± Klappentexte aka „Der Vorhof zur Hölle“

Bevor ihr euch in den Beitrag stürzt bitte ich euch folgendes zu bedenken: Ich meine das nicht furchtbar ernst. Fühlt euch also bitte nicht auf den Schlips getreten, ich lache gerade eher über mich selber.

„Und, wie findest du den Klappentext?“

Ich hasse diese Frage. Ganz ehrlich. Denn wenn ich darauf antworten muss, dann gibt es eigentlich nur zwei mögliche Varianten:

  • „Schrecklich!“, oder
  • „Ich würde das Buch trotzdem lesen.“

Und das macht mich etwas verzweifelt, denn natürlich will das niemand hören, der sich gerade stundenlang damit abgemüht hat. Aus diplomatischen Gründen habe ich mir jetzt schon die Formulierung: „Ist echt okay!“, ausgedacht. Klingt auch nicht viel besser? Das habe ich irgendwie befürchtet. Also bleibt nur noch eine Möglichkeit:

Fragt mich das bitte nicht mehr!

Wirklich so schlimm?

Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber nein, eigentlich nicht. Im besten Fall gibt es eine Formulierung oder ein Minidetail, das mich mal neugierig macht, aber ansonsten kenne ich a) den Autor und lese fast alles von ihm/ ihr (da kann dann auch eine Spreewaldgurke im Schwarzwald tanzen gehen), b) es handelt sich um ein Sachbuch und das Thema an sich spricht mich an oder c) ich habe die Rezensionen studiert.

Okay, es gibt auch noch d): Eine Aufgabe in einer Lesechallenge ist so verrückt, dass ich gezwungen bin, auf irgendein Buch zurückzugreifen, bei dem die Optionen a) bis c) nicht zur Verfügung stehen.

Es gibt auch noch e): Tu so, als würdest du gerne experimentieren und kauf die REWE-Bücherkisten leer.

Was ist so schlimm?

„Alles“ ist keine adäquate Antwort, also versuche ich es mal ein bisschen professioneller: In meinen Augen verraten Klappentexte entweder zu viel oder zu wenig, sind zu langweilig oder vollgestopft mit angeblichen Spannungsmomenten (die die Spannung bei mir sofort killen) und/ oder enthalten Formulierungen die ich schon in 1000 Klappentexten davor gelesen habe. Ist euch mal aufgefallen, dass nahezu JEDER von seiner Vergangenheit eingeholt wird? Ich weiß nicht wie es euch geht, aber inzwischen gucke ich schon ab und an mal um die Ecke – wer weiß, was meine Vergangenheit so treibt.

Total professionell, nicht wahr?

Formulierungen zum davonlaufen?

Meine liebste Hassformulierung habe ich ja schon benannt. Die wird eigentlich nur noch von der Frage getoppt, ob Hans Peter seine Vergangenheit hinter sich lassen kann. Ich vermute jetzt mal, dass das im Zweifelsfall auf Hans Peters Auto ankommt.

Weiter finde ich es kritisch bis eklig, dass ständig alte Wunden aufbrechen (so ein Arztwechsel scheint mir da eine gute Option zu sein). Die obligatorische Frage am Ende des Klappentextes, ob XY und YZ das tun können um jenes zu erreichen, ist unnötig bis nervig, denn mal Hand aufs Herz – als Leser habe ich doch vor das Buch zu lesen und alle Fragen, die sich mir währenddessen stellen, werden dann hoffentlich beantwortet. Diese fingierten Spannungsmomente ziehen mich eher ins Gegenteil, wahlweise meinen Kopf auf die Tischplatte.

Manchmal bin ich mir fast sicher, dass da auch höhere Mächte bei den Autoren am Werk sind, denn Fantasy hin oder her, Dämonen, die von den Protagonisten besiegt werden müssen, sind in Klappentexten erschreckend häufig zugegen.

Zusammenfassung oder Klappentext?

Ohne Witz, das habe ich mich in diesem Jahr schon mehrfach gefragt. Das Gute war: da ich den Autor nicht kannte und mir die 15€ für das Ebook (auf 200 Seiten) etwas viel erschienen, habe ich mir einfach nur den zweiseitigen Klappentext durchlesen müssen, um zu dem Schluss zu kommen, dass das gerade ganz nett war. Der Klappentext als Kurzgeschichte (oder so ähnlich).

Wie geht es besser?

Ich würde da spontan sagen – keine Ahnung. Klappentexte sind bei mir eben kein Grund, wonach ich bei einer Buchauswahl gehe. Mich spricht daran grundsätzlich nichts an. Ich bekomme in diesen weder ein Gefühl für die Protagonisten noch für den Inhalt.

Das Positive daran ist, dass ich nie, aber auch wirklich niemals in die Versuchung komme, mich in einer Buchhandlung übermäßig mit Büchern einzudecken. Klasse, oder? Stattdessen werden Zuhause im Fein- und Detailstudium alle Bemerkungen, die jemals zu einem speziellen Buch geschrieben worden sind, seziert und durchsiebt.

Ich bin aber kein gänzlich hoffnungsloser Fall. Wirklich! Ich spreche nämlich sehr gut auf Empfehlungen an. Ein begeisterter Leser überträgt immer genau das richtige Maß an Emotionen, das ich für einen Buchkauf brauche. 🙂

Und nun?

Meine lieben Autoren – macht mit euren Klappentexten was ihr wollt. Versucht gar nicht erst auf meine Befindlichkeiten einzugehen. Der Klappentext, der mich restlos begeistert, muss erst noch geschrieben werden.

Ich finde schon jemanden, der euch/ ein Buch von euch lobend erwähnt und dann lass ich mich einfach vom Inhalt überzeugen. Oder auch nicht. Je nachdem.

Davon abgesehen weiß ich ja auch, dass ihr das mit dem Vorhof zur Hölle ähnlich seht. Ihr findet das Schreiben von Klappentexten meist genauso blöd, wie ich das Lesen selbiger. 😉


 

Bin ich allein damit oder gibt es noch andere, die Klappentexte gruselig finden? Schreibt mir das gern in die Kommentare. Ich bin gespannt, wie eure Klappentexterfahrungen so aussehen. 😉

2 Kommentare zu “± Klappentexte aka „Der Vorhof zur Hölle“

  1. Zur Zeit lese ich ein Buch, dessen Klappentext mit einer attraktiven Protgaonsitin aufwartet, die sich zusammen mit einem Londoner Kunsthändler auf ein gefährliches Abenteuer einlassen muss. —- 1. interessiert mich das Äußere der Akteure so gar nicht, und 2. sind Abenteuer doch meistens gefährlich.

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