Interview vom 01. April mit Nicole Henser. Das Interview fand in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ statt, guckt gerne sonntags zwischen 18.00 – 19.00 vorbei, wenn ihr selber mal Fragen stellen möchtet.

Nicole findet ihr auf ihrer Facebookseite.

Das Interview

Autorenvorstellung

Huhu, ich freue mich, bei euch zu sein. Ich komme gerade vom Osterbrunch, der sich sehr fröhlich bis jetzt gezogen hat. Entsprechend beschwingt geht es hier hoffentlich weiter. :D

Ein Live-Interview ist mir noch neu, also bin ich entsprechend gespannt, was ihr so wissen möchtet. Ein paar Worte zu mir: In meinem ersten Buch habe ich das Gay-Thema bereits für mich entdeckt, auch, wenn es nur zu einem Viertel mitspielte. Das war 2003, es kam 2005 heraus.

Richtig los ging es danach mit Inka Loreen Minden in unserer Anthologie „Gayfühlvoll“ aus dem Jahr 2008. Danach folgten „Usher Grey“ und diverse andere Helden … die meist keine sind, sondern ganz normale Menschen mit allen Problemen, wie man sie so kennt. 😉

Hier findet ihr mich im Allgemeinen und Besonderen:

https://www.facebook.com/AutorinNicoleHenser/

Leserfrage 1

Beatrix: Hallo, Nicole. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Meine Kusine ist schuld. Sie hat damals ein eigenes Buch geschrieben und meinte, wir sollten noch ein gemeinsames beginnen. Aber die Geschichte sollte meine sein und sie wollte ihren Beitrag leisten. Da wir gemeinsame „Briefgespräche“ geschrieben hatten, den Begriff „Rollenspiel“ hat es noch nicht gegeben, wollten wir mit verschiedenen Paaren arbeiten. So entstand das „Beziehungsexperiment“, bei dem es eine schwule Verbindung gab … nur leider ist meine Kusine dann ausgestiegen und ich habe es allein beendet. ;-)

Leserfrage 2

Elke: Hallo Nicole, gibt es einen Bereich im Genre, in dem du gerne einmal schreiben würdest?

Hmm, einen ganz neuen Bereich? Vielleicht einen schwulen Krimi. Bisher habe ich Paranormales (Urban Fantasy) geschrieben, Contemporary und Historisches. Eigentlich sind das meine liebsten Subgenres … ^^

Leserfrage 3

Sydney: *hust* Wie feierst du den „Internationalen Tag der Süßkartoffel?“ :D

Lach … Okay, das ist unser eigener Feiertag am 4. August. :D Wenn ich daran denke, gratuliere ich dir, weil meine Tochter unsere Leidenschaft nicht teilt und ich der Süßkartoffel meist allein huldigen muss. Du bist ja immer so weit weg. :*

Leserfrage 4

Melanie: Hallo Nicole, was liest Du privat gerne und was hast du für Hobbys?

Hallo Melanie. ;-) Leider komme ich kaum zum Lesen, weil das Schreiben bei mir eine Menge Raum einnimmt. Ich versuche immer, bei Sydney auf dem neusten Stand zu bleiben, und das fällt mir schon schwer, weil ich nicht dazu komme. Aber ich habe einen SUB und ganz oben liegt Swantje Berndts „Sodomit“. :D

Hupps, die Frage zu den Hobbys habe ich glatt übersehen, sorry. :3 Ich habe eine halbwüchsige Vollzeittochter, eine Katze und bastle, wie ich unten schon kurz erläutert habe. Damit ist das kleine Zeitfenster eigentlich schon erschöpft, das ich neben dem Schreiben habe.

Leserfrage 5

Elke: Wo kommen dir deine Ideen?

Die Ideen kommen mir eigentlich überall, weil meine Figuren immer in meinem Kopf sind. Allerdings gibt es einige Stellen in der Wohnung, die besonders die Kreativität zu fördern scheinen. Sagen wir mal, das Badezimmer ist so ein Katalysator – wenn mich Katze und Tochter dort in Ruhe lassen. :D Ob Dusche oder andere Örtlichkeiten, da fallen mir die besten Dinge ein.

Leserfrage 6

Sylvia: Danke für das Interview erst mal. ^^ Was brauchst du zum Schreiben? (Umgebung? Musik?)

Das ist unterschiedlich und es kommt sehr auf meine Verfassung an. Manchmal mag ich zur Szene passende Musik, manchmal auch absolute Stille. :3 Wenn mein Hirn gerade abgelenkt werden will, mache ich den Fernseher an und schaue zur Untermalung eine Doku. Es ist also sehr verschieden, aber ich brauche immer eine schöne Umgebung. ^^ Ich muss mich wohlfühlen.

Leserfrage 7

Nico: Huhu. ^^ Gibt es ein Genre, in dem du gerne mal schreiben würdest, dich aber noch nicht getraut hast?

Eigentlich nicht. ;-) Ich habe einen Hetero-Thriller zur Überarbeitung in der Schublade liegen, habe es aber dann doch bevorzugt, im Gay-Bereich zu bleiben, weil ich hier zuhause bin. :D Das war total spannend und es fließen seitdem solche Elemente in meine Geschichten ein.

Leserfrage 8

Sylvia:Was hast du sonst so für Hobbys? *Loch in den Bauch frag* xD

Ich habe die Bastelei mit Papier für mich entdeckt … also, ich „veredle“ Holzkisten mit Scrapbooking-Materialien. Zumal ich dank „Frankenstein in Love“ den Steampunk für mich entdeckt habe. Ein anderes Projekt ist ein viktorianisches Theater in einer Orangenkiste … mit Puppenmöbeln und entsprechendem Ambiente. ;-)

Leserfrage 9

Chrissy: Man merkt deinen Bücher immer an (z. B. Arun), dass da so einiges an Recherchearbeit drin steckt. Wie viel Zeit nimmt das bei jedem Buch in Anspruch?

Ich recherchiere sehr gründlich, bis ich das Gefühl habe, das komplette Bild für eine Szene im Kopf zu haben. Dabei denke ich eigentlich immer sehr visuell, ich brauche Infos dafür. ;-) Mit der Zeit entsteht dann ein rundes Ganzes. Aber ich muss mich auch in eine Materie hineinfühlen können. Wenn ich mich zum Beispiel in eine Zeit hineinversetze, gehe ich sehr in die Tiefe, um das Lebensgefühl einzufangen, das damals herrschte … so entstehen die Figuren in meinem Kopf mit ihren Eigenarten und Schrullen. ^^

Leserfrage 10

Chrissy: Gibt es ein Thema, welches dir besonders am Herzen liegt beim schreiben?

Ja, ich lege eindeutig den Schwerpunkt auf die Beziehung zwischen den Protagonisten. Ihre Beweggründe, warum sie so handeln, und die Probleme, die sie zu bewältigen haben. Mir ist es sehr wichtig, die ganze Gefühlspalette so rüberzubringen, dass sie beim Lesen mitempfunden werden kann. :3 Ich denke, das ist mir besonders wichtig. Egal, ob Erotik, Liebe, Leiden, Wut, Spannung oder auch das Lachen.

Leserfrage 11

Diana: Wie sieht denn dein Lieblingsschreibplatz aus?

Ich habe einen schönen Schreibplatz mitten im Leben: ausgerechnet das Wohnzimmer. An meinem angestammten Platz fühle ich mich am wohlsten. :D Wenn es allerdings wettertechnisch möglich ist, liebe ich auch meinen Balkon und schreibe dort. Oder in meinem Zimmer, wo ich einen zweiten PC stehen habe, um mal eine Tür schließen zu können.

Leserfrage 12

Chrissy: Es ist, z. B. bei Usher, ja eher ungewöhnlich, wenn ein Held nicht strikt monogam ist. Was hat dich dazu inspiriert?

Das ist eine gute Frage, Chris. ;-) Wahrscheinlich habe ich damals nach einer Form der Freiheit gesucht, die mir selbst fremd ist. Der Gedanke kam daher, dass ich überlegt habe, was jemanden, der an keine Konventionen gebunden ist, dazu bewegt, monogam zu sein. Oder auch, das übliche Rollenklischee einzuhalten. Herausgekommen ist mein pansexueller Usher Grey, der eigentlich den Gelegenheiten folgend seinen Trieb ausgelebt hat. Aber ich habe dann über seine Sorgen und Nöte festgestellt, dass es schwierig ist, seine Gefühle zu teilen … daher tendiert selbst Usher dazu, monogamer zu werden. :D Denn Zeit und Aufmerksamkeit lassen sich – neben Emotionen – nicht teilen. Mittlerweile sind meine Figuren schon davon überzeugt, lieber nur ein einziges Mal ihr Herz zu verschenken. Auch, wenn sie vielleicht auf dem Weg das eine oder andere Liebesabenteuer (ohne große Bedeutung) mitnehmen. Es kann auf Dauer nur Einen geben. ;-)

Leserfrage 13

Anja: Hast du ein Lieblingsessen und Lieblingsgetränk?

Hmmm, ich genieße gern und schlemme mich so durch. :D Ganz sicher ist Kaffee mein Lieblingsgetränk, weil ohne kein Leben existiert. <3 Ansonsten trinke ich nach Gelegenheit gern einen Wein (heute Sekt) oder auch ein Bier. Gegessen wird möglichst vielfältig, ich mag mich da nicht festlegen, ich probiere gern mal etwas Neues.

Leserfrage 14

Andrea: Ich liebe deine Flaming Hearts! Wie bist du zu dem Thema gekommen? (Hoffentlich kommt jetzt nicht sowas wie “Männer in Uniform“)

Neeee, die Uniformen sind es nicht. :D Ich liebe das Element Feuer und mein Vater war bei der Berufsfeuerwehr, aber das ist schon lange her. Ich fühle mich allerdings mit der Materie verbunden. Durch ein Projekt meiner Tochter hatte ich Kontakt zu einem supernetten Feuerwehrmann, der aber leider glücklich verheiratet war. :D Das hat mich ein wenig inspiriert. Ich gebe zu, diese Alltagshelden zu bewundern, die, ohne mit der Wimper zu zucken, ihr Leben riskieren, weil sie es als ihre Berufung empfinden. Und so wuchs die Idee heran. Die Dramatik der Geschichte ist allerdings erst gewachsen, während sich die Figuren immer weiter entwickelten. Da habe ich etwas losgetreten, das seine Ausmaße erst im Laufe der Zeit gezeigt hat …

Leserfrage 15

Andrea: Tee oder Kaffee? Hund oder Katze? Schokolade oder Vanille? 

Poah, diese Entscheidungen. ;-) Kaffee, Katze, Schokolade. Ich mag aber auch die jeweils andere Ausprägung und liebe fast alle Tier außer Insekten.

Leserfrage 16

Gudrun: Bist du ein Sommerliebhaber, oder magst du lieber den Winter und kalt?

Beide Jahreszeiten haben tolle Seiten und ich picke mir gern die Rosinen heraus, um sie zu genießen. :D Grundsätzlich liebe ich eher die Sonne, aber es ist mir auch schnell zu warm.

Leserfrage 17

Andrea: Welches deiner Bücher ist dein “Lieblingskind“ und warum?

Das ist wirklich schwer zu sagen, weil ich zu hundert Prozent in meinem aktuellen Projekt stecke. Ich bin in den Figuren und fühle mich so tief hinein, dass die Grenzen verschwimmen. Darum reißen mich die Gefühle auch immer wieder mit. ;-) Im Moment berühren mich die Probleme von Marek aus den „Flaming Hearts“ so tief, dass ich wirklich nicht behaupten kann, eine andere Geschichte emotional wichtiger zu finden. Aber ich habe auch festgestellt, dass ich problemlos in alle meine Protagonisten hineinschlüpfen kann wie in einen Handschuh, sobald ich ein Stück lese. „Flaming Hearts“ ist ein Mammut-Projekt und begleitet mich jetzt schon sehr lange. Wenn ich mich entscheiden müsste, wäre es mein momentaner Liebling. :D

Leserfrage 18

Chrissy: Was dürfen wir dieses Jahr noch von dir erwarten?

Zunächst werde ich die Episoden 6 bis 9 von „Flaming Hearts“ herausbringen. Dann ist noch eine Fortsetzung von „Frankenstein in Love“ geplant. Vielleicht sogar eine zweite, es soll ein Dreiteiler werden. ;-) Und dann gibt es wohl noch Einzelstorys zu den „Flaming Hearts“, nachdem Marek und Rob ihr verdientes Happy End bekommen haben. ^^

Ramona: „Frankenstein in Love“ bekommt zwei weitere Teile? Das war das erste Buch das ich von dir gelesen habe. Und ich liebe es immer noch.

Gudrun: Ja, ich wollte auch fragen welche Ideen du nach Flaming Hearts hast?

Wie bereits oben beantwortet. :* Ich denke nicht, dass ich in diesem Jahr noch zu mehr komme, weil ich leider so eine Schreibschnecke bin. Aber ich habe da noch ein Herzensprojekt, das ich ganz sicher umsetzen möchte. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann ein zweites Paar Hände. ^^

Leserfrage 19

Sandra: Gibt es Autoren, die dir als Vorbild dienen?

Eigentlich eher nicht. :D Ich habe in unserem Genre begonnen, als es noch nicht besonders viele Autoren gegeben hat, die Gay-Themen geschrieben haben. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich mir meinen eigenen Weg gesucht und Projekte gestartet habe, die mir gerade in den Sinn gekommen sind. Meiner Meinung nach kann man sich inspirieren lassen, aber es ist wichtig, sein eigenes Ding zu machen. ;-)

Leserfrage 20

Sandra: Bist du in deinem privaten und beruflichen Umfeld als Gay-Autorin „geoutet“?

Da ich Vollzeitautorin bin, mache ich natürlich keinen Hehl daraus, Gay-Autorin zu sein. Und zwar voller Stolz, ein Ausflug in die Hetero-Welt hat mir gezeigt, dass ich nicht dorthin gehöre. :D Privat weiß eigentlich mein gesamtes Umfeld, was ich schreibe, auch, wenn meine Mutter meint, es wäre „nichts, womit man bei den Leuten angeben kann“. ;-) Ich stehe zu dem, was ich tue, und trete auch ganz nebenher für Toleranz ein.

Schlusswort

Ich danke euch allen, die Zeit ist verflogen wie sonst was. <3 Es waren sehr interessante Fragen.

Leser interviewen – Nicole Henser