꙳Dem Täter auf der Spur – So arbeitet die moderne Kriminalbiologie꙳ – Mark Benecke

IMG_20170606_171835_937Ja, mal wieder Mark Benecke, aber dieses Mal doch etwas anders. Wer schon immer Krabbeltierchen in (hilfreicher) Aktion sehen wollte, ein Zimmer voller Spinnen, Poesie über Verwesung lesen möchte und wissen wollte, was wir mit dem Strichcode auf einer Milchpackung gemeinsam haben, der bekommt mit diesem Buch einen wahren Schatz. Ihr seht, ich bin noch immer ganz begeistert und darum folgt auch sofort die Rezension.

Allgemeines zum Buch

„Dem Täter auf der Spur“ erschien 2006 als komplett überarbeitete Ausgabe von „Kriminalbiologie. Ausführungen zum besseren Verständnis – Anregungen zum Nachdenken“ im Bastei Lübbe Verlag. Es umfasst, ohne Glossar und Nachweise, 307 Seiten. Mir fällt erneut auf, dass mir der Buchsatz wieder sehr gut gefallen hat, diese 300 Seiten sind wirklich gut gefüllt und „dicht“.

Es handelt sich um ein Sachbuch und befasst sich mit der Kriminalbiologie und DNA Typisierung.

Inhalt und Rezension

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich irgendwann einmal freiwillig mit Käfern, Larven und Maden beschäftigen würde, aber wer Beneckes Bücher kennt (und liebt), weiß auch, dass er so ziemlich alles interessant und wissenswert gestalten kann. Noch etwas tiefer in die Materie einzutauchen, wieder bestätigt zu finden, dass nicht alles wie in Hollywood funktioniert und abseits des allgemeinen Vernehmens nach, diese komplizierte Arbeit verständlich aufgearbeitet zu bekommen, hat mich sehr begeistert.

Dieses Buch fand ich, im Gegensatz zu den bereits gelesenen und hier vorgestellten, strukturierter aufgebaut. Inhaltlich fiel es mir dadurch deutlich leichter, den Ausführungen zu folgen, obwohl diese nicht immer ganz leicht dargeboten werden. Ich bezweifle jedenfalls, dass auch Kinder (ich beziehe mich hier auf das Vorwort) dem hätten folgen können. Es ist anspruchsvoll, deshalb aber nicht dröge oder überbordend fachsprachlich, nur sollte man keine Unterhaltungslektüre erwarten.

Gerade der erste Teil (über die Kriminalbiologie) ist anschaulich bebildert und es wird an diesen erklärt und gezeigt. Die Fälle werden erst nach einer kleinen Einführung präsentiert, was ungemein zum Verständnis der Vorgänge beiträgt und einen sehr detaillierten Blick in die sehr schwierige Arbeit zulässt.

Der zweite Teil zur DNA Typisierung war der für mich anspruchsvollere, nichtsdestotrotz unheimlich faszinierend und wissenswert. Die Entwicklung, ebenso wie die Vorgehensweise in den verschiedenen Ländern der Welt, die finanziellen Aspekte, der Nutzen und die Aufklärung über den Informationsgehalt nichtcodierter DNA haben mich ganz vereinnahmt und gefesselt.

Im dritten Teil wird die Kriminalbiologie im Angesicht der Geschichte betrachtet. Wer ein Buch sucht, um sämtlichen Rassestuss an Stammtischen zum Schweigen zu bringen – hier ist es! Auf den Punkt gebracht, faktenbasiert und ohne Schmuck, denn „Glauben“ und „Meinen“ ist keine Wissenschaft. Was mir hier wieder etwas schwer fiel, aber das ist auch persönliche Präferenz, waren die vielen, eingearbeiteten Zitate. Mit so etwas werde ich nicht richtig warm, auch wenn ich einige davon als unbedingt notwendig erachte, um anhand dieser genau erläutern zu können.

Ein wenig seltsam fand ich die Distanz von Erzähler und Autor. Es liest sich wie ein Bericht von Mark Benecke und trotzdem wird an einigen Stellen von „der Autor“ gesprochen. In der dritten Person von sich selber zu sprechen mutet mir zumindest etwas komisch an. Allerdings finden sich diese Stellen nur ca. 3 – 4 Mal im Buch, es ist also absolut zu verschmerzen und eher als ein verwirrtes Augenbrauenheben zu betrachten.

Insgesamt ist das ein tolles Buch und ich habe schon jetzt Angst meinen nächsten Thriller zu lesen. Mir fällt nach Lektüre dieser Art immer wieder auf, wie sehr Recherchefehler beim Lesevergnügen ins Gewicht fallen, eben weil sich diese klar benennen lassen und nicht nur ein diffuses „klingt unplausibel“-Gefühl vorhanden ist. Aber das ist natürlich grundsätzlich nicht das Problem eines Mark Benecke, sondern eines der Thriller- und Krimiautoren. Ich möchte das Wissen aus diesem Buch jedenfalls nicht missen, ich bin sehr froh es gelesen zu haben. Vielen Dank.

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Autorenkontakt/ -information

Mark Benecke findet ihr auf seiner Internetseite http://home.benecke.com und dort verlinkt sind auch alle seine kostenlosen Publikationen (Archiv ⇒ Crime).

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