Leser interviewen – Amalia Zeichnerin

Guten Morgen, guten Montag! ❤

Heute wieder regulär in der Serie „Leser interviewen Autoren“. Gestern zu Gast in der Facebookgruppe „Homoerotische Lektüre für alle“ war Amalia Zeichnerin, die ihr auch auf ihrer Internetseite besuchen könnt: www.amalia-zeichnerin.net.

Das Interview

Autorenvorstellung

Hallo zusammen, ich bin Andrea, Jahrgang 1978, bi, mit einem Mann verheiratet, ohne Kinder, ohne Haustiere und lebe in Hamburg. Mein Künstlername ist Amalia Zeichnerin, das hängt mit meinem Steampunk-Dasein zusammen. Ich schreibe nebenberuflich. Mein beruflicher Werdegang ist wie ein Patchworkteppich, ich habe schon recht viel verschiedenes gemacht, u.a. Grafikdesign, Arbeit als Erzieherin in Kindergärten und nun arbeite ich in Teilzeit als Nachhilfelehrerin.

Außerdem bin ich in der Steampunkszene aktiv und mache als Hobby Liverollenspiel (LARP), gelegentlich auch Pen & Paper Rollenspiel. Seit kurzem besuche ich in Hamburg auch den dort aktiven Bi-Stammtisch.

Falls ihr euch wundert, warum ich so viel mache – ich bin eine sogenannte „Scanner Personality“, d.h. ich habe viele verschiedene Interessen, mit denen ich dann sozusagen jongliere. 😉 Vermutlich erklärt das auch meinen bunten Lebenslauf.

Und nun freue ich mich auf eure Fragen, wenn ihr welche habt. 😀

Leserfrage 1

Serena: Hallo Andrea. 🙂 Bist du auf der Buch Berlin im November?

Nein.

Serena: Schade.

Ich habe viel zu viel mit meiner anstehenden Buchveröffentlichung und dem damit zusammenhängenden Event zu tun. 🙂 Aber ich habe mir vorgenommen, nächstes Jahr auf eine der Gay Buchmessen zu fahren, die Gay Book Fair oder die in Berlin. Lach, ich bin gerade so aufgeregt, ich hab den Namen von der in Berlin vergessen, die parallel zur Buch Berlin läuft.

Leserfrage 2

Astrid: Welches ist dein Lieblingsbuch, das du selber geschrieben hast?

Gestrandet und gefunden. Das liegt daran, weil mir die Geschichte schon zwei Jahre lang durch den Kopf „gekreist“ ist, bis ich mich getraut habe, sie aufzuschreiben.

Astrid: Ist auch meine von dir ☺. Freue mich auf die Fortsetzung.

Ja, ich mich auch. Ich habe auch schon ein bisschen geschrieben, aber es dauert noch etwas, bis sie fertig ist. 😀

Sarah: Hach, ich liebe dieses Buch …

Dankeschön, das freut mich sehr.

Sarah: Sehr gerne, ich liebe Historicals und es ist so schade, dass sich da so wenige rantrauen. Daher großes Kompliment, du bringst das toll rüber!

Ich muss dazu sagen, ich liebe historische Settings und auch das Recherchieren macht mir viel Spaß.

Leserfrage 3

S.Y.: Hi und guten Abend Andrea! Da du ja in historischen Settings schreibst, möchte ich gern wissen, was dich dazu bewogen hat. Gab es einen Auslöser oder ein Schlüsselerlebnis, das zu tun, oder spielt da einfach der Flair von Nostalgie mit, der reizvoll für dich ist? (Steampunk hat ja auch etwas sehr Viktorianisches.)

Ich habe schon seit meiner Jugendzeit eine Schwäche gehabt für die viktorianische Zeit und die Regency Ära und habe ganz viel historische Romane gelesen, z.B. von Jane Austen, den Bronte-Schwestern, Dickens, Thackerey, Wilde, Henry James, Edith Wharton und viele andere. Außerdem bin ich sehr anglophil und liebe Gothic Horror Novels.

Leserfrage 4

Jana: Welches ist denn deine nächste Buchveröffentlichung? Habe ich das richtig gelesen, dass du gerade aktiv an Berlingtons Geisterjäger schreibst? Wie viele Teile hast du geplant?

Meine nächste Buchveröffentlichung ist „Mördernächte“. Dazu gibt es gerade dieses Event, bis zur Veröffentlichung: https://www.facebook.com/events/1468871523149139/ .Interaktive Pre-Release-Feier zum Roman „Mördernächte“.

Teil 3 von „Berlingtons Geisterjäger“ ist in der Rohfassung fertig. Ich plane bisher 6 Teile. Der Plot für Teil 4 steht auch schon, da brechen die Geisterjäger nach Frankreich auf und erleben dort seltsame Dinge in Paris. 🙂

Leserfrage 5

S.Y.: Wie recherchierst du? Gibt es Filme, Serien, die du auch als Recherchematerial bzw. zur Inspiration verwendest?

Ja, jede Menge. Als erstes schaue ich bei Recherchen meistens nach passenden Sachbüchern und bei Wikipedia, da gibt es ja auch weiterführende Literaturhinweise. Filme und Serien finde ich sehr gut, um ein Gefühl für die „Atmosphäre“ einer Epoche zu bekommen. In letzter Zeit waren das z.B. „Stage Beauty“ und „Shakespeare in Love“ für eine Novelle, die um 1606 spielt. Bei „Mördernächte“ die Serie „Ripper Street“ aber auch „Penny Dreadful“. Indirekt inspiriert mich das auch, aber ich klaue natürlich keinen Plot.

Dazu eine Anekdote: Ich habe an ein königliches Archiv im Windsor Castle eine Rechercheanfrage gestellt und dann 3 Wochen später einen sehr höflichen Brief bekommen mit tollen Literaturhinweisen, die mir sehr weitergeholfen haben. Es ging um die Etikette bei Audienzen am Hofe. 🙂

 

Leserfrage 6

Sarah: Du hast geschrieben, dass du nebenberuflich schreibst. Wie viel Zeit kannst du so im Schnitt dafür aufwenden und würdest du es gerne hauptberuflich machen?

2 – 3 Stunden am Tag kann ich aufbringen. Hauptberuflich? Wenn ich davon leben könnte, klar. 😀

Leserfrage 7

S.Y.: Wenn du durch die Zeit reisen könntest, in welcher Epoche und in welchem Land würdest du dich gern mal gründlich umschauen, um dann darüber zu schreiben?

Eindeutig Ende des 19. Jh. – die „Belle Epoque“ das ist meine Lieblingszeit. Das mal live zu sehen, wäre spannend. Aber vermutlich auch teilweise ernüchternd …

S.Y.: Du bekommst natürlich eine Tardis oder einen DeLorean zum Zurückreisen! 🙂 Also Frankreich als Land, dann? Sprichst du französisch?

Nein. Aber ich kenne jemand, der exzellent Französisch spricht und sich in der Epoche bestens auskennt. Es ist immer toll als Autorin, Experten für irgendwas zu kennen *lach* wegen der Recherchefragen. 🙂 Ich meinte auch nicht die Belle Epoque allein bezogen auf Frankreich, sondern allgemein als Zeit. Die ist auch sehr spannend in Wien oder in England, finde ich. 😀

Leserfrage 8

Diana: Liest dein Mann deine Geschichten? 🙂

Anfangs hat er alles testgelesen. Aber das wurde ihm dann zu viel, aber ich kann immer mit ihm über meine Texte reden – ich nenne ihn gern meinen Schreibcoach. 😀

Leserfrage 9

Sarah: Ist in deinem Umfeld bekannt, dass/was du schreibst?

Ja, das wissen alle, nur bei der Arbeit erzähle ich das nicht, bzw. nur, dass ich schreibe, aber nicht was. Ich trenne das lieber, denn bis auf eines sind alle meine bisherigen Bücher nicht jugendfrei (ich arbeite ja mit Nachhilfeschülern).

Leserfrage 10

Jona: Bist du als Steampunk auf Veranstaltungen wie dem WGT anzutreffen?

Ich bin sehr gern auf Steampunk-Veranstaltungen, z.B. dem Aethercircus-Festival, und ich veranstalte selbst jedes Jahr ein Steampunk Picknick in Hamburg. Auf dem WGT war ich in den letzten Jahren allerdings nicht, der Termin hat sich immer mit einer LARP-Veranstaltung von Freunden überschnitten. Ich lese auch gern auf Steampunkveranstaltungen und bin mit einem Büchertisch da. 😀 Und auch gern auf Fantasy-Conventions, z.B. die Nordcon, Unicon, Feencon …

Leserfrage 11

Chrissy: Welches ist dein Herzblutroman? Oder ist er noch nicht erschienen?

Oben hatte ich ja was geschrieben zu „Gestrandet und gefunden“. 🙂 Und ansonsten habe ich gerade einen Charakter, der eigentlich bei den Geisterjägern eine Nebenfigur ist und dringend ein Spinoff haben möchte. Ich werde daraus eine Novelle machen, denke ich. Hier ist ein Teaser-Video dazu, das habe ich schon jetzt erstellt: https://www.facebook.com/amaliazeichnerin/videos.

Leserfrage 12

Diana: Wo holst du dir deine Inspirationen für deine Geschichten her?

Teilweise kommt das beim Recherchieren interessanterweise. Das hab ich auch schon von anderen AutorInnen gehört. Ansonsten ist das oft sehr zufällig. Eine Filmszene, meine Erfahrungen im Liverollenspiel oder auch das Zusammenspiel dort mit anderen Charakteren oder das Pen & Paper Rollenspiel, welches man am Tisch spielt …, interessante Zitate, wahre Begebenheiten … ach, da könnte ich jetzt einen Roman drüber schreiben. *lach*

Leserfrage 14

S.Y.: Welcher deiner Protagonisten ist dein ganz persönlicher Liebling?

Oh, das kannst du mich doch nicht fragen *lach* – das muss so ähnlich sein, wie wenn du eine Mutter fragst: „Welches deiner Kinder ist denn dein liebstes“. Ich mag sie alle, auch wenn sie teilweise sehr unterschiedlich sind. Manche berühren mich mehr als andere. Simon/e aus „Sein wahres Selbst“ z.B., das war auch nicht leicht für mich zu schreiben: ein Schauspieler, der sich seit seiner Kindheit als Frau fühlt und das zunächst nur auf der Bühne in Frauenrollen ausleben kann.

S.Y.: ^^ Ja, fiese Frage… dann andersrum: Hast du mal eine Figur geschrieben, die dir so gar nicht sympathisch war?

Andrea Kerlen S.Y. Blank einen Charakter und dem Verständnis, warum derjenige so ist, wie er ist. Also z.B. haben die Antagonisten bei mir fast alle eine Hintergrundgeschichte, die erklärt, warum sie so sind, wie sie sind. sind. Das heißt, sie sind mir nicht sympathisch, aber ich weiß, warum sie so ticken, wie sie es tun und muss dann auch für die eine gewisse Empathie mitbringen, damit ich sie überhaupt schreiben kann. Ich hoffe, es ist verständlich, was ich meine.

Aber da fällt mir ein, Roger aus „Sein wahres Selbst“, der war mir so richtig fies unsympathisch, egoistisch. Weil er Intrigen gegen Simon/e spinnt, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Was aus Simon/e wird, ist ihm komplett egal.

 

Leserfrage 15

Sarah : Was brauchst du zum Schreiben? Ruhe, Musik, Schokolade, …

Ich höre dabei immer instrumentale Musik, z.B. Soundtracks. Musik mit gesungenen Texten lenkt mich zu sehr ab. Die Musik sollte von der Stimmung auch zu den Szenen passen, die ich schreibe.

Ich kann schneller tippen als handschriftlich schreiben, deshalb tippe ich alles – auch Notizen – direkt in mein Notebook. Manchmal benutze ich auch eine Diktiersoftware (Dragon Naturally Speaking). Ich entwickele mich allmählich zur Nachteule, ich liebe die Ruhe spät abends, da habe ich den Kopf oft besser frei zum Schreiben. Dazu muss ich sagen, wir wohnen in einem hellhörigen Haus und aktuell wird eine Wohnung lautstark renoviert und draußen auf der Straße ist eine Baustelle. Also ist hier tagsüber viel Lärm.

Leserfrage 16

S.Y.: Historische Settings sind ja leider ein bisschen Stiefkinder im Gay-Bereich. Hast du schon mal überlegt, Contemporary zu schreiben?

Ich habe gerade eine Contemporary Kurzgeschichte eingereicht beim Main Verlag für eine Ausschreibung, die hatte Wolfram Alster hier auch vorgestellt. 🙂

Leserfrage 17

Nicole: Gibt es ein Thema, über was du gern schreiben würdest, dich aber noch nicht getraut hast?

Ich würde gern mal eine Geschichte schreiben mit einem PoC (people of color) Hauptcharakter. Aber davor habe ich sehr viel Respekt. Und müsste erst sehr viel recherchieren und am besten auch entsprechende Testleser haben.

Leserfrage 18

Nicole: Wie viele Bücher gibt es schon von dir und welches würdest du mir besonders ans Herz legen?

Aktuell 2 Romane und 2 Novellen. Die Frage ist, was liest du gern? Ich denke, am ehesten „Gestrandet und gefunden“, denn es ist eine ziemlich universale „Robinson“-Geschichte – zwei Männer stranden auf einer Insel und entdecken, dass sie nicht nur ums Überleben kämpfen müssen, sondern auch um ihre Gefühle … Das gibt es aber im Moment nur als E-Book. Ich plane aber auch einen Sammelband als Print herauszubringen, da freue ich mich schon sehr drauf. 😀

Das sind die veröffentlichten. In der Rohfassung habe ich noch mehr fertig. 🙂

Leserfrage 18

Nicole: Amalia Zeichnerin?

Ja, das ist mein Pseudonym. Das war ursprünglich ein Name für einen Steampunk-LARP(Liverollenspiel)-Charakter,eine Künstlerin. Ich male und zeichne gern, daher war das naheliegend. Ich habe den Namen dann auch in der Steampunkszene verwendet und dann als Pseudonym für meinen ersten Roman (einen Steampunk-Abenteuer-Roman). Der Name ist etwas sperrig und führt gelegentlich auch zu Missverständnissen, („Was bist du? Eine Zeichnerin oder eine Autorin?“), aber ich mag ihn.

Außerdem trenne ich dadurch ein bisschen mein Privatleben von meinem Autorinnendasein. Das Pseudonym ist aber offen, ich mache kein Geheimnis draus. Amalia ist im Steampunkbereich auch in gewisser Weise eine Art Kunstfigur, mein Alter Ego. 😉

Leserfrage 19

Noah: Gibt deine E-Bbooks nur über Amazon oder auch über andere Quellen? (Bis jetzt habe ich von dir nur eine Geschichte gelesen. Die habe ich gewonnen.)

Im Moment ja. Aber eventuell ändere ich das später, so dass sie auch als epub erhältlich sind. Und ansonsten wird es wie gesagt einen Sammelband für die Novellen als Print geben. 🙂

Leserfrage 20

Jana: Wie sieht denn bei Dir klassische Schreibzeit aus? Setzt du dich zu einer festgelegten Zeit an den Schreibtisch/ Computer oder schwingst du dich mit dem Laptop auf die Couch und schreibst Ideen nieder? Musst Du dir deine Schreibzeiten abzwacken vom normalen Tag oder nimmst du dir jeden Tag ein paar Stunden?

Ich schreibe immer am Notebook. Gelegentlich mal in einem Café oder in der Bücherhalle, wenn es bei uns wegen Renovierungen etc. zu laut ist. Aber ich kann schneller tippen als von Hand schreiben. 😀 Ich habe durch die Teilzeitstelle genügend Zeit zum Schreiben, nur manchmal halt nicht die Ruhe dafür. Oder ich prokrastiniere hier auf Facebook. 😉 Festgelegte Schreibzeiten habe ich nicht.

Eine wunderschöne Woche euch, wenn alles gut geht, sehen wir uns morgen zu einer kleinen Buchbesprechung wieder.

Liebe Grüße
~ Kristina ~

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