꙳Tanz der Ikonen꙳ – B.D. Winter

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IMG_3347Zu einer Blogtour im Zuge einer Buchveröffentlichung, gehört natürlich auch eine Rezension. Und ich gestehe, wenn ich von einem Autor noch nie zuvor ein Buch gelesen habe, dann macht mich so etwas schon leicht nervös. Immerhin ist nie klar, was am Ende dabei herauskommt.

Aber wie hätte ich zu einem romantischen Thriller „nein“ sagen sollen? Ich war wirklich gespannt, wie das Thema des Buches von der Autorin umgesetzt worden ist, auch, weil ich mir sicher war, dass es sich sprachlich, aller Wahrscheinlichkeit nach, auf einem hohen Niveau befinden wird. Also habe ich es gewagt und damit präsentiere ich euch mein Herzstück der Blogtour, die Rezension zu „Tanz der Ikonen“.

Allgemeines zum Buch

Am 10.11. erschienen, umfasst die Geschichte um Merahwi und sein Team 304 Printseiten, wobei das Format etwas größer ist. Das Buch kann dem Genre Gay Romance zugeordnet werden und ist das erste von Barbara Drucker in diesem Bereich. So wie dieses werden auch alle weiteren im Genre Gay werden unter dem Pseudonym B.D. Winter erscheinen.

Inhalt und Rezension

Nach dem Studium einen Job zu finden, ist für den Germanisten Julian keine leichte Aufgabe. Er landet schließlich in der Firma von Alexander Merahwi und wird kurz darauf bereits in den neuen Fall einbezogen. Tolya, ein Ballettstar, beauftragt das Team, eine verschwundene, eingeschmuggelte Ikone wiederzubeschaffen. Nicht nur die Aufgabe ist äußerst heikel, sondern auch die Affäre zwischen ihm und Julian, denn dessen Chef ist Homosexualität nicht besonders aufgeschlossen gegenüber. Während Julian noch versucht herauszufinden, was und wen er an seiner Seite haben möchte, spitzen sich die Dinge zu und bald steht neben seinen Gefühlen, auch sein Leben auf dem Spiel.

Was soll ich sagen, einmal angefangen, hört man so schnell nicht mehr auf. Der Einstieg in das Buch gelingt wunderbar, weil die Autorin es versteht, die Personen und Handlungen derart interessant zu gestalten, dass sich eine natürliche Neugierde entwickelt. Es gibt kein langes Abtasten, keine langatmigen Erklärungen, das Spannungslevel ist gleich zu Beginn hoch und bietet einen Auftakt, der einem Thriller würdig ist.

Das Buch wird von drei personalen Erzählern getragen (Julian, Merahwi und Tolya), wobei jede Perspektive bedacht eingesetzt worden ist und die jeweiligen Standpunkte zum Verständnis der Charaktere und der Situation beitragen. Auch wenn ich nicht unbedingt Freund von mehr als ein bis zwei Erzählern bin, kann ich hier deutlich die Funktion dahinter sehen.

Ein bisschen Schwierigkeiten haben mir die vielen verschiedenen Namen am Anfang bereitet. Nicht nur das Büro von Merahwi hat eine Reihe an Mitarbeitern zu bieten, die Bösewichte arbeiteten leider auch nicht allein. Mit meiner massiven Namenmerkschwäche war das schon eine Herausforderung. Auf der anderen Seite war das nicht so schlecht, denn dadurch ergaben sich für mich auch immer wieder ein paar Überraschungen im Verlauf.

Was mich auch gleich zu meinem nächsten Pluspunkt bringt. Ich musste wirklich jede Seite genau lesen. Was erst einmal selbstverständlich erscheint, ist es tatsächlich nicht, denn viele Autoren neigen in Romanzen auch ein wenig zum Schwafeln. Hier ist keine Seite, nicht mal ein Wort zu viel. Überfliegen funktioniert absolut nicht, weil sonst wichtige Informationen verloren gehen würden.

Genauso detailliert ist auch die Charakterentwicklung ausgearbeitet. Gerade Julian und Merahwi sind so verschieden, aber auch so tief, glaubhaft und ihrem Charakter entsprechend inszeniert worden. Während Julian seine Zunge auf dem Herzen trägt und das an vielen Stellen verbalisiert, ist Merahwi wie eine Auster, die dem Leser zwischen den Zeilen Einblicke in ihr Inneres gewährt. Und in diesen Momenten hatte ich immer das Gefühl, dass das etwas sehr Kostbares und Besonderes ist. Es gibt zwei, drei Stellen im Buch, bei denen die Protagonisten recht überraschend und auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar agieren, es gewissermaßen einen kleinen Sprung in der Handlung gibt. Das kann zu Verwunderung führen, gibt in der entsprechenden Situation aber auch immer einen Handlungsvortrieb.

Auch wenn ein paar Dinge eventuell ungewöhnlich erscheinen, gibt es eine Instanz, die dafür sorgt, dass alles zusammengenommen funktioniert – die Sprachgestaltung. Auch wenn ich es ungern sage, gerade im Selfpublishing Bereich gibt es einige sprachliche Verfehlungen in Büchern und dieses hier fällt besonders dadurch auf, dass es nicht nur handwerklich sehr gut ist, sondern auch sprachlich der Intelligenz und der Herkunft der Figuren Rechnung trägt.

Im Grunde genommen kann man das auch ganz schlicht zusammenfassen: Alles, was in dem Buch geschieht, wird sprachlich unterlegt und unterstützt. Dieses Zusammenspiel fand ich einfach hervorragend und auch genreübergreifend muss ich sagen, dass ich das so durchdacht, sehr selten umgesetzt gesehen habe.

Gegen Ende, wenn die Handlung noch einmal deutlich Fahrt aufnimmt, bekommt man den Eindruck, dass die Autorin mit den Erwartungen des Lesers spielt und darüber schmunzelnd in der Buchecke sitzt. Das eigentliche Buchende, beziehungsweise die zwei Buchenden runden den Gesamteindruck ab und lassen genug Platz, damit ich mir tatsächlich eine Reihe vorstellen kann, die nicht nur „weil deswegen“ fortgesetzt wird, sondern weil in der Geschichte Potential dafür steckt. Ein Detail ganz zum Schluss hat mich etwas ratlos zurückgelassen und fiel so ein bisschen aus dem Konzept heraus. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das in der Fortsetzung thematisiert und eventuell auch erklärt wird.

Fazit: Ein wirklich spannendes Buch, mit sehr charismatischen Protagonisten, die in der Tiefe stimmig ausgearbeitet worden sind. Auch wenn ich kein Buchreihen-Fan bin, freue ich mich sehr auf weitere Fälle mit ihnen. Bis dahin genieße ich das schöne Gefühl, das mir das Buch beschert hat.

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Lieblingszitat aus dem Buch

Streng genommen, ist es nicht nur das kleine Zitat, es ist eher die gesamte Situation um den Augenblick herum. Es sagt so viel mehr als die Dinge aus, die schwarz auf weiß zu lesen sind. Die Zwischentöne machen diesen Augenblick zu etwas ganz Besonderem.

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©Marko Brock, Elovich/Shutterstock, mRGB/Shutterstock, green_01/Shutterstock, deagreez-Fotolia.com, Phovoir/Shutterstock

Autoreninformation/ -kontakt

In Wien geboren, widmet sich Barbara mit ganzer Liebe historischen und Abenteuerromanen und mit dem Genre Gay Romance hat sie nun ihr Repertoire erweitert. Sie begeistert sich für Schiller und Karl May und hat über Ersteren promoviert. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist sie auch Schreibpädagogin und coacht angehende Schriftsteller. Wer sich über diesen Aspekt noch näher informieren möchte, kann Barbara auf ihrer dazugehörigen Internetseite Aventiure besuchen. Wenn sie mal gerade nicht schreibt und coacht, findet ihr sie im Kino, Zuhause zur James Bond Musik durch die Wohnung huschen, ganz romantisch am Meer oder in einem Nobelkaufhaus Armani Anzüge streicheln.

Ihre Internetseite findet ihr hier: www.barbara-drucker.com.

Die Tagesbeiträge meiner Kolleginnen

  • „Merahwi fragt …“ mit Manuela
  • Rezension und Buchzitat von Franzi
  • Rezension und Buchzitat von Claudia
  • „Julian fragt …“ mit Isabel

 

2 Kommentare zu “꙳Tanz der Ikonen꙳ – B.D. Winter

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