꙳Eine Ahnung von Pan꙳ – Jobst Mahrenholz

IMG_3205Seit einem Textschnipselchen in einer gewissen Facebookgruppe, habe ich mich auf das Buch gefreut und geduldig gewartet. Oftmals sind es genau diese Texte, die ein Stück von ihren Protagonisten freigeben, die mich von null auf hundert für eine Sache begeistern können. Das beruhigt mich irgendwie, denn Klappentexte bringen mich höchst selten dazu, ein Buch lesen zu wollen. Es folgt daher oft ein Stöbern in Rezensionen und Leseprobenmarathons. Ein kleiner Dank also an den Autor, für die Vorabbegeisterung.

Allgemeines zum Buch

„Eine Ahnung von Pan“ erschien Mitte Juni 2017 im dead soft Verlag. Es umfasst laut eigener Angabe 212 Seiten. Es ist dem Genre Gay Romance zuzuordnen, kann aber auch von zart besaiteten Menschen gelesen werden, weil der Inhalt nicht explizit ist, aber auf das wie und warum gehe ich in der Rezension näher ein.

Inhalt und Rezension

Um mehr über die zweite Hälfte seines Seins herauszufinden und ein Buch zu schreiben, reist Ingar für ein halbes Jahr in die Toskana. Viele Menschen lernt er dort nicht kennen, doch gerade diese Ruhe ist es, die er sucht und die Menschen die er trifft, insbesondere Zino, ein Ziegenhirte, gehen ihm näher als andere zuvor.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die richtigen Worte finden werde, aber ich bemühe mich in jedem Fall um einen verständlichen Leseeindruck.

Ich möchte diese eine Sache gleich an den Anfang setzen, weil sie nicht nur den roten Faden der Handlung bildet, sondern ihr auch so viel Tiefe gibt: Die Komplexität der Geschichte, auf gerade mal gut 200 Seiten, hat mich einfach umgehauen. Denn letztlich fühlt es sich fast so an, als hätte ich zwei Bücher zur selben Zeit gelesen. Indem Ingars Buch, an dem er in der gesamten Zeit schreibt, nicht nur ihn, sondern auch den Leser mit Inhalt und Tiefe begleitet, um später zu einer Geschichte zu verschmelzen, ergeben sich immer neue Perspektiven und Standpunkte, die sich, ich kann es nicht anders sagen, hervorragend ergänzen und ineinander fügen.

Und so nähern sich Zino und Ingar nicht nur auf Papier einander an. Die Geschichte gibt ihnen eine Basis, auf der sie sich kennenlernen und voneinander lernen können. Fast so, als wäre es eine andere Ebene der Verständigung. Auf der es sich auch leichter Fehler machen lässt, um sie besprechen und überarbeiten zu können. Das ist beim Lesen sehr stimmig, auch wenn meine Worte etwas wirr erscheinen.

Ingar ist, durch die Ich-Perspektive, sehr klar beleuchtet worden. Seine Päckchen, Probleme und Aktionen empfand ich zu jeder Zeit als glaubwürdig und tiefgründig. Zino bleibt distanzierter, ich habe ihn nicht zur Gänze kennengelernt, aber das passt zu seiner Geschichte und dem was er erlebt hat. Fremd und unnahbar wirkt es dabei trotzdem nicht, eher zu tief, um alles erfassen zu können.

Das Erzähltempo ist recht gemächlich, woran ich mich erst einmal gewöhnen musste. Gerade Unterhaltungen warten mit einer gewissen Distanz auf, die wiederum durch den Inhalt abgemildert wird. Interessant auf jeden Fall, so etwas in der Art habe ich, sofern ich mich erinnern kann, noch nicht gelesen. Ich denke, es passt durchaus zur Geschichte, mit dem Charakter einer vorgetragenen Begebenheit.

Es gibt gegen Ende einen Bruch im Handlungsverlauf (wenn ich das so beschreiben darf), von dem ich noch nicht wirklich weiß, ob ich ihn so gemocht/ gefühlt habe. Die Absicht und Funktion dahinter ist klar, nur gab es da Aspekte, in die ich mich nicht wirklich reinfühlen konnte. Was aber durchaus Absicht sein kann, um zu unterstreichen, welche Dinge für Ingar im Ganzen wichtig sind und welcher eher fehl am Platz. Jedenfalls stehe ich dieser Sache etwas ambivalent gegenüber.

Ich erwähnte es Eingangs, wer Angst davor hat, von körperlicher Intimität zu lesen, kann hier ganz beruhigt sein. Es gibt sie zwar, doch die Szenen dazu muss sich der Leser selber ausmalen und da hatte ich ebenfalls so meine Schwierigkeiten mit. Dafür ist die entstehende emotionale Verbindung umso intensiver. Sie sorgt auch dafür, dass ich das Ende als folgerichtig empfinde. Der Schluss gestaltet sich offen, aber hoffnungsvoll. Bei der Verknüpfung von Ende und Prolog habe ich ganz entzückt vor mich hingeseufzt – ich liebe solche Rahmen!

Fazit: Ich bleibe dabei, eine unheimlich komplexe Handlung, bei der die Grenzen zwischen den Protagonisten im Buch, mit denen der Protagonisten aus dem Buch im Buch und den jeweiligen Autoren miteinander verschwimmen. Man kommt am Ende auch gar nicht umhin sich zu fragen, wie viel Jobst in seinen Protagonisten steckt, eben, weil auch viele Einblicke in schriftstellerische Prozesse gegeben wird. Im Ergebnis mochte ich die Geschichte und ihre zwei zauberhaften Hauptcharaktere sehr und die philosophischen Ansätze habe ich sehr genossen.

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Zusatz: Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, hat es sicherlich schon mitbekommen: ich bin nicht so sehr in Zitate vernarrt. Aber bei dem kleinen Auszug hier, habe ich ganz in echt verzückt gequiekt und für einen Moment die Augen schließen müssen:

„Du tötest sie, weil du nicht weiter weißt.“
Da hatte er recht.
„Das ist kein guter Grund.“

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie begeistert mich das macht! Danke, Jobst!

Autoreinformation/ -kontakt

Jobst und seine Geschichten findet ihr auf seiner Internetseite: www.jobst-mahrenholz.de. Dazu findet ihr ihn auch auf Facebook.

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