Interview vom 20. Mai mit Ramona Ruff. Das Interview fand in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ statt, guckt gerne sonntags zwischen 18.00 – 19.00 vorbei, wenn ihr selber mal Fragen stellen möchtet.

Ramona findet ihr auf ihrer Facebookseite.

Das Interview

Autorenvorstellung

Hallo, und ein herzliches Willkommen!

Ich bin Ramona Ruff – im Real-life und auf dem Buchdeckel. ;-) Meine erste Buchveröffentlichung war 2015 „Seelenwund“.

Dass es so kam, wie es kam, hatte schlappe fünf Jahre gedauert, Höhen, Tiefen, Zweifel und Blauäugigkeit mit sich gebracht. Und dann tatsächlich ein fertiges Buch. Zur Zeit stelle ich ein Bändchen mit Kurzgeschichten zusammen – diesmal außerhalb meines Wohlfühl-Genres. Aber eine Urban-Fantasy-Story sucht bereits ihren Weg aus dem Brainstorming-Zustand, und dann wieder mit einem queeren Protagonisten.

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Also ich wär dann soweit, wenn jemand da ist?

Leserfrage 1

Mieko: Hallo. Wo schreibst du am liebsten?

Kommt drauf an, was ich gerade tue. Wenn ich den Text überarbeite, bin ich am PC am Schreibtisch. „Freies Schreiben“ findet altmodisch im Ringheftblock mit Kuli statt – und das kann überall sein.

Leserfrage 2

Chrissy: Fünf Jahre sind eine lange Zeit, hat die Idee auch so lange reifen müssen oder kam anderes dazwischen?

Gute Frage. Die Idee kam damals äußerst ungünstig. Ich hatte gerade einen Schlaganfall hinter mir. Nichts soooooo Großes. Ich musste nicht laufen lernen oder Löffel halten. Aber mein Hirn war ziemlich durcheinander. Und ausgerechnet, als ich mit der Fernschule zur Ausbildung für Wellnessmassage anfing, kamen mir diese Flausen in den Kopf. Aber beides zusammen war wohl genau das, was mein Hirn damals gebraucht hat. Und da Sam (so nenne ich die Nachwirkungen meines Schlaganfalls), meine Muse und ich uns nicht immer so einig waren, hat es eben etwas gedauert.

Leserfrage 3

Chrissy: Wie kamst du zum queeren Genre?

Eines der ersten Bücher, die ich in dieser Richtung gelesen hatte, war „Tanz auf meinem Grab“ und natürlich „Maurice“. Und da ich damals schwer am „mich selbst finden“ war, waren das sehr willkommene Bücher. Was soll ich sagen? Ich bin hängen geblieben. Im Leben, im Lesen und im Schreiben. ;-)

Leserfrage 4

Shan: Man hört und liest viel von Lieblingsmusik beim Schreiben, wie läuft es bei dir am besten?

Wie auch gerade eben, läuft bei mir oft Ludovico Einaudi beim Schreiben, aber auch querbeet, was iTunes hergibt. Oft auch Lieder immer und immer wieder in Dauerschleife, weil es gerade die Stimmung so schön einfängt. „Waves“ hat 154 im Zählwerk von iTunes und einen Haufen Taschentücher …

Leserfrage 5

Minelle: Wann hast du generell mit dem Schreiben angefangen?

Eigentlich wollte ich es gerne vermeiden, es zu schreiben. Aber auch ich war schon von je her von Kuli und Block schwer begeistert. Anfangs (5. – 6. Klasse) waren es zumeist Gedichte und Tagebuch. Später dann Geschichten (damals noch für mich selbst). Lesen und Schreiben haben Welten eröffnet. Und da hatte ich schwer Lunte gerochen.

Leserfrage 6

Kristina: Welches Buch von dir würdest du jemandem empfehlen, der dich noch nicht kennt (bzw. deine Bücher)?

Die Antwort ist leicht zu geben. Es gibt ja bisher nur eines. „Seelenwund“ hat eine Menge von mir drin, wenn auch die Handlung völlig an meinem eigenen Leben vorbeiläuft. Aber ich bin schwer dran, dass sich das bald ändert mit dem nur einen Buch.

Leserfrage 7

Chrissy: Welche Szenen schreibst du am liebsten oder magst du gar nicht schreiben?

Szenen, die Brücken schlagen müssen, von einer Handlung zur anderen – die liegen mir immer etwas im Magen. Sie dürfen nicht zu schnell sein, aber auch nicht zu langatmig und da humpelt es dann bisweilen etwas bei mir, bis es dann funzt. Lieb sind mir eigentlich alle Szenen, die mich nicht ausbremsen LOL.

Leserfrage 8

Shan: Wie bereitest du dich auf deine Schreibzeit vor, brauchst du außer Stift und Block etwas unbedingt dazu?

Ruhe. Und wenn mein Männchen Zuhause ist, ist das immer so eine Sache mit der Ruhe. „Nur mal kurz“, „Kannst du mal“, „Es dauert echt nicht lange“ – manchmal macht mich mein Männchen, gelinde gesagt, wahnsinnig. Ich lieb ihn aber trotzdem. ;-)

Leserfrage 9

Minelle: Wie sieht dein ideales Wohlfühlszenario zum Schreiben aus?

Männchen ist Fotografen-technisch unterwegs, es ist ein Wochenendtag, die Waschmaschine ist aus, gekocht ist schon, Milchkaffee in XXL, Flasche Wasser sind auf dem Schreibtisch. Passt. Aber das ist soooo selten. Also muss es auch anders gehen.

Leserfrage 10

Chrissy: Erzähl doch mal ein bisschen mehr von deinem nächsten Fantasyprojekt.

Uff. Der Protagonist hat eine Fähigkeit, von der er nichts weiß, von seinem toten Vater geerbt, lebt glücklich mit „Ersatzvater“ in London. Leben passt, Liebesleben auch. Außer dass er eigentlich nie richtig schlafen kann und oft Albträume hat. Bis sich die Ereignisse überschlagen, und ihm nichts anders übrig bleibt, als die Fähigkeit anzunehmen. Plötzlich steht alles auf dem Spiel: seine Beziehung, das Leben seines Ersatzvaters, und er muss nebenbei noch jemanden finden, von dem er gar nicht weiß, dass es ihn gibt.

Leserfrage 11

Shan: Wie stehst du zu Sad Ends?

Ich spoilere nicht, wenn ich sage, dass „Seelenwund“ ja kein richtiges Happyend hat. Man kann es ja jederzeit beim großen A in den Beurteilungen lesen. Für mich ist eine Story nicht unbedingt rund, nur wenn es ein Happyend gibt. Manche Storys gehen eben andere Wege, um rund zu sein. Ich verstehe, wenn es Leute gibt, die keine SadEnds mögen. Jeder liest aus einem anderen Grund Bücher. Und da haben SadEnds bei manchen halt keinen Platz. Maurice hat auch kein richtiges Happyend und trotzdem fühlt es sich genau richtig an, sogar wunderbar.

Leserfrage 12

Anja: Wenn du an einer Szene oder einem Kapitel nicht weiterkommst, was machst du, um dich zu inspirieren? Bzw. wenn du mal generell einen Hänger/eine Blockade hast?

Hoffen, dass es bald überstanden ist. Jetzt weißt du, warum „Seelenwund“ fünf Jahre gedauert hat. Und natürlich ist Sam nicht ganz unschuldig daran. Aber normalerweise mache ich dann Schreibübungen oder mach was ganz anderes: Ich häkele Amigurumis.

Leserfrage 13

Minelle: Gehst du nach einem bestimmten Schema an ein Projekt heran oder schreibst du einfach drauflos?

Da „Seelenwund“ ein Wurf ins kalte Wasser war (zumindest die Länge und die Tatsache, dass ich es zu Ende geschrieben habe) – musste ich jetzt leider feststellen, dass ich auf rein gar nichts zurückgreifen kann beim neuen Projekt. Ich fange also jetzt wieder „von vorne“ an. Ja, ich hab Kurse besucht und auch immer wieder. Lese Schreibratgeber. Aber Sam macht mir manchmal einen Strich durch die Rechnung, was „verstehen und umsetzen“ anbelangt.

Leserfrage 14

Chrissy: Schreibst du erotische Szenen lieber aus oder blendest du ab?

Wie es sich in der jeweiligen Szene ergibt, würde ich sagen. „Seelenwund“ hatte jetzt nicht so wahnsinnig viele Sexszenen, aber die dann bis zum Ende. War stimmig, in dem Fall.

Leserfrage 15

Dima: Du hattest mal eine Textprobe hier eingestellt, darin ging es um einen kleinen Jungen im Kindergarten. Was ist daraus geworden?

Der ist nicht vergessen, liegt in der „Bitte warten“-Schleife. Mein Held in London schreit im Moment lauter.

Leserfrage 16

Shan: Ist ein Autorenleben ohne Schokolade (oder Süßes) und Kaffee möglich?

Anja: Ich glaube nicht, mal sehen was Ramona dazu sagt. 

Möglich ja, es macht aber keinen Sinn. LOL – vor allem nicht ohne Kaffee. Aber ich glaube, da sind wir uns hier (zumindest viele von uns) einig, oder? ;-)

Leserfrage 17

Nico: Gibt es ein Thema, über das du gern einmal schreiben würdest, dich aber noch nicht getraut hast?

Es geht dabei nicht unbedingt um ein besonderes Thema, sondern eher um die „Wucht“ und „Verantwortung“ oder den „Respekt“ in der Umsetzung, die manche Themen mit sich bringen. Ich will es dann ja auch nicht so vor die Füße rotzen. Ich hab so den Gedanken, dass man dem Thema Respekt zollen muss im Umgang damit. Ich hoffe, ich drücke das verständlich aus?

Leserfrage 18

Shan: Über was würdest du niemals schreiben, und wenn dir ein Verlagsvertrag deswegen durch die Lappen ginge?

Naja, Nekrophilie und so Zeugs überlasse ich gerne anderen. Horror an sich ist jetzt auch nicht so meins. Mystery gerne. Und Friede-Freude-Eierkuchen-Storys wären jetzt auch nicht meins, auch nicht für Geld. 

Leserfrage 19

Chrissy: Wie leicht oder wie schwer tust du dich mit Kritik?

Ich habe damit ja erst umgehen lernen müssen. Und ich habe gelernt, dass Kritik etwas sehr Subjektives ist und manchmal etwas „scheuklappenartiges“. Da will man wissen, wie jemand das Geschriebene findet und man bekommt um die Ohren geworfen, dass die Lieferung zu lange gedauert hat. Aber prinzipiell muss man wohl manchmal schlicht und einfach auch drüber stehen. Sonst kann man gleich auch hobbymäßig nur noch häkeln.

Leserfrage 20

Dima: Ich liebe Dein Cover von Seelenwund. Wie bist Du daran gekommen bzw. wer hat es gemacht?

Als feststand, dass ich mein Baby wirklich zu Ende schreiben werde, sauste mir das Bild durch den Kopf, von einem alten, abgegriffenen Foto, das bereits vergilbt ist und Knicke hat. Und mir war klar, dass da kein halbnackter Mensch drauf kommt, eher eine Stimmung, ein Gefühl. Und als ich dann Bonny Bendix gefragt hab, hat sie ziemlich schnell verstanden, was ich wollte. Und wir wurden uns zügig einig. :-)

Leserfrage 21

Sandra: Schreibst du mit Plot oder ohne?

Oh, ich kenn den Vier-Akter, die Heldenreise. Und ich weiß, dass man Spielregeln erst mal kennen muss, um sie brechen zu dürfen. Ich ringe im Aufbau meiner neuen Story um KLARHEIT, und ich hoffe, dass Sam es mir ermöglicht, mein Hirn so sehr zusammen nehmen zu können, dass ich plotten kann. Wir werden sehen.

Leserfrage 22

Sandra: Gehörst du auch zu denjenigen, die ständig mit Notizbuch und Bleistift/Kuli durch die Weltgeschichte laufen?

Im Auto liegt ein Diktiergerät, ansonsten begleiten mich immer ein Notizheft und ein Kuli. Anders geht sonst vielleicht Wichtiges verloren. Und das wäre unverzeihlich.

Leserfrage 23

Sandra: Du sitzt im Kreis deiner Lieben/Freunde. Die Stimmung ist prima, es wird gelacht und kreuz und quer über den Tisch unterhalten. Da kommt dir DIE Idee. Was tust du?

Ich verdrück mich leise, hole Block und Stift, komme wieder, mach mir Notizen und bin wieder dabei.

Leserfrage 24

Shan: Bist du schon Diskussionen und Kompromisse mit Protagonisten eingegangen?

Ja. René ist so ein Mensch. Mit dem musste ich mich erst anfreunden. Und sowas war neu für mich. Immerhin hab ich ihn ja erfunden. Und jetzt sollte ich mich mit damit anfreunden, dass er einen gänzlich anderen Charakter angenommen hatte, als ursprünglich geplant. Aber unsere Streits hatten sich dann so gelohnt.

Leserfrage 25

Chrissy: Welche Art schwieriger Protagonist würde dich reizen? Also jemand, der es per se schwer hätte, bei den Lesern anzukommen.

Sowas unrundes, kantiges, so ein Urarschloch, das schon wieder Sympathiepunkte verteilt. Oh, da müsste ich lange drüber nachdenken, weil er mir anfänglich sicher im Weg stehen würde.

Leserfrage 26

Shan: Du – Autor. Wer aus deinem Umfeld weiß davon und liest deine Werke?

Seit dem letzten Kulturherbst weiß es das ganze Dorf und auch in welchem Genre ich schreibe. Upps. Naja, man lebt nur einmal. Aber so ganz manchmal hat man keinen Bock in zwei Minuten zu erklären, was man warum so schreibt.

Leserfrage 27

Anja: Brauchst du Charakterbögen oder hast du deine Protagonisten im Kopf?

Ich führe Interviews oder lasse die Figuren „Biografien“ erzählen. Da erfahre ich am meisten was von ihnen.

Anja: So ungefähr wie bei mir also. ;) Ich kenne meine Protagonisten in- und auswendig. :D

Und manche erzählen wie ein Wasserfall und anderen muss man alles aus der Nase ziehen. 

Schlusswort

Ramona Ruff Ich danke euch allen für die Fragen. Hat ja doch nicht weh getan. ;-) Ich wünsch euch noch einen schönen Sonntag und Feiertag morgen! 

Leser interviewen – Ramona Ruff