꙳For Real꙳ – Alexis Hall [Worth the Hype?]

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Klappentext

„Laurence Dalziel ist zermürbt und desillusioniert und die BDSM-Szene hat für ihn ihren Reiz verloren. Sechs Jahre nach seiner letzten Beziehung geht er auf die Vierzig zu und ist es leid, so zu tun, als würde er sich unterwerfen.
Dann trifft er Toby Finch. Neunzehn Jahre alt. Furchtlos, wild und verletzlich. Alles, woran Laurie sich nicht mehr erinnern kann, je gewesen zu sein.
Toby weiß nicht, wer er gerne sein möchte oder was er machen will. Aber mit all der Überzeugung der Jugend weiß er, dass er Laurie haben will. Er will ihn knien sehen. Er will ihm wehtun, er will ihn zum Betteln bringen, er will, dass er sich verliebt.
Das Problem ist nur, dass Laurie zwar seinen Körper preisgibt, nicht aber sein Herz. Denn Toby ist zu jung, zu intensiv, zu leicht zu verletzen. Und was sie haben – ganz egal, wie richtig es sich anfühlt –, kann nicht andauern. Es kann keine Bedeutung haben.
Es kann nicht echt sein.“ [Alexis Hall, Übersetzung Xenia Melzer, dead soft Verlag]

Allgemeines zum Buch

„For Real“ erschien im Juni 2015 und verlegt wurde es von Riptide Publishing. Das Print umfasst ohne Extras 336 Seiten (auf der Verlagsseite werden 437 angegeben).

Seit Juli dieses Jahres ist es auch auf Deutsch erhältlich (dead soft Verlag), aufgrund des hochgelobten Ausdruckes und der sprachlichen Varianz, wollte ich es aber unbedingt in der Originalfassung lesen und habe deshalb die englische Variante vorliegen. Allerdings wurde auch die Übersetzung sehr gelobt, d.h. ihr solltet damit auf der sicheren Seite sein.

Dazu muss ich gestehen, dass mir das Originalcover deutlich mehr zugesagt hat und ich fand, dass sich das besser in meinem Bücherregal macht.

Der Hype

Spätestens seit dead soft die Veröffentlichung angekündigt hat, ist es in Genrekreisen in aller Munde, bekannt war es allerdings auch schon vorher. Seit Juli habe ich kaum ein Buch gesehen, das so häufig empfohlen worden ist, auch, weil sich alle einig waren, dass der BDSM Aspekt überirdisch gut herausgearbeitet worden ist und die psychischen Entwicklungen und das Verständnis für die Gefühle von Dom und Sub in die Kategorie „wertvoll“ gehören. Das sprachliche Niveau habe ich oben bereits angesprochen, auch darin waren sich alle, die darüber gesprochen haben, absolut einig.

Ich breche das hier auf die wichtigsten Argumente für das Buch herunter. In der Tat habe ich kein Gegenargument gesehen, bis ich es selber gelesen hatte, und meine Erwartungshaltung hat mir fast schon Angst gemacht.

Die harten Fakten

  • Gewinner des RITA-Awards 2016 in der Kategorie Best Erotic Romance
  • Gewinner des Rainbow Awards 2015 in der Kategorie Best Gay Erotic Romance
  • Publishers Weekly kürt es 2015 zur Best Romanceas Buch schaffte es jeweils ins Finale der 28th Annual Lambda Literary Awards (Kategorie Best Gay Romance) und der IndieFab Awards
  • Das Buch sicherte sich zudem Platz zwei in den Kategorien Best Gay Book und Best LGBT Cover (Rainbow Awards 2015).
  • Die Washington Post schreibt: „A complex, poignant look at modern love, loneliness and sexual identity.“
  • Laura Kinsale (New York Times Bestseller Autorin) über Alexis Hall: „Simply the best writer I’ve come across in years.“

Nun, laut diesen Fakten und allen persönlichen Meinungen, musste eigentlich etwas wahnsinnig Gutes bei rauskommen … Oder nicht?

Die Sprache

Ich stimme absolut zu, dass das sprachliche Niveau irre gut ist. Die Protagonisten sind nahezu unglaublich gut voneinander differenziert worden. Alexis hätte nicht einmal mehr vermerken müssen, wer gerade denkt oder spricht, denn das ist zu jeder Zeit klar. Nicht nur durch die Sprache, sondern auch dadurch, wie sie die Dinge erleben, ihre unterschiedlichen Erfahrungswerte im Leben und ihre ganz eigenen Sorgen und Probleme. Ich kann es nicht anders sagen, aber das empfand ich als sehr besonders und es gibt wenige Autoren, die da mithalten können. Das kann man eigentlich nicht mehr besser machen. Toby ist nun mal 19 Jahre alt und darf das gedanklich und sprachlich auch sein. Er wird nicht an die 37 angepasst oder umgekehrt. Was vielleicht seltsam klingt und unpassend, funktioniert genau aus diesem Grund so hervorragend. Sie dürfen sie selbst sein und in dem sie das sind, findet sich der Rest.

Ich wurde vorher gewarnt, dass die sprachliche Vielfalt zwar wunderschön ist und dadurch auch viel Bedeutung in jedem Satz steckt (allgemein und für die Protagonisten), es aber schwierig werden könnte, das Buch im Original zu lesen. Und ja, das ist wirklich nur etwas für Personen, die sich sehr sicher sind, dass sich ihr Englisch nicht nur auf Schulniveau befindet. Natürlich kann man sich da sicherlich auch mit Wörterbuch reinarbeiten, aber ich befürchte, dass dann zu viel von der Dynamik auf der Strecke bleiben könnte. Ich persönlich bin am Ende sehr glücklich mit meiner Entscheidung gewesen.

Der BDSM Aspekt

Eigentlich fehlen mir da immer noch die Worte zu. In dieser Form, so dicht dran, so emotional, so weit weg von Klischees, so eigen, so natürlich und erotisch habe ich dieses Thema noch nie zuvor dargestellt gelesen. Ganz anders und psychologisch auf den Punkt. Was mir hier besonders gut gefallen hat, war der Umstand, dass beide Charaktere nicht in diese festen Rollen gepresst werden. Beide dürfen unsicher sein, stark und schwach. Und es wird dabei auch deutlich, dass BDSM nur ein Teil ihrer Beziehung ist und nicht das Wesen dieser. Ich will an dieser Stelle nicht mehr verraten, das müsst ihr einfach mal gelesen haben (wenn ihr mit dem Thema etwas anfangen könnt).

Charakterentwicklung und allgemeiner Eindruck zur Geschichte

Es passt einfach alles zusammen. Ich habe es zwischendurch ja schon angerissen, aber die Gefühlsentwicklung, mit ihrem jeweils eigenen Hintergrund, fand ich einfach sehr gelungen.

Ich habe im Nachhinein gelesen, dass es jemand als unpassend empfunden hat, dass Laurence Toby relativ schnell mit einem Kosewort bedenkt. Für mich passt auch das so zu ihm, dass ich das als selbstverständlich gesehen habe. Der harte Kerl, der so enttäuscht ist und eigentlich mit dem Wunsch nach einem Partner abgeschlossen hat, der ihm das geben kann, was er braucht – natürlich möchte er das nicht in Toby sehen, aber die Art wie er mit ihm umgeht, mit ihm spricht (unbedacht und impulsiv liebevoll) und über ihn denkt, das alles drückt eine unfassbar greifbare Sehnsucht aus, die mir das Herz manchmal sehr schwer gemacht hat. Das ist eine geglückte Mischung aus Melancholie, Sturheit und Hoffnung.

Und dann ist da Toby. Nicht nur als Gegensatz erzählt, sondern tatsächlich ein lockeres, manchmal verwirrtes, aber auch in seinem Wunsch sicheres Element. Dazu kommt auch noch ein sehr feiner und frischer Humor, der nicht dick aufträgt, sondern zu ihm passt und den Leser wieder abholt, wenn die Melancholie zu viel werden will.

Das alles wird nach und nach zusammengebracht und damit auch deutlich, wie und warum eine Beziehung zwischen ihnen funktionieren kann.

Titel, Cover und Inhalt

Ich kann hier nicht viel sagen, weil ich sonst zu viel preisgebe, daher nur kurz: Eine solch enge Bindung/ Verknüpfung zwischen all diesen drei Elementen untereinander und miteinander habe ich … – nein, auch noch nie vorher gelesen. Wahnsinn!

Worth the Hype?

Allen negativen Gefühlen Bestsellern gegenüber zum Trotz: Ja, es war wahnsinnig gut! Durch und durch. Das Buch gehört ab sofort zu meinen „All Time Favorites„.

Wer noch eine handfeste Bewertung braucht:

SternSternSternSternStern

Autoreninformation/ -kontakt

Alexis Internetseite: www.quicunquevult.com. Darüber hinaus findet ihr ihn auch auf Twitter und Goodreads.

Eure Meinungen zum Buch und zur neuen Kategorie „Worth the Hype?

Egal ob zum Buch, zur Kategorie, eure allgemeinen Meinungen zu Bestsellern – hinterlasst mir gerne einen Kommentar dazu. Vielleicht möchtet ihr auch, dass ich ein bestimmtes Buch lese und unter diesen Gesichtspunkten vorstelle? Gerne unterhalte ich mich mit euch darüber und verspreche auch, experimentierfreudig zu sein. 😉

4 Kommentare zu “꙳For Real꙳ – Alexis Hall [Worth the Hype?]

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