± Wutpostings und Nörgler – Eine etwas andere Perspektive

Ich habe mir mit den Überlegungen zu diesem Beitrag sehr viel Zeit gelassen. Ich war mir nicht ganz sicher, wie ich das, was ich zu dem Themenkomplex denke, ohne Missverständnisse rüberbringen kann. Zumal ich auch das Gefühl habe, dass ich eine Meinung vertrete, die nicht unbedingt „Mainstream“ ist.

Was mich seit einiger Zeit (gedanklich) beschäftigt, sind die doch nicht wenigen Auseinandersetzungen Autor vs. Autor, Autor vs. Blogger, Blogger vs. Autor, Blogger vs. Blogger und im Zweifelsfall alle gegen alle. Der Möglichkeiten gibt es viele und so komplex diese Situationen auch scheinen, die Auseinandersetzungen die ich mitbekomme, kann ich auf einen gemeinsamen Kern zusammenfassen.

Disclaimer

Das soll kein Beitrag werden, in dem ich irgendwem vorschreiben möchte, wie er/ sie sich im Internet oder im wahren Leben zu verhalten hat. Den gesetzlichen Rahmen wahrend(!), kann jeder tun und lassen und sagen was er möchte. Ich bin niemand, der das anderen Personen absprechen möchte. In dem Beitrag geht es um eine Außensicht auf Geschehnisse, die meine Aufmerksamkeit erlangt haben (und das sind erschreckend viele). Nur das und ohne erhobenen Zeigefinger. Ich werde meine Erfahrungen nichtsdestotrotz sehr direkt und unblumig ansprechen, nicht alles meine ich furchtbar ernst und zwinkere auch ein wenig während ich schreibe.

Die Konflikte

Sie entstehen überall und zu beinahe jedem Thema. Heute so leicht wie nie. Für meinen Beitrag beziehe ich mich ausschließlich auf die Fälle, in denen in der Ausgangssituation ganz klar war, dass keine Lösung gefunden oder eine konstruktive Diskussion geführt werden wollte.

Kritik oder Diskussionen durch abweichende Meinungen stellen für mich per se nichts negatives dar, ich selber habe schon viele geführt, die sehr erfrischend, ehrlich und direkt waren, in denen ich mit meinem Gesprächspartner nicht auf einen Nenner kam und wir uns danach trotzdem als Personen geschätzt haben (vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als vorher). Diese stehen wie gesagt nicht zur Debatte, sondern eben die, in denen vor allem Frust, Wut und eine unversöhnliche Position die Basis waren.

Hart, härter, Social Media

Dank Facebook und anderen sozialen Medien muss niemand mehr seinem Gegenüber ins Gesicht gucken und das verleitet nicht wenige zu harten und kompromisslosen Äußerungen. Sogenannte „Shitstorms“ ergießen sich regelmäßig und sehr öffentlichkeitswirksam über alles und jeden. Ich selber habe oft den Eindruck, dass so eine Eskalation immer nur eine unglückliche Äußerung weit entfernt ist.

Während wir bei einer uns bekannten Person vielleicht doch einen Schritt zurück und nach der ersten Verletzung/ Wut in das Gespräch gehen, findet dieser Schritt auf Facebook, Youtube und Co. in der Regel nicht statt. Egal, wer oder wie initial beteiligt ist, jeder hat eine Meinung, die auch eingebracht wird, und schon explodiert das Thema (gewollt oder nicht gewollt) und keiner hat mehr die Kontrolle darüber. Ob sich die geballte Internetkompetenz nun am Initiator des Konfliktes abreagiert oder an dessen Frustgegenstand, ist mehr oder weniger eine 50/ 50 Sache. Ein bisschen kommt es auf die Meinung an, ein bisschen auf den Beliebtheitsgrad der Beteiligten und ein bisschen auch auf die Stimmung des „Publikums“.

Der Kern

Wie diese Dinge außer Kontrolle geraten und warum, ist zu komplex und vor allem zu persönlich um das ernsthaft besprechen zu können, darum habe ich mich auf den Schritt davor, den eigentlichen Konflikt zwischen den beteiligten Personen konzentriert. Und ich denke, das ist auch der unbeliebte Teil meiner Meinung, denn was ich davor geschrieben habe, sehen recht viele zumindest ähnlich.

Gerade wenn ich mir Auseinandersetzungen zwischen Autor und Autor angucke, spielen die anfänglichen Themen, also das, was dazu verwendet wird, um den anderen unbeliebt zu machen, eigentlich gar keine Rolle. Das „eigentlich“ verwende ich nur, weil ich mir nicht Verallgemeinerung vorwerfen lassen möchte, ich selber habe noch nicht gesehen, dass das Thema oder die „unbeliebte“ Person eine wirkliche Rolle gespielt haben (aber dazu gleich noch mehr).

Autor gegen Autor vereint sich in der Sache, dass es nur darum geht, den anderen zu erniedrigen, um sich selber zu erhöhen. Punkt. Nichts mehr dazu. Meine Feststellung.

Ist das schlimm?

Nun, eigentlich erst einmal nicht. Denn auch ich kann nur hier sitzen und das ohne Beurteilung feststellen. Ich weiß nicht, warum jemand das braucht um sich wertig fühlen zu können. Denn genau das ist der Boden der Diskussion. Menschen, die sich viel und überkritisch mit anderen beschäftigen, haben meist zu viel schmerzhaftes auf der eigenen Agenda. Zu viel, was richtig wehtun würde, wenn sie es im Spiegel betrachten. Und das ist nicht schlimm, das ist sogar sehr menschlich. Angst vor den eigenen Fehlern und dem eigenen Versagen hat garantiert jeder schon gehabt. Das ist nichts, mit dem man sich gerne und intensiv beschäftigen möchte, denn da steht niemand am Ende an einem wunderschönen Blumenbeet, sondern vor einem Berg an Problemen, für den Lösungen gefunden werden müssen.

Schlimm wird es (für sich und andere), wenn die Reflektion dahin fehlt, das eigene Tun nie hinterfragt wird und auch kein Umfeld da ist, was bei der Reflektion helfen könnte.

Gefährlich (für sich selber) wird es, wenn das komplette Denken nur noch auf die negativen Dinge im Leben gerichtet ist. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich die Denkprozesse bei jemandem der viel „jammert“ verändern. Wer sich permanent an einem dunklen Ort aufhält, zweifelt eben irgendwann am Licht.

Die gute Nachricht

Wer sich selber schon einmal als Gegenstand in so einem Wutposting wiedergefunden hat, kann einmal tief durchatmen (insofern es nicht darum geht, dass er/ sie etwas ungesetzliches getan hat). Diese Kommentare haben sehr viel mehr mit dem Kommentarschreiber zu tun als mit dem Adressaten. Denn läge ein wichtiges und zu lösendes Problem vor, dann würdet ihr das untereinander und ohne Öffentlichkeit klären. Ein Interesse daran ist das wichtigste Indiz dafür, dass etwas von Bedeutung ist.

Aber das bekommt natürlich niemand mit. Wie ich oben schon schrieb, bleiben mir diese wichtigen Vorgänge unbekannt. Und das ist, bei aller Neugier die ich in mir trage, verdammt gut so! Ein Problem gehört in die Hände von denen, die das Problem betrifft.

Auf diese Hasskommentare und Nachrichten muss sich also niemand verpflichtet fühlen einzugehen oder sich zu rechtfertigen. Eine Klärung des Problems ist eben auch nicht erwünscht.

Die gute Nachricht ist auch, dass Menschen Menschen sind und Fehler machen. Nicht jeder schreibt kontinuierlich böse Sachen über seine Mitmenschen, sondern stellt wahrscheinlich schon nach dem ersten Posting fest, dass das Ergebnis so nicht gewollt war und unterlässt weitere.

Was ich nicht mag/ mich zuweilen nervt

Und das hat natürlich erst einmal auch nur mit mir zu tun, ist Doppelmoral. Das ist eine Sache die mich wirklich triggert, denn ich sehe es gar nicht gern, dass sich jemand Rechte herausnimmt, die er anderen nicht zubilligt. Wer Negativität in die Welt entlässt, kann nicht ernsthaft erbost darüber sein, dass er Negativität zurückbekommt.

Soziale Medien funktionieren nicht als Einbahnstraße. Wer sie trotzdem als solche behandelt, braucht sich nicht wundern, wenn er mit vollem Tempo in den Gegenverkehr rast.

Stattdessen

Ich will nicht sagen, dass jeder genau nachdenken sollte, bevor er etwas ins Internet setzt, dazu gibt es genügend Beispiele und Artikel. Auch nicht, dass sich jeder mal in den anderen hineinversetzen soll, der den ganzen Hass abbekommt. In einer emotional schwierigen Situation würde mir das selber auch nicht gelingen. Das kann man nur sehen, wenn man nicht schon mittendrin steckt. Und wenn man nicht mittendrin steckt, schreibt man auch kein Wutposting.

Ich schrieb es oben schon und ich meine das ehrlich: Tut, was ihr denkt, was ihr tun müsst. Und wenn das bedeutet, dass ihr euch jeden Tag jemanden anderen vornehmt, den ihr nicht leiden könnt, dann kann euch da niemand von abhalten (solange ihr euch eben in den gesetzlichen Grenzen bewegt).

Es gibt nur eine einzige Sache, die ich als Überlegung zu dem gesundheitlichen Aspekt in den Raum stellen möchte und bei der ihr natürlich auch das Recht habt, das völlig zu übergehen:

Wer regelmäßig negativ auftritt, wird sehr wahrscheinlich irgendwann bei anderen negative Gefühle auslösen, wenn er in Erscheinung tritt. Ganz unabhängig von dem, was er dann zu sagen oder zu teilen hat.

Ob ihr das als Autor/ Blogger verantworten wollt und könnt – das ist euer Ding. Damit lebt ihr am Ende. Nicht der andere Autor, nicht die Leser und Blogger, ihr selber müsst am Ende damit fertig werden, dass nicht wenige (und insbesondere die Leser) Abstand nehmen werden. Wahrscheinlich auch damit, dass ihr dann auch vorverurteilt werdet, selbst wenn ihr einen ernsthaften Punkt anbringt. Das ist absolut nicht richtiger, aber durchaus ein Ergebnis dessen, was diese Personen für Erfahrungen mit euch gesammelt haben.

Eigene Erfahrung

Ich bin bisher weitestgehend verschont worden. Ich höre so ein bisschen dies und das, was hinter meinem Rücken läuft, zweimal auch etwas öffentlicher (ohne direkte Namensnennung), und auch wenn das keine positiven Erlebnisse waren, habe ich keinen Zweifel daran gehabt, dass ich in der Situation nur ein Punshing-Ball war. Darüber komme ich gut hinweg. Ich war mir beide Male auch bewusst, dass solche Reaktionen in etwa auftreten können.

Das eine Mal habe ich eine Zweisternerezension auf Amazon geschrieben (die ich inzwischen aus freien Stücken wieder gelöscht habe). Sie war sehr detailliert in meinem persönlichen Nichtmögen und ich war mir sehr sicher, dass das nicht gut ankommt. Ich war aber auch sachlich, weit weg von beleidigend und ich habe es mir nach dem Ärgerposting des Autors auf Facebook nicht nehmen lassen, ihm ein Gesprächsangebot zu unterbreiten (was angenommen worden ist). Ich heiße das Facebookposting damit nicht gut, aber es ist nicht an mir hier zu urteilen. Denn für mich hatte das recht wenig mit mir zu tun.

Das andere Mal habe ich mich in eine Diskussion eingemischt, die mich nicht betroffen hat, in der ich aber gesehen habe, dass ein Autor gemobbt wird. Mir war zu jeder Zeit klar, dass ich nichts damit zu tun habe und ich allein deswegen nicht nur Blumen bekommen würde. Ich habe es oben aber schon verraten, mit Doppelmoral und alle gegen einen komme ich selber nicht sehr gut zurecht. Das habe ich dementsprechend verbalisiert und nicht unerwartete Reaktionen darauf erhalten. Bin ich deswegen sauer/ böse? Nein, denn anderen ungefragt einen Spiegel vor die Nase zu halten ist nicht besonders nett und auch nicht lösungsorientiert. Mir war in dem Moment nur wichtig, dass es öffentlich als das deklariert war, was es war: Mobbing. Und damit sind wir nämlich auch bei den Grenzen dessen, was erlaubt ist. Wäre der Name des Autors nicht nur per Privatnachricht herumgereicht worden (was aus den Kommentaren ersichtlich gewesen ist), hätte ich das Posting auch sofort gemeldet.

Fazit

Egal an welchem Ende man in so einer Auseinandersetzung steckt, sie endet nie mit einem „Gewinner“. So etwas hinterlässt immer ein Stück verbrannte Erde. Bei wirklich jedem der beteiligt ist. Darum werde ich in aller Regel nicht überemotional mit denen, die offen Negativität anbringen. Genauso wie diese Personen nicht sehen können und wollen, wie viel (psychischen) Schaden sie bei ihrem Gegenüber im Zweifel anrichten (nicht jeder ist für so etwas mental stabil genug), sehen sie auch nicht, wie viel Schaden sie damit auch bei sich selber verursachen.

Wenn ich behaupten würde, dass ich Mitgefühl mit dem Streitsüchtigen empfinde, geht das eindeutig zu weit, denn immerhin geht es ihm so gut, andere mit seiner Negativität zu belasten. Aber ich kann sehen, wie einsam sie dadurch sind. Denn auch das ist meine Erfahrung:

Es sind immer dieselben. Und von diesen selben distanzieren sich Leser, Autoren und Blogger immer mehr.

Wie immer dürft ihr natürlich gerne anderer Meinung sein, meine Meinung teilen und/ oder mit mir darüber diskutieren. ❤

Lesenswert

Es gibt ein paar sehr interessante Artikel, die sehr ausführlich erklären, was in unserem Gehirn passiert, wenn wir zu oft negativ denken und welche körperlichen Auswirkungen Stress hat.

3 Kommentare zu “± Wutpostings und Nörgler – Eine etwas andere Perspektive

  1. Klasse Beitrag zu einem Thema, dass wohl jeden beschäftigt, der irgendwie in die Sachen auf FB hineingezogen wird.
    Ich vermisse manchmal die Anfangszeiten von FB, als alles noch nicht öffentlich so ausgeartet ist. Das viel per PN geredet wird, ist klar. Das dürfte jedem klar sein. Aber öffentliches Anprangern oder öffentlich ausgetragene Streitereien lassen mich als Leser sehr nachdenklich zurück. Und haben sogar auch schon dazu geführt, dass ich mich von dem ein oder anderen Autor zurückgezogen habe.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sandra,

      danke für dein Lob und deinen Kommentar. 🙂

      Ich denke, du sprichst damit einigen Lesern aus der Seele. Es gibt viele, mit denen auch ich gesprochen habe, die sich ähnlich wie du verhalten. Ich glaube, viele Autoren sind sich gar nicht darüber bewusst, welche Wirkung diese ausufernden Negativbeiträge haben. Vielleicht, so hoffe ich zumindest, gibt es bald wieder ein bisschen weniger Gegeneinander, wenn es schon kein konstruktives Miteinander geben kann.

      Liebe Grüße
      ~Kristina~

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  2. hallo : )
    danke für diesen beitrag – ich gebe zu, mit ein grund warum ich nicht auf fb bin, sind eben genau diese menschen, die sich hinter der anscheinend sicheren anonymität verstecken. natürlich – es gibt sie überall – doch gerade auf fb toben sie sich gerne aus. menschen, deren leben anscheinend so nichtssagend ist, dass sie nur so sich wichtig fühlen können. fast können sie einen leid tun, aber nur fast.
    am besten sperren und ignorieren, auf keinen fall sich auf einen schlagabtausch einlassen.
    aber autoren die schlammschlachten führen? geht gar nicht!
    auch ich habe schon autoren, die ich vorher gerne gelesen hatte, wegen ihres verhaltens einfach nicht mehr lesen wollen-können. nicht zur strafe – nein, die geschichten haben mir widerstanden. wie etwas, an dem man sich einmal den magen verdorben hatte.

    liebe grüße .. und du weißt ja, bitte die katze von mir knuddeln : )

    marie

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