꙳Payback꙳ – John Inman

IMG_3179Nachdem ich am Wochenende in einer Büchergruppe um Hilfe gebeten habe (da ich genug von Bücherfrust hatte), entschied ich mich zu einem „Battle der Leseproben“. Klingt aufregend, zumal ich immer noch in der Stimmung für einen Krimi/ Thriller war – und immer noch bin -, ist aber letztlich ganz unspektakulär verlaufen. Die Bücher die ich angelesen habe waren, große Überraschung, „Payback“ und „Zero at the Bone“, beide in der deutschen Übersetzung. Da es bei zuerst Erwähntem nur eine Erzählperspektive gibt und mir die Übersetzung besser gefiel, ist es dann dieses geworden. Das andere werde ich wahrscheinlich auch lesen, vielleicht kann mir jemand verraten, ob sich die Originalausgabe sprachlich von der Übersetzung abhebt.

Allgemeines zum Buch

Das Original erschien im Februar 2015 im Verlag Dreamspinner Press. Im April ’17 wurde es dann von diesem auch auf Deutsch verlegt. Übersetzerin ist Teresa Simons. Da ich es nur als Ebook habe, bin ich mir über die tatsächliche Seitenzahl recht unschlüssig, sie schwankt je nach Format und Ausgabe bei Amazon sehr stark. Nach etwas Recherche würde ich meinen, dass es gute 200 Seiten sind. „Payback“ ist dem Genre Gay Romance zuzuordnen (meiner Meinung nach), warum ich das so einordne, erläutere ich in der Rezension.

Inhalt und Rezension

Für Tyler ist sein Leben perfekt. Mit der Liebe seines Lebens an seiner Seite, kann er sich nicht vorstellen, dass je irgendetwas sein Glück zerstören könnte. Doch genau das geschieht. Sein Mann wird brutal ermordet und er ebenfalls schwer verletzt. Nach fast einem Monat im Koma, muss er sich der erbarmungslosen Realität, nie gekannten Gefühlen und der Gewissheit stellen, dass er nie wieder einen so besonderen Partner haben wird. Neben seinem zwingenden Durst nach Rache, ist Christian, der ermittelnde Polizist, sein einziger Halt und der Mann, der die Isolation durchbrechen kann. In diesem Wirrwarr aus Schuldgefühlen und Vergeltungswunsch müssen beide versuchen einen Weg zu finden, der nicht in ein noch größeres Unglück führt.

Tylers Entwicklung von dem Mann, der sich von Glück und Liebe gesegnet fühlt, hin zu dem, der in seinem Vertrauen in die Welt erschüttert wird, ist eindrücklich und intensiv. Der Verlust sämtlichen Sicherheitsgefühls erscheint absolut nachvollziehbar und ist glaubwürdig und detailliert ausgearbeitet. Überhaupt empfand ich die emotionalen Aspekte in diesem Buch hervorragend umgesetzt und auf ihnen liegt auch der Fokus der Geschichte. Ich nehme gleich vorweg, dass das letztlich auch die größte Stärke des Buches ist.

Es kommt nicht so häufig vor, finde ich zumindest, dass lineal-sympathische Figuren nach der Einführung in die andere Richtung abrutschen. Mit der Tiefe die Tyler bekommt, wird er mir auch ein Stück weit unliebsamer und sein Handeln scheint manchmal abstrakt. Für die Handlung ist das definitiv ein Gewinn, die Überforderung, Verzweiflung, Trauer und ohnmächtige Wut bekommen damit eine Basis, auf der sie ihre Wirkung auf den Leser voll ausfalten können.

Chris hingegen ist sympathisch, bleibt es auch und besticht mit einem, sagen wir, ungeschickten Charme (falls es so etwas gibt). Er erlangt nicht dieselbe Tiefe in der Entwicklung wie Tyler, wird aber durch diesen erstaunlich empathisch gezeichnet. Ich freue mich jedes Mal, wenn Autoren etwas durch den Hauptprotagonisten entstehen lassen können, was dieser noch nicht zur Gänze erfasst hat. John Inman hat in dieser Disziplin alles richtig gemacht und mir den Hauptgrund für die Leseentscheidung damit voll bestätigt.

Tyler und Chris bilden nicht nur den Kern der Geschichte, sie sind strenggenommen auch die einzigen Protagonisten. Was langweilig sein könnte, wird durch die inneren Konflikte der Parteien aufgefangen und die zarten Gefühlsknospen lassen nach und nach mehr Hoffnung durchschimmern. Ich sage es gern noch einmal: Die Entwicklungen der Gefühle in den unterschiedlichen Phasen der Handlung, gefällt mir ausgesprochen gut.

Kommen wir zum etwas weniger positiven Teil:
Es gibt viele Kleinigkeiten, die mich im Buch stolpern lassen. Nicht alles passt zusammen und löst sich auf. Die Motivation der Täter, die genaue Durchführung des Plans, medizinische Details, entscheidende Elemente zum Ende der Handlung/ Auflösung und die Situation im Umfeld Tylers wollen sich für mich nicht stimmig darstellen. Es gibt auch Dinge, die könnte ich unter unscheinbar verbuchen, aber gerade das Finale ergibt nach meiner Auffassung so keinen Sinn. Dazu kommt auch, dass das Ende im Gegensatz zum vorhergegangenen Teil zu dicht und gepresst wirkt. Hier wäre es schön gewesen, wenn die Ereignisse mehr Luft zur Entfaltung bekommen hätten. Dann wären ein paar der Lücken höchstwahrscheinlich auch auffüllbar gewesen.

Ich mag es, wenn nicht alles an einer Geschichte bis zum Ende durchexerziert wird, aber der Grat zwischen offener gestalteter Handlung und einer, die dadurch Logiklücken bekommt, kann erstaunlich schmal sein und hier läuft es ein paar Mal in die eher unschöne Richtung.

Zum Ende stehe ich daher entsprechend ambivalent. Die Auflösung, wie präsentiert, fand ich unnötig und nach hinten raus fehlt mir dann etwas Handlung um mit der Geschichte verständlich abschließen zu können. Nichtsdestotrotz ist die Schlussszene an sich wieder wunderbar gefühlvoll und, an den Anfang erinnert, funktioniert als Rahmen, der die Handlung abschließt oder zumindest abschließen könnte. An Potential dazu fehlt es auch nicht, nur die Szenen davor schwächen das leider ab.

Sprachlich gefiel mir die Übersetzung soweit ganz gut, auch wenn es ganz vereinzelt Fehlerchen gibt. Mit denen lässt es sich aber leben und zumindest mein Lesefluss wurde dadurch nicht beeinträchtigt.

Fazit: Eine sehr gefühlsbetone Geschichte, die kein Krimi und Thriller sein kann (wie teilweise angegeben wird), weil ihr Fokus weder auf der Verbrechensaufklärung, noch auf das Zusteuern eines Finales liegen. Für mich war das menschlich unheimlich spannend und der Werdegang der beiden einfach klasse. Der etwas schale Eindruck des nicht zu Ende gedachten verblasst dagegen allerdings nicht, sodass ich das in der Endbewertung deutlich zeigen muss. Unterhalten hat mich die Geschichte gut und wer eine Gefühlsachterbahn sucht, wird hier sicherlich fündig werden (Taschentücher werden in jedem Fall gebraucht!).

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Autoreninformation/ – kontakt

John hat eine eigene Internetpräsenz (www.johninmanauthor.com) und ist darüber hinaus auf Facebook anzutreffen.

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