Wie Winnetou unter die Haie kam – Autoreninterview mit B.D. Winter [Blogtour Tag 4]

Die Woche rast nur dahin und schon ist Donnerstag und für heute steht etwas besonderes an. Noch vor der Blogtour habe ich mich mit der Autorin zusammengesetzt und ihr etwas auf den Zahn gefühlt. Was sie mir dabei erzählt hat und was Karl Mays Winnetou mit Haien zu tun hat, erfahrt ihr nach der Autorenvorstellung.

B.D. Winter aka Barbara Drucker

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

©Glamourshots, San Antonio, TX

In Wien geboren, widmet sich Barbara mit ganzer Liebe historischen und Abenteuerromanen und mit dem Genre Gay Romance hat sie nun ihr Repertoire erweitert. Sie begeistert sich für Schiller und Karl May und hat über Ersteren promoviert. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin ist sie auch Schreibpädagogin und coacht angehende Schriftsteller. Wer sich über diesen Aspekt noch näher informieren möchte, kann Barbara auf ihrer dazugehörigen Internetseite Aventiure besuchen. Wenn sie mal gerade nicht schreibt und coacht, findet ihr sie im Kino, Zuhause zur James Bond Musik durch die Wohnung huschen, ganz romantisch am Meer oder in einem Nobelkaufhaus Armani Anzüge streicheln.

Hallo liebe Barbara. Danke, dass du dir heute Zeit für mich genommen hast und mir meine neugierigen Fragen zu deiner baldigen Neuerscheinung beantworten möchtest. Dein Buch erscheint in zwei Tagen und die Blogtour startet am Montag. Wie geht es dir damit? Gewöhnt man sich irgendwann daran, Bücher zu veröffentlichen oder ist es jedes Mal aufs Neue spannend?

Gewöhnen wird man sich wahrscheinlich daran, aber spannend finde ich es trotzdem immer wieder. Ich hoffe auch, dass diese Spannung nie vergeht. Lampenfieber ist durchaus etwas Schönes.

Hast du spezielle Erwartungen oder gehst du offen an die Veröffentlichung heran? Immerhin ist „Tanz der Ikonen“ ein Abstecher in ein neues Genre.

Abstecher ist nicht ganz richtig, es soll der Grundstein, der erste Schritt in dieses neue Genre sein. Und dementsprechend nervös bin ich natürlich. Mein erstes Buch („Das Gift der Schlange“) veröffentlichte ich noch ziemlich unbedarft und euphorisch. Bei „Der Schwur der Schlange“ hatte ich Panik, dass ich das hohe Level nicht halten kann und war erst erleichtert, als die euphorischen Rezensionen eintrudelten. Und jetzt zittere ich, ob ich die Erwartungen des neuen Zielpublikums erfüllen kann. Ich muss mich wohl daran gewöhnen, dass Bauchweh zu einer neuen Veröffentlichung dazu gehört.

Die Covergestaltung hat Marko Brock übernommen. Wie war eure Zusammenarbeit, und stecken hauptsächlich deine Ideen darin oder hat er dich ebenfalls inspirieren können?

Mit Marko hatte ich einen wirklichen Glücksgriff. Wir kennen uns durch das Karl-May-Fachmagazin, wo er das Layout für meine Beiträge machte. Das Schöne ist, dass wir einen sehr ähnlichen Geschmack in Sachen Ästhetik haben, wir mögen beide Dynamik und kraftvolle Designs. Was ich mit Wörtern ausdrücken kann, schafft er mit Bildern. Wir begannen sehr früh mit dem Design, hatten dann auch ein sehr schönes Cover, aber es war zu intellektuell. Magazindesign funktioniert außerdem anders, dort sind zum Beispiel Collagen tolle Aufmacher, bei einer Coverumfrage auf Facebook fielen sie aber komplett durch. Während ich die Nerven schmiss, bewahrte Marko die Ruhe und setzte sich an einen neuen Entwurf.

Das Stockmodel für Julian hatte ich schon sehr früh. Merahwi war ein harter Brocken, ich fand ewig lange keinen passenden Mann. Als ich schon längst aufgegeben hatte, entdeckte ich ihn wirklich zufällig auf Shutterstock und wusste sofort, das ist er hundertprozentig. Das jetzige Cover entstand durch einen ebenso glücklichen Zufall. Im Rahmen der Challenge „Character of September“ entwarf Marko mir ein Facebookbild für Julian, und da tauchten das erste Mal die orange-blauen Wischer auf. Für mich war das Liebe auf den ersten Blick, ich wollte eine ganze Werbelinie in diesem Design! Auf einmal war alles visualisiert, was ich wollte: die feschen Männer, Wien, die Dynamik des Thrillers und die elegante Modernität. Worin Marko außerdem richtig stark ist, ist die Typografie. Ich bin ganz vernarrt in die Schriftzüge.

Du wolltest also fesche Männer haben. Keine Feschen und Oberkörperfreien? Nicht, dass ich das für Julian und Merahwi begrüßt hätte oder gar vorstellen könnte.

Ich finde, diese halbnackten Models sind das völlig falsche Signal. Einerseits wollen wir das Genre nicht im Schmuddeleck haben, und dann klatschen wir inflationär Sixpacks auf die Cover? Das reduziert Männer und das ganze Buch doch auf Sex. Ich will mit „Shark Temptations“ auch aufgeschlossene Leser aus den Heterogenres ansprechen, dass zwei Männer auf dem Cover sind und das Thema Homosexualität im Klappentext angesprochen wird, sollte eigentlich reichen. Als Frau stören mich Pin-up-Girls und ich finde sie sexistisch. Genau denselben Respekt sollten wir Männern entgegenbringen, und ich verstehe jeden homosexuellen Mann, der einer Frau nicht als Lustobjekt dienen will. Für mich hat das sehr viel mit Würde zu tun. Und richtige Erotik, also das aufregende Knistern, funktioniert sowieso über Sehnsucht und nicht über freizügigste Entblätterung. Trashigen Sex lese ich nicht, werde ich nie schreiben und für Etikettenschwindel war ich noch nie zu haben.

Wie kam es überhaupt zu deinen ersten Büchern? Hast du dich während deines Studiums für das Schreiben begeistert oder war die Liebe dafür der Grund für das Germanistikstudium?

Mein allererstes Buch ruht in meiner Schublade, noch auf einer 3,5″ Diskette bzw. mittlerweile überspielt. Die Story ist toll, aber ich müsste es radikal überarbeiten, denn ich machte unheimlich viele Anfängerfehler.

Ich studierte spät, eigentlich mit dem Ziel, mit anderen über Bücher zu reden, fasste auch eine akademische Laufbahn ins Auge. Zum Schreiben kam ich über Umwege. Ich forschte über Schiller und später auch über Karl May, war Vortragende auf Kongressen und wurde von einem Karl-May-Fachmagazin angesprochen, ob ich für sie schreiben würde. Ich verfasste vor allem populärwissenschaftliche Essays, Bühnenkritiken und Rezensionen. So wurde ein Karl-May-Fanfiction-Verlag auf mich aufmerksam und bat mich, eine Geschichte für eine Anthologie beizusteuern. Ich brauchte eine Viertelstunde, um zuzusagen: In der ersten Minute fiel meine Entscheidung, in den restlichen vierzehn versicherte ich mir, dass ich nicht meinem wissenschaftlichen Ruf schade. Diese Geschichte schrieb ich in einer Woche nieder, die lange unterdrückte Sehnsucht schoss wie durch ein Ventil. Dann ging ich es aber professionell an, lernte nach der Theorie auch das Handwerk und ließ mich auch zum Schreibcoach ausbilden.

Das klingt wundervoll. Ich habe bereits gesehen, dass dich Karl May ebenfalls in seinen Bann gezogen hat und darum erlaube ich mir als erklärter Fan eine kleine Nebenfrage: Wenn du in einem Satz zusammenfassen müsstest, was dich am meisten an Karl May begeistert, wie würde der lauten?

Mir reicht ein Wort: Winnetou. An Winnetou mochte ich vor allem das Aussehen, das Heldenhafte und das Exotische. All das fließt auch in meine Lieblingsfiguren ein, nur, dass ich mich bemühe, meinen Figuren mehr Tiefe zu geben. Wenn du dir aber beispielsweise Merahwi ansiehst, wirst du Elemente von Winnetou erkennen: die Exotik, die schwarzen Augen, die schwarzen Haare und das Geheimnisvolle.

Ich bin da ganz bei dir. Tatsächlich waren das auch meine allerersten Romane und die gekürzten Ausgaben fand ich schon als Kind scheußlich. Und ohne das vorher gewusst zu haben, Merahwi ist mein Liebling. Aber zurück zum Thema: Schon auf den ersten Seiten deines Buches, hat sich mir eine Frage geradezu aufgedrängt. Wie viele von deinen eigenen Erfahrungen nach dem Studium stecken in Julians beruflichem Profil?

Autobiografisch ist die Entscheidung, nicht in den akademischen Betrieb zu gehen, auch Julians Begründung dafür. Ich hätte mich zu sehr an wissenschaftliche Moden anpassen müssen und nicht das forschen können, was mich wirklich interessiert. Ich liebte mein Studium und betrieb es mit echter Begeisterung, ich lehrte ja auch einige Zeit an der Universität. Ich bin aber froh, das wissenschaftliche Korsett jetzt abstreifen und frei schreiben zu können.

Gibt es, gerade wenn ich so an Julians literarische Vorlieben denke, noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen euch?

Ich habe bewusst nichts über Schiller geschrieben, weil ich mit ihm eh schon alle nerve, aber Julians Dissertationsthema hätte durchaus auch meines sein können. Wie Julian habe ich ein Faible für Helden, auch ich mag Spionageromane und ich las sehr gerne griechische Heldensagen.

Dein Buch lebt definitiv auch durch Julians Humor, Ironie und Sarkasmus. Gibt es ein witziges Erlebnis aus deinem Alltag, das du schon einmal in einem deiner Bücher verarbeitet hast? Vielleicht sogar in diesem Buch?

Julians Humor ist definitiv auch mein eigener, ich liebe Ironie, Sarkasmus und Humor mit der feinen Klinge. Eigentlich müsste ich das Buch ja einsprechen, damit man auch den Tonfall hört. Eigene witzige Erlebnisse habe ich jedoch noch nie bewusst in ein Buch eingebaut, eher Probleme oder Fragestellungen, an denen ich mich abarbeite.

Ich hoffe, dass es als Kompliment bei dir ankommt, wenn ich sage, dass gerade Julian, mit all deinem Herzblut, wirklich gut gelungen ist. Kommen wir noch mal zu Merahwi zurück. Gerade nach deiner Erklärung schwärme ich noch mehr von ihm. Wie spannend war er insgesamt für dich? Abgesehen von den eingeflochtenen Parallelen zu Winnetou.

Natürlich ist das für mich ein Kompliment! Ich mag Julian sehr.
Merahwi ist mein heimlicher Held. Ich schwankte sehr lange, ob ich die Story mit einem Protagonisten (Julian) schreiben, und mich bei Merahwi auf seine anderen Funktionen beschränken soll, aber dazu lag er mir zu sehr am Herzen. Es ist meine erste Geschichte mit zwei gleichwertigen Protagonisten, was auch schreibtechnisch eine große Herausforderung bedeutete.
Wirkt Julian durch seinen Humor, so wirkt Merahwi durch sein Geheimnis, und es ist nie leicht, die Gratwanderung zu gehen, die eine geheimnisvolle Figur erfordert. Hätte ich zu viel von seinen Gedanken preisgegeben, verliert er seine Faszination. Gebe ich jedoch dem Leser zu wenig Einblick, versteht er die Figur nicht. Ich hoffe, dass das aufgegangen ist, für mich war er jedenfalls sehr spannend.

Vor allem Merahwis innere Konflikte sind für mich wichtig und werden in Folgebänden auch eine zentrale Rolle spielen.

Wenn du mich fragst, ist dir das wirklich gut gelungen. Auf Beziehungen komme ich gleich noch mal zurück, jetzt muss ich aber unbedingt neugierig sein. Du sprichst von Folgebänden mit den beiden. Auf wie viele dürfen die Leser ungefähr hoffen?

Darauf habe ich mich noch nicht festgelegt. Die Reihe ist ja so konzipiert, dass sie jeweils einen abgeschlossenen Fall behandelt, jeder Band also auch einzeln zu lesen ist. Die Klammer für die Reihe sind Julian, Merahwi und Merahwis Team. Natürlich werden die sich entwickeln, gruppendynamische und beziehungstechnische Hürden zu meistern haben. Aus jetziger Sicht kann es eine sehr lange Reihe werden, solange mir nicht die Ideen für die einzelnen Fälle ausgehen.

Mein Eindruck am Ende war, dass es noch eine Menge zu erzählen gibt. Während des Lesens und gerade gegen Ende immer mehr, hatte ich beinahe das Gefühl, dass du es magst, mit den Erwartungen deiner Leser zu spielen. Ist das so oder haben dich deine Protagonisten eher selber überrascht?

Ich wusste von Anfang an, wie das Buch ausgeht, das weiß ich fast immer. Ich schreibe ein Buch auf das Finale oder den Showdown zu. Details oder einzelne Szenen ergeben sich unter dem Schreiben, diese Freiheit ist mir auch wichtig. Und du hast recht, ich spiele gerne mit Erwartungen, führe Leser gerne in die Irre und bemühe mich um überraschende Wendungen.

Ich habe es ja ein bisschen vermutet und freue mich, dass es dir gelungen ist. Die technischen Spielereien im Buch haben mir auch sehr zugesagt. Woher hattest du die Ideen? Recherche, Fantasie oder Göttergatte mit James Bond Qualitäten?

Beim Göttergatten muss ich passen. Die technischen Spielereien waren eine echte Herausforderung für mich, denn ich bin eine technische Null und interessiere mich auch nicht für Technik. Ich gehe daher auch selten in technische Details, sondern konzentriere mich auf die Handlung. Ich habe aber zum Glück einen sehr guten Testleser, der mich vor grobem Unfug bewahrt, so musste beispielsweise die Ortung von Seriogins Handy verhindert werden. Ich isolierte daraufhin gleich den ganzen Raum, ließ aber Merahwi unbekümmert mit seinem eigenen Handy telefonieren. Solche Schnitzer findet mein Testleser zum Glück. Doch die Ideen entspringen schon meiner Fantasie. Und vielleicht manchen Filmen und Serien.

Das klingt trotzdem nach einer Menge Spaß.

Ich hatte ja angekündigt, dass mich die Gestaltung der Beziehungen untereinander noch näher interessiert. Hat dir die Entwicklung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften während des Schreibens zugesagt? Waren sie schwieriger umzusetzen, leichter oder lustiger?

Die Erstfassung meiner großen Liebesszene war eine Katastrophe. Aber nicht wegen der „Technik“, sondern weil ich noch nicht das richtige Gefühl für die Figuren hatte. Damals wollte ich mehr Dominanz im Spiel haben, konnte aber die Emotionen nicht transportieren.

Ich trenne einmal Beziehung von Sex. Die Entwicklung der Beziehungen fällt mir relativ leicht, egal ob ich gay oder hetero schreibe, sie steht und fällt mit den Figuren. Sex ist für mich schwieriger, das hängt mit der Art und Weise zusammen, wie ich an die Sache herangehe. Ich mag kein pornografisches Schreiben, keine Bedienungsanleitungen. Mir geht es um das Gefühl, ich finde es viel schöner, den Leser mit Andeutungen so weit zu bringen, dass er die Liebesszene selbst fühlt und erlebt, statt sie lüstern von außen zu betrachten. Genau hier sind mir als Frau aber auch Grenzen gesetzt, weil ich natürlich nie wissen kann, wie ein Mann beim Sex empfindet.

Trotzdem hast du dich herangewagt. Wann kam dir zum ersten Mal die Idee, eine solche Beziehung in einem Buch entstehen zu lassen? Was machte den größten Reiz dabei aus?

Ich habe ein ausgesprochenes Faible für männliche Protagonisten. Wenn ich lese, identifiziere ich mich lieber mit den männlichen Figuren und beim Schreiben ist es nicht anders. Homosexualität übte auf mich schon lange einen Reiz aus, da sind wir wieder beim faszinierenden Geheimnis. Es ist aber mehr als Neugier, ich sympathisiere in Büchern oder Filmen meist mit dem schwulen Paar. Lange Zeit war es mir peinlich zuzugeben, dass ich gerne Gay-Novels lese. Irgendwann bekam ich heraus, dass 3/4 der Leser und Autoren in diesem Genre weiblich sind, und das erleichterte es mir, dazu zu stehen.

Ich kann da mitfühlen. Einer der Gründe, warum ich statt Märchenbücher lieber von Karl Mays Winnetou und Old Shatterhand gelesen habe, war der, dass es keine platten Prinzessinenplots gab, für die ich mich eher geschämt habe. Es ist auch schön, dass man damit nicht alleine ist und ein Glück für mich als Leserin, weil es eine Autorin mehr in dem Genre gibt.

Apropos: „Tanz der Ikonen“ ist, wie wir jetzt lang und breit festgestellt haben, dein erstes Buch im Genre „Gay“ und wie du netterweise schon angekündigt hast, auch nicht dein letztes. Werden die Leser, außer einer umfangreichen Reihe mit Haien und Sardinen, noch mehr von dir in diesem Bereich erwarten dürfen? Hast du schon konkrete Plotideen?

An Ideen mangelt es nicht, eher an der Zeit. Ich bin nämlich keiner der Schnellschreiber, die drei oder vier Bücher pro Jahr auf den Markt bringen können, sondern feile lange an meinen Texten. Ich möchte auch unbedingt meine „Marchese“-Reihe fortsetzen, der übrigens auch ein Winnetou-Typ ist. Von „Shark Temptations“ wird es 2018 sicher einen weiteren Band geben. Ob ich noch Band 3 schaffe, oder eine andere Geschichte in Angriff nehme, kann ich noch nicht sagen. Ich denke auch über eine dritte Schiene nach, in der ich Mythen oder mythische Figuren mit der Gegenwart verbinde, ein bisschen in Richtung Urban Fantasy. Einige Ideen dazu sind bereits jetzt mit gleichgeschlechtlicher Paarung, bei anderen muss ich noch prüfen, ob das zur Story passt. Die Entscheidung hängt sicher auch mit dem Verkaufserfolg zusammen und ob ich mich in der Gay-Novel-Szene etablieren kann.

Gibt es andere Bereiche, in denen du dich gerne noch verwirklichen möchtest? Ich bin erklärter Sachbuchfan. Kann ich hoffen?

Denkst du jetzt an einen Schreibratgeber? Ich werde Aventiure weiter betreiben, neue Schreibtipps veröffentlichen und Onlinekurse im Schreibcoaching ausarbeiten. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Roman schreibe, ist weit größer als die für ein Sachbuch.

Okay, damit werde ich mich wohl abfinden müssen. Aber nun Hand aufs Herz, für welches schlägt es mehr: historische Geschichten oder Contemporary und warum?

Die Frage ist gar nicht leicht zu beantworten. Die „Marchese“-Reihe ist mir sehr wichtig, ich glaube auch nicht, dass eine andere Figur ihn so leicht in meiner Gunst toppen kann. Sie ist auch näher an der Abenteuerliteratur dran. Allerdings ist sie auch mit einem irren Rechercheaufwand verbunden. Beim historischen Roman kann ich schöner, eleganter schreiben, obwohl meine Sprache auch da kraftvoll ist – episches, ausschweifendes Erzählen ist nicht meine Sache. Ich liebe die Kulissen, Kostüme und die Degenkämpfe. Aber auch zeitgenössisches Schreiben hat etwas für sich, vor allem das Flapsige wie bei Julian. Ich lese momentan auch lieber Contemporary und bin bei historischen Settings extrem anspruchsvoll.

Was mich wirklich reizt, ist der Clash of Cultures oder eigentlich Clash of Periods. Figuren aus früheren Jahrhunderten in unsere Zeit zu versetzen, deshalb auch die dritte angedachte Schiene.

Na dann können deine Leser weiter gespannt bleiben. Was mich zu der Frage bringt, wie du mit Leserfeedback, positiv und negativ, umgehst? Antwortest du auf Rezensionen bei Amazon oder ist das ein No Go für dich?

Bis jetzt habe ich zum Glück nur positives Feedback, überwiegend sogar sehr differenziertes, also weit mehr als „hat mir gefallen“, bekommen. Über das freue ich mich extrem. Mir ist aber bewusst, dass ein Buch nur einmal in die Hände des falschen Lesers kommen muss, und dann kann auch ich eine negative Rezension kassieren. Mir würde das extrem weh tun, aber es ist das Risiko, wenn du veröffentlichst. Ich hoffe, dass mich meine Freunde dann auffangen.
Generell finde ich negative Rezensionen in Ordnung, wenn sie begründet, also nachvollziehbar sind. Antworten würde ich nur dann, wenn sie spoilern, also anderen Lesern das Lektüreerlebnis verderben. Dann würde ich bitten, das noch einmal zu überdenken.

Zum Abschluss würde ich dich bitten, mir zu verraten, wo dich deine Leser demnächst treffen können. Sei es zu Gesprächen über deine Bücher oder Autogramme, etc. Die Buch Berlin steht zum Beispiel in wenigen Wochen an. Wirst du dort sein?

Leider nicht, meine Tochter tanzt zu der Zeit bei der Weltmeisterschaft. Aber für nächstes Jahr überlege ich mir das sehr wohl. Messen und Lesungen hatte ich bislang noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen, das muss ich 2018 angehen und mir ein Konzept erstellen. Ich überlege aber eine Shark-Temptations-Schauplatztour durch Wien anzubieten.

Das klingt sehr interessant. Wenn ich mal nach Wien komme, werde ich dich auf jeden Fall daran erinnern, auch wenn ich bereits durch dein Buch eine schöne Stadtführung bekommen habe. Vielen Dank für die sehr ausführlichen Antworten. Das Interview hat mir unheimlich Spaß gemacht und mich Julian und Merahwi noch näher gebracht.

Das freut mich sehr! Danke für die Einladung zu diesem Gespräch, auch ich habe das sehr genossen.

Ich hätte gerne noch viel mehr gefragt, aber meine Ideen sind sicher verstaut und was bis jetzt nicht war, kann absolut noch werden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir uns zu einem anderen Zeitpunkt wieder treffen werden. Ihr könnt euch in der Zwischenzeit auf www.barbara-drucker.com noch detaillierter mit ihren vergangenen Veröffentlichungen auseinandersetzen.

Die anderen Tagesbeiträge

  • „Merahwi fragt …“ mit Isabel
  • Das Buchzitat hat Franzi für euch
  • Was sind Ikonen? – Claudia informiert
  • „Julian fragt …“ mit Manuela

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s