2018-02-17_Elfenrache-Julia FränkleBack to Rezi oder so ähnlich. Und dann auch noch Fantasy. Wo soll ich anfangen? Nun, vielleicht erst einmal wie üblich mit dem Hinweis, dass ich ein Rezensionsexemplar (als E-Book) erhalten habe. Vielen Dank an die Autorin dafür. Ansonsten habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass in meinem Leseplan für demnächst auch erst einmal Fantasy gesetzt ist und dazwischen ein Sachbuch. Neues Rezensionsjahr, neue Vorlieben? Wir werden sehen, den Anfang macht jedenfalls erst einmal Elfenrache.

Allgemeines zum Buch

Es befindet sich ganz frisch auf dem Markt und ist vorgestern, am 15.02., erschienen. Die genaue Seitenzahl muss ich noch erfragen, da ich ca vier Stunden für das Buch benötigt habe, würde ich auch mit um die 400 Seiten rechnen. Dazu ist es bei Kindle Unlimited eingestellt. Dass Julia Fränkle euch in ein Fantasyabenteuer stürzt, erwähnte ich bereits, dazu könnte man auch noch sagen, dass wir uns im Bereich Gay Romance bewegen.

Inhalt und Rezension

Zumeist haben wir ein recht genaues Bild vor Augen, wenn wir uns einen Schreckensherrscher vorstellen sollen. So einer ist auch König Thakeno. Dunkle Magie soll ihm dabei helfen, seine Macht zu vergrößern und so ist ein Krieg zwischen Menschen und Elfen wahrscheinlicher, als der Bestand des Friedens. Aber auch die Elfen untereinander sind im Vorgehen gegen Thakeno uneins und so treffen Reïfalas und Leyunar – Feuerelf und Luftmagier – unter ungünstigen Bedingungen aufeinander. Noch ungünstiger scheint, dass da etwas zwischen ihnen ist, was ihr Urteilsvermögen gefährden könnte und damit sowohl den Frieden als auch die Pläne ihrer Fürsten.

Jetzt ans Eingemachte und ich stehe immer noch unter den Eindrücken des Buches und versuche mich etwas zu sortieren. Und das ist gewissermaßen schon ein erstes Fazit, denn nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, musste ich mir erst einmal einen Tee für Nerven machen. Das Tempo des Buches ist durchweg hoch und ehe ich es ganz begriffen habe, war ich fertig und vier Stunden weg

Was das Leseerlebnis sehr intensiv gemacht hat, waren die vielen verschiedenen Charaktere, Positionen, Intrigen, etc. Auf jeder Seite und bei jeder Begegnung musste ich mich als Leser fragen, ob das, was ich lese, Bestand haben wird oder ob ich nicht ebenfalls geschickt von den Protagonisten an der Nase herumgeführt werde. Begünstigt wurde das durch die vielen verschiedenen Perspektiven, aus denen die Geschehnisse betrachtet werden. Denn jeder Protagonist verfolgt eigene Ziele und folgt eigenen Idealen. Der Überblick verliert sich schnell, wenn man da nicht am Ball bleibt, die Geschichte überfliegen, ist absolut nicht möglich, ihr werdet jede Zeile brauchen, um ein volles Verständnis für die einzelnen Handlungen zu bekommen.

Das ist faszinierend und anstrengend zugleich. Ich persönlich bin ja eher Freund von ein bis zwei Perspektiven, musste mich da also auch erst einmal drauf einlassen. Am Ende ergibt das durchaus Sinn, die Auflösung, wie sie dann ist, kann auch nur so funktionieren und hat mich wirklich überzeugt. Ein bisschen was habe ich geahnt, aber der schlussendliche Twist ist mehr als geschickt und gelingt, weil ich als Leser im Trubel der Ereignisse mitgerissen werde und zwangsläufig den Fokus verliere.

Woran ich mich ebenfalls gewöhnen musste, war die existierende Distanz zu den Protagonisten, die, bis auf kleine Momente, doch immer bestehen bleibt. Ich bin auch jetzt noch etwas ambivalent dazu eingestellt (in der Regel mag ich das nicht), aber im Hinblick auf das Setting, die Art des Geschehens – ich denke es passt zu dem, wie die Handlung aufgebaut ist und die dichte Ereignisfolge lässt den Protagonisten oft keinen Raum, sehr tief in die eigenen Gefühle zu tauchen. Dazu kommt, dass sie es sich schlicht nicht leisten können – denn nicht nur der Leser ist geneigt, den überall gesponnenen Intrigen auf den Leim zu gehen. Mir gefällt es am Ende deshalb, weil es dadurch einen Spannungsgewinn gibt und es nahtlos mit den anderen Stilmitteln zusammenkommt.

Schwierig fand ich die kleinen Zeitsprünge, die das Tempo des Geschehens immer noch mal maßgeblich erhöht haben, denn dadurch hatte ich an der ein oder anderen Stelle das Gefühl, dass mir wirklich etwas fehlt. Es kommt zusammen, aber es sorgt hin und wieder für eine Verwirrung der weniger angenehmen Art. Erschwert wurde das Ganze noch, weil ich, trotz der immer gegebenen zeitlichen Einordnung, kein Gefühl für die Wege und die dafür benötigte Zeit bekommen habe. Dazu muss ich aber auch sagen, dass es mein erstes Buch aus der Reihe ist und ich nicht auf eventuell vorher Beschriebenes zurückgreifen kann.

Überhaupt tritt die eigentliche Welt hier sehr in den Hintergrund. Wenn ich es mit einem Bild beschreiben müsste, dann ist es fast so, als würde man die ganze Zeit auf ein Spielbrett gucken, die sich rasant bewegenden Figuren betrachten und atemlos abwarten, welcher Zug am Ende der Entscheidende ist. Das Setting würde ich daher schon als minimalistisch beschreiben, vor den geballten Eindrücken, die aber dann auf mich eingewirkt haben, bin ich beinahe froh drum. Nichtsdestotrotz, das Gefühl, dass es an der ein oder anderen Stelle bildhafter und vorstellbarer hätte sein können, entstand bei mir leider trotzdem. Ich gebe aber auch gerne zu, dass ich nicht der routinierte Fantasyleser bin und immer zu etwas mehr Umgebungsdetail tendiere, wenn ich es mir wünschen kann.

Ich will das aber gar nicht zerreden. Mein Fazit ist ganz klar positiv, es war anders, aber auf eine Art, die ich im Ganzen toll umgesetzt fand. Ich hatte zwischendrin Angst, dass die einzelnen Fäden nicht zusammenkommen, aber, Hut ab, dass sie sich am Ende zu einem kunstvoll gewobenen Seil verbinden, habe ich nicht nur nicht erwartet, es hat mich schlicht aus den Socken gehauen. Wenn Multiperspektiven immer so effektvoll wären, dann würde ich durchaus überlegen, mich bekehren zu lassen. Großes Lob dafür und definitiv mein Highlightaspekt in dem ganzen Buch.

Zu den Hauptprotagonisten will ich deshalb gar nicht so viel sagen, vielleicht nur das: Reïfalas und Leyunar bilden die Basis dieses kunstvollen Seils, denn wie sie verwoben werden, halte ich auch für einen Fantasyroman für einmalig. Wie ich das meine, werdet ihr haargenau wissen, wenn ihr ebenfalls nach der letzten Seite einen Tee braucht.

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Autoreninformation/ -kontakt

Julia Fränkle hat unter dem Pseudonym Svea Lundberg (www.svealundberg.net) eine eigene Internetadresse, unter der ihr auch alle bisher erschienenen Bücher findet.

Wer Julia persönlich treffen möchte, kann das auf der anstehenden Leipziger Buchmesse tun. Sie wird Freitag und Samstag je eine Stunde lang am Stand vom dead soft Verlag signieren. Nähere Informationen dazu findet ihr auf ihrer Seite.

꙳Elfenrache – Flammen im Wind꙳ – Julia Fränkle