Autoreninterview mit Jayden V. Reeves

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Es ist nun gut zwei Monate her, dass ich den Debutroman von Jayden („Der steinerne Garten“) vorgestellt habe. Inzwischen sind Autor und Buch etwas bekannter geworden, sodass ich dachte, ich lade ihn einfach mal zu einem Plausch hier in den Blog ein. Gesagt, getan! Jayden hat sich erfreulicherweise gleich bereiterklärt, meine Neugier über sich ergehen zu lassen. Bevor es losgeht, wieder ein paar kurze Worte zur Einleitung vorweg:

Jayden schreibt bereits seit frühesten Jahren Geschichten, die im zarten Alter von 17 etwas ernsteren Inhalt bekamen. Nun, zumindest ernster als die über Monchichis. Das ist nun schon fast utopisch lange her (er ist Jahrgang ’75 → 1975), aber gut Ding will Weile haben, was sein Debut ja durchaus bestätigt. Neben dem Schreiben hat es ihm auch das BMX-Cruising und Skateboarding angetan, wobei ich offiziell die Erlaubnis habe, ihn auslachen zu dürfen, falls er hinfällt. Just in case…

Genug erzählt, hinein ins Interview:

Kristina: Guten Abend Jay, ich freue mich, dass wir uns zu diesem Interview zusammenfinden konnten. Seit Ende Februar ist einiges an Zeit vergangen, wie hast du dein Debut erlebt? Hattest du vorher spezielle Erwartungen und was hat dich vielleicht sogar überrascht?

Jayden: Nun ein Debut ist immer aufregend. Da ich aber bei einem Verlag bin, welcher keine weitere Werbung macht, war ich selbst dazu aufgefordert, dies zu tun und habe mich einfach mal überraschen lassen, was da so geht. Ich war vollkommen unbedarft. Von daher war ich natürlich erfreut, als ich bemerkt habe, dass es ganz gut anzukommen scheint. Ob ich das erwartet habe, kann ich so gar nicht sagen. Ich war natürlich sehr gespannt. Aber es ist ja auch eine spezielle Thematik, die das Buch eher zum Nischenroman werden lässt.

Stichwort spezielle Thematik: Du schreibst mit großer Leidenschaft Dramen. Woher kommt die Faszination dafür? Liest du sie auch gerne oder greifst du dann eher auf ein anderes Genre zurück?

Oh, ich denke ich bin in vielerlei Hinsicht ein Dramen-Liebhaber. Das schlägt sich in der Musik und in Filmen nieder und tatsächlich auch in Büchern. Woher die Faszination kommt kann ich nicht genau sagen. Es war im Grunde schon immer so. Ich hatte als Kind eine Kassette mit dem Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Die habe ich rauf und runter gehört und dabei entsetzlich geweint. Da war ich vier Jahre alt. Ich habe sie heute noch. Vielleicht ist damals der Grundstein für diese Faszination gelegt worden? Ich mag es, mich länger mit diesen Geschichten zu beschäftigen, sie bleiben mehr in meinem Kopf, da sie mich tief bewegen und berühren – das haben Dramen nun mal so an sich. Ich war nie ein Freund von lustigen Geschichten. Die lese ich zwar auch mal ganz gerne – hätte ich aber die Wahl, würde ich immer zum Drama greifen.

Man könnte also sagen, dass du die Monchichi Phase erfolgreich abgelegt hast, richtig? Erinnerst du dich noch, wie es dazu kam?

Ich weiß es nicht mehr genau. Die waren damals „in“ und ich habe zwei Monchichi-Kinder von einer Nachbarin geschenkt bekommen. Meine Eltern haben sparsam geschaut, aber ich bin total auf diese Äffchen abgefahren. Allerdings gab es keine Geschichten über sie. Also habe ich irgendwann damit angefangen, selbst welche zu schreiben. Ich habe mir ein Schulheft geholt – das war so ein orangefarbenes Mathe-Schulheft – und dann habe ich einfach drauf los geschrieben und sehr viele Bilder hinein gemalt. Ja, das war dann mein erstes „Buch“. Sogar auf irgendeine Art und Weise gebunden. Aber ich war acht Jahre alt, muss ich zu meiner Verteidigung hinzufügen.

So begeistert wie du darüber schreibst, scheint es mir, als könntest du deine Leser doch einmal mit einem gänzlich anderen Thema überraschen. Gibt es Genres, in denen du dich schriftstellerisch ebenfalls ausprobieren möchtest? Vielleicht im Bereich Fantasy oder in einer richtigen Romance, in denen die Protagonisten auf einem Einhorn in den Sonnenuntergang reiten?

[lacht] Nein, wohl eher nicht. Ich habe mich im Fantasy-Bereich versucht, so ist es nicht. Ich habe angefangene Manuskripte, aber leider fehlt mir diese spezielle Fantasie dazu. Ich habe bemerkt, dass es alles, was ich mir ausgedacht habe, schon in ähnlicher Art und Weise gibt. Das hat mich sehr frustriert. Ich bewundere Schriftsteller wie Rowling, Tolkien oder Lewis, die ganze Welten aufbauen, die dazu noch in sich stimmig sind. Das könnte ich nie. Daher bleibe ich bei dem was ich kenne. Eine Romance-Geschichte könnte eventuell mal sein, aber so wie ich mich kenne stirbt am Ende doch wieder jemand.

Kommen wir zu deinem Buch. „Der steinerne Garten“ enthält auch gesellschaftskritische Aspekte. Was wünschst du dir, welche Botschaft deine Leser vor allem mitnehmen sollen?

Das sind eine Menge Botschaften. Riley wird aufgrund seiner Drogenvergangenheit und seines Aussehens (er ist stark tätowiert) gesellschaftlich mit vielen Vorurteilen begegnet. Auch deshalb, weil er introvertiert und gewaltbereit ist. Ebenfalls ein sehr großes Thema ist sein Coming Out und die damit für ihn verbundene Homophobie. Die Akzeptanz im Freundeskreis, in der Familie und in der Gesellschaft an sich. Ferner bringt Nathanyel natürlich auch sehr viele Aspekte mit hinein, die ich aber nicht erläutern kann, ohne zu spoilern. Man könnte sagen, dass man Menschen nicht gleich vorverurteilen sollte. Es gibt immer Gründe, warum sie sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Und diese Erfahrung macht Riley zum Ende des Buches hin sehr schmerzhaft.

Die Fortsetzung zum steinernen Garten ist ja bereits in der Entstehung, gibst du mir und den Lesern eine Sneak Peek? Worauf können wir uns gefasst machen?

Es wird sehr heftig werden! Riley muss lernen, mit seinen traumatischen Erfahrungen zu leben. Doch im Laufe des Buches lernt er auch, dass er aufstehen und handeln muss – wenn er nicht alles verlieren möchte. Er macht eine enorme Entwicklung durch. Das Buch wird sehr tief berühren und Riley in einem zunehmend anderen Licht stehen lassen, als zu Beginn des ersten Bandes, da er sehr viel dazu lernt und an den massiv an ihn gestellten Anforderungen reifen wird.

Das klingt vielversprechend. Wann können wir ungefähr mit dem Buch rechnen und gibt es schon den dazu passenden Titel?

Da ich sehr perfektionistisch und akribisch bin, wird es erfahrungsgemäß eine ganze Weile dauern. Hinzu kommt, dass ich neben dem Schreiben auch noch mein Kind, meinen Partner, und meine Arbeit – ah und mein Skateboard! – habe.
Ich denke daher, es wird auf jeden Fall auf 2018 hinauslaufen. Den Titel habe ich seit einer Weile. Amüsant ist, dass der letztendliche eher durch Zufall entstanden ist.
Zunächst hieß es „Die Scherben meiner Seele“. Aber ich hatte mich vertippt und plötzlich stand dort „Die Scherben seiner Seele“, was ich aufgrund des Plots als sehr viel passender empfand.

Hier kommt nun meine Lieblingsfrage, die ich jedem Autor stellen werde, der Katzen oder Haustiere hat: Hat dich dein Mietzer schon einmal zu einer Szene inspiriert oder deinen Schreibprozess beeinflusst?

Mein Kater liebt es auf meinen Füßen zu schlafen. Ich habe wegen ihm extra ein Kissen unter dem Schreibtisch liegen. Wir kommen also gut miteinander klar, außer ich bin aufgeregt und rutsche herum, was bei manchen Szenen schon mal passieren kann. Das mag er nicht. Da er sehr schreckhaft und scheu ist, kann man seine Krallen nicht schneiden, die sind also sehr lang und scharf. Nun … ich hatte seine Krallen schon des Öfteren in den Zehen, was dann immer mitten in der Nacht zu einer hellen Aufregung führt (ich schreibe meistens nachts). Ich versuche mich still zu verhalten und verkrampfe mich dann eher, während ich versuche diese langen Krallen aus meinen Füßen zu ziehen. Aber das gelingt mir selten ohne Empörung seinerseits.

Was ich sehr verständlich finde!

Wie siehst du deine Zukunft als Autor? Du arbeitest hauptberuflich in einem ganz anderen Bereich. Wird das Schreiben eher eine Art Ausgleich bleiben oder spielst du auch mit dem Gedanken, dich in Vollzeit darin zu verwirklichen?

Nein, das ist sicherlich ein netter Gedanke, aber dabei wird es auch bleiben. Ich arbeite gerne in meinem Beruf. Ich schreibe immer nur dann, wenn ich es will und auch kann. Es gibt Tage, da könnte ich durchaus schreiben, aber ich bringe nichts aufs Papier. Ich lass mich ungern unter Druck setzen, denn dann schaffe ich gar nichts. Deswegen wäre es auch nichts für mich, wenn ich davon allein leben müsste. Existenzängste sind so gar nicht mein Ding. Ich bin zwar ziemlich chaotisch und wild, aber diese Dinge habe ich gerne in trockenen Tüchern und ich weiß schließlich nicht, ob meine Geschichten tatsächlich mal eine größere Lesergemeinde interessieren wird. Was ich andererseits natürlich dennoch erhoffe.

Apropos Lesergemeinde: Wenn Leser gerne mit dir Kontakt aufnehmen möchten, wie können sie das tun? Und wirst du perspektivisch auch auf Buchmessen zu finden sein?

Ich habe eine FB-Seite angelegt und für die Leser, die Facebook meiden auch eine Homepage erstellt: www.jayden-v-reeves.com. Auf beiden Seiten informiere ich über mein aktuelles Projekt oder nehme Bezug auf den Vorgänger-Roman. Es gibt Bilder, Trailer, Leseproben und auch einige Songs, welche mich beim Schreiben begleitet und inspiriert haben zu sehen/ zu hören. Auf beiden Seiten gibt es die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, die ich auch grundsätzlich erwidere und über die ich mich freue.
Buchmessen sind hingegen nicht so meines, da ich lieber die Massen meide. Ich besuche auch keine Konzerte. Ich bin, was das betrifft, recht zurückgezogen und stehe einfach nicht gern im Mittelpunkt.

Da ich hier im Blog Bücher rezensiere, darf eine Frage zu dieser Thematik natürlich nicht fehlen. Was war die hilfreichste Kritik, die du bisher bekommen hast?

Einige haben an Riley kritisiert, dass er sehr egozentrisch und kühl rüber kommt. Was die beiden Hauptprotagonisten angeht, spalten sich die Lager ziemlich. Aber meistens schneidet Riley schlechter ab als Nathanyel. Das bedaure ich sehr, denn Riley ist für mich persönlich eine sehr wichtige Figur. Aus der Kritik kann ich entnehmen, dass ich mich mehr bemühen muss, seine Handlungen verständlicher zu machen. Gleiches hat mein Lektor im Übrigen schon kritisiert, der meinte, Riley sei ein richtiges Arschloch. Ich war ehrlich gesagt ziemlich erschrocken, habe aber erkannt, dass ich möglicherweise vieles von dem, was ich für Riley fühle, wenn ich „in ihm“ bin, für meine Leser als selbstverständlich sicht- und erkennbar erachtet habe. Fazit war, dass ich ein halbes Jahr das Buch umgeschrieben und Szenen ergänzt habe, die Rileys zerrissenes Wesen deutlicher machen. Im Grunde bin ich mit dem Buch, so wie es jetzt ist, sehr zufrieden, aber die Kritik der Leser zeigt mir, dass ich hier vielleicht doch noch mehr dran arbeiten muss.

Gibt es sonst noch etwas, was du deinen Lesern mitteilen möchtest?

Ich bin über die Rückmeldungen die ich bislang erhalten habe, sei es als Rezension, privater Nachricht, Email oder auch persönlich, sehr positiv überrascht. Zu Beginn sagte ich ja schon, dass ich mit allem und nichts gerechnet habe. Die Resonanz rührt mich jedoch immer wieder. Es ist schwierig mit einem Drama dieser Art in einer Buchwelt zu bestehen, die sehr auf ein Happy End fixiert ist. Doch es gibt Leser, die sich auf diese Geschichte eingelassen, die mir vertraut und die mit mir gelitten, geliebt, gehasst und gefiebert haben. Und die es weiterhin tun wollen. Das ist mir Lob genug. Meinen Lesern möchte ich daher danken, dass sie für dieses Buch sprechen, es empfehlen und ja, auch mit mir darüber ins Gespräch kommen. Ich habe bislang viele interessante Meinungen gehört und manche inspirieren mich und machen mich nachdenklich. Ich genieße den Austausch jedenfalls sehr und möchte mich dafür bedanken.

Ich sage ebenfalls danke, für deine Zeit und das Interview. Für die Zukunft wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg und erbaulichen Austausch mit deinen Lesern.

Vielen Dank

Es war mir wieder ein großes Vergnügen und ich hoffe, ihr hattet ebenso viel Spaß wie ich. An diese Interviews könnte ich mich wirklich gewöhnen, woran die bisher Interviewten einen großen Anteil haben.

Vielleicht mag mir der ein oder andere einen Kommentar mit Fragen hinterlassen, die Buchblogger auf jeden Fall mal stellen sollten. Gerne auch was Witziges, dann probiere ich die beim nächsten Interview mit aus. 😀

Ansonsten wünsche ich noch einen schönen Donnerstag. ❤

~ Kristina ~

2 Kommentare zu “Autoreninterview mit Jayden V. Reeves

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