm, Scrivener, würde ich aber nur ungern verzichten, zumindest bei Romanprojekten.

Leserfrage 6

Sandra: Wie gehst du mit Ideenlöchern um, d.h. wenn plötzlich schreibtechnisch gar nichts mehr geht?

Oje, kenne ich zur Zeit gut. *lach* In der Regel suche ich mir dann Hilfe und quatsche mit meinem Freund oder anderen AutorInnen drüber. Manchmal hilft auch eine Mindmap, um Gedanken und Ideen zu sortieren. Aber den Austausch mit anderen finde ich eigentlich immer am hilfreichsten.

Leserfrage 7

Chrissy: Welche Art von Storys liest du gerne?

Hauptsächlich Fantasy, am liebsten Low Fantasy oder Sword and Sorcery. Ich mag Geschichten, die sehr charakterzentriert sind, in denen es weniger ums Weltretten, sondern um individuelle Konflikte und Entwicklungen geht. Um die Psychologie, sozusagen. Gerne auch solche mit eher grauen, zwielichtigen Charakteren. Ich lese aber auch auch gerne Thriller, Krimis oder auch mal Horror.

Leserfrage 8

Sandra: Lässt du dich von Musik inspirieren und falls ja, von welcher?

Leider nur selten. Ich finde es total cool, mit Musik zu arbeiten, aber beim Schreiben brauche ich tatsächlich Stille, da lenkt mich die Musik zu sehr ab. Ich habe aber für viele Projekte eine Art „Motto-Song“, der mich dann immer direkt in die Geschichte katapultiert.

Leserfrage 9

Doris : Kommt dieser Motto-Song dann an irgendeiner Stelle deiner Geschichte vor? Ich mag das total, wenn Titel im Buch genannt werden, ich kann mir dann oft noch ein besseres Bild der Protas oder der Szene machen.

Da ich ausschließlich Fantasy schreibe (also solche, die nicht in unsere Welt spielt) geht das leider nicht. Die Idee ist aber cool.

Leserfrage 10

Chrissy: Wie bist du zum GayGenre gekommen?

Das war gar keine bewusste Entscheidung, wenn ich ehrlich bin. Reykan und Benrik waren einfach da und hatten eine Geschichte zu erzählen – wie hätte ich da nein sagen können. ;) Queere Figuren waren schon immer Teil meiner Romane, einfach weil mir Diversität wichtig ist, gerade in der Fantasy, wo die Möglichkeiten so vielfältig sind. Dass dann irgendwann auch die Protas schwul (oder lesbisch) sein würden, war an sich nur eine Frage der Zeit.

Leserfrage 11

Aneta: Planst du bei deinen Romanen die Fortsetzungen immer auch gleich mit ein oder hüpfen dich die Ideen dazu erst hinterher an?

Ein bisschen von beidem. :D Teilweise hatte ich die Fortsetzungen fest geplant (bei „Sand & Wind“, zum Beispiel) teilweise hatte ich damit geliebäugelt (wie bei „Unter einem Banner“). An sich bin ein Fan von abgeschlossenen Büchern, es gibt ja eh schon sooo viele Reihen, aber manchmal klappt das halt einfach nicht. :D

Leserfrage 12

Sandra: Es heißt ja immer, nach dem Buch ist vor dem Buch. Ich falle nach Ende eines Projekts immer in ein dunkles Loch und es braucht eine Weile, bis ich mich für eins meiner Bunnys entschieden habe, die noch auf der Festplatte schlummern. Wie gehst du damit um?

Das ist mir tatsächlich noch nie passiert. Ich habe oft eher das Problem, dass mich während des Schreibens schon 100 neue Ideen anspringen, die ich dann noch zurückstellen muss, bis das Buch fertig ist (ich bin super mies im Multitasking :D ). Von daher freue ich mich dann meistens schon sehr auf das nächste Projekt.

Leserfrage 13

Chrissy: Welche Szenen fallen dir besonders schwer?

Sexszenen! Da sitze ich oft Stunden vor einem Satz, feile dran, formuliere um, wälze ein Wort hundertmal hin und her … Furchtbar :D Aus dem Grund könnte ich auch nie reine Erotik schreiben, ich würde ja nie fertig werden … :D

Leserfrage 14

Sandra: Was ist für dich das Schlimmste an einem Skript?

Meinst du, welche Art von Szenen oder eher welche Phase beim Schreiben?

Sandra: Recherche, Überarbeitungsvorgänge, Covergestaltung … so etwas.

Ah, alles klar. Puh … Das kommt darauf an. Überarbeiten fällt mir oft schwer, zumindest dann, wenn große Umwälzungen nötig sind, zum Beispiel wenn Kapitel gestrichen oder komplett neu geschrieben werden müssen. Ansonsten finde ich Exposé und Klappentext schreiben furchtbar. :D

Leserfrage 15

Andrea: Wie recherchierst du fürs Schreiben?

Kommt darauf an. Da ich an der Uni arbeite, hab ich da durch die Uni-Bib einen nahezu unerschöpflichen Fundus an Büchern, das ist echt super. Wenn ich ein komplett neues Setting entwerfe, dann recherchiere ich vorher ein bisschen zum Hintergrund der Epoche, an der ich mich orientieren möchte. Ansonsten mache ich das parallel, je nachdem, was ich brauche. Details recherchiere ich auch oft erst hinterher, um den Text ein bisschen aufzuhübschen.

Leserfrage 16

Sandra: Welcher deiner Protas ist dir am meisten ans Herz gewachsen und warum?

Puuuh … Das ist schwierig. Ich liebe natürlich alle meine Charaktere. :D Aber ich gestehe, Quiro aus „Sand & Wind“ ist definitiv einer meiner Lieblinge, weil er nichts so richtig ernst nimmt und ständig einen blöden Spruch auf den Lippen hat. Benrik mag ich aber auch sehr gerne, er ist so furchtbar kompliziert, das liebe ich. :D

Leserfrage 17

Andrea: Ich habe auf deiner Webseite Triggerwarnungen für deine Romane gefunden. Bist du generell dafür, dass so etwas in irgendeiner Form erwähnt wird (z.B. Buchbeschreibung, Vorwort oder eben auf der Autorenwebseite)?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich finde, es kann nicht schaden, Leuten, die wirklich eine traumatische Erfahrung gemacht haben, eine Informationsplattform zu bieten, wo sie nachgucken können. Ob sie sie nutzen, ist ja immer noch deren Sache. Ich bin allerdings nicht dafür, Triggerwarnungen wie eine Art „Aufkleber“ zu vergeben, nach dem Motto: „Vorsicht, da sind ganz schlimme Inhalte drin“. Ich konfrontiere meine LeserInnen gerne mit problematischen Themen, ich mag es, mich damit zu beschäftigen – und das finde ich auch wichtig.

Leserfrage 18

Aneta: Kannst du dir vorstellen, auch mal in einem anderen Genre als Fantasy zu „wildern“?

Ähem, die 3-9 Psycho-Thriller-Plotbunnys auf meiner Festplatte sagen wohl ja. :D Ich hab mich aber noch nicht so richtig drangetraut bisher …

Leserfrage 19

Aneta: Gibt es ein Motiv, das so gut wie in jedem deiner Romane auftaucht?

Witzigerweise sind das Geschwisterkonflikte. :D Und es geht oft um Verantwortung, z.B. darum, wie Verpflichtungen (familiär, gesellschaftlich, persönlich) miteinander interagieren und sich gegenseitig blockieren können.

Leserfrage 20

Aneta: Welche Projekte stehen für dich als nächstes an?

Als nächstes „Mutterschoß“ (der Nachfolger zu „Opfermond“, keine Fortsetzung, aber im selben Setting mit eigenständiger Handlung), dann am liebsten „Unter einer Krone“, die Fortsetzung zu „Unter einem Banner“. Und dann ist da ja noch mein Steampunk-Mystery-Krimi-Dingsbums aus dem letzten Nano. Mir wird erstmal nicht langweilig.

Und da ist da ja noch dieses gewisse Geheimprojekt. *hust* *zwinker, zwinker*

Aneta: *hust* Etwas awesome Mysteriöses etwa? *Hustanfall*

So mysteriös, ich müsste dich umbringen, wenn ich es dir erzähle. :P

Leserfrage 21

Andrea: Ein Steampunk-Mystery-Krimi? Das klingt nach einer Geschichte, die ich gern lesen würde. :) Ich hab eine Schwäche für solche Genremixes (schreib ich auch selbst).

Ich bin auch ein totaler Fan von Genre-Mixes. :D Es ist kein ganz reinrassiger Steam Punk, weil es eine Fantasy-Welt ist (und eher ein Barockes als ein viktorianisches Setting), aber ich hab definitiv Lust, daran weiterzumachen.

Leserfrage 22

Sandra: Warum habe ich mir gerade „Sand und Wind“ gekauft und wann soll ich es lesen? *seufz* :D

Yay. <3 Ich liebe dieses Buch, es ist definitiv ein Herzensprojekt von mir. Es liest sich auch wirklich schnell weg, würde ich sagen.

Leserfrage 23

Andrea: Dein Roman „Sand und Wind“ ist gerade auf der Phantastik-Bestenliste. Hast du mit dieser (oder einer anderen) Auszeichnung gerechnet und wie findest du das?

Ich finde das natürlich oberaffengeil. :D :D :D Ich hätte im Leben nicht damit gerechnet, das hat mich total überrascht. Aber ich freue mich unglaublich darüber, ich liebe dieses Buch, und ich hoffe, es findet so noch ein paar glückliche LeserInnen. :) Außerdem ist es ein tolles Kompliment, dass der Roman gerade wegen seiner Diversität ausgewählt wurde.

Leserfrage 24

Sandra: Ich diskutiere Plots gerne mal mit meinen Viechern durch. Früher mit dem Pferd, heute mit den Aliens. Hast du ähnliche Störungen?

Ich spreche gerne meine Dialoge mit, auch mit Gestik und Mimik und allem, was dazu gehört. :D Macht sich super im Zug oder in der Fußgängerzone. :D

Andrea: Da muss ich gerade an einen Schauspieler denken, der erzählte mal in einem Interview, wenn er Texte lernt, joggt er oder läuft herum und tut so, als würde er mit dem Handy telefonieren. Muss trotzdem seltsam aussehen. :)

Haha, ja, vor allem wären die Dialoge halt inhaltlich seltsam. :D

Schlusswort

Wow, das ging ja flott vorbei. Vielen Dank für eure Fragen, hat Spaß gemacht. <3

Leser interviewen – Elea Brand