Autoreninterview mit Jona Dreyer

Ich habe es angedroht und mache es mit diesem Posting wahr: Ein Interview mit Ihrer Durchlaucht → Jona Dreyer herself.

Jona Dreyer

©Jona Dreyer

Gestern haben wir uns dafür zusammengefunden und ein paar ganz entscheidende Fragen geklärt. Zumindest denke ich, dass jeder wissen sollte, wie Haustiere Schriftsteller beeinflussen können.

Bevor es richtig los geht, stelle ich euch Jona erst einmal vor: 1986 im Osten geboren, schreibt sie, seit sie denken kann, gerne Geschichten. Für historische Romane hegt sie eine Leidenschaft, auch wenn sie schriftstellerisch eher in der Gegenwart bleibt (außer sie kann das Setting noch mit einer ordentlichen Prise Fantasy würzen). Sie schreibt hauptsächlich Gay Romances und ist bekannt dafür, den ein oder anderen Charakter aus dem Buch herauszuholen und in Filz auferstehen zu lassen (einen lieben Gruß an dieser Stelle an die fönigliche Hoheit Halvor und sein Gefolge).

Mit diesen einleitenden Worten, entlasse ich euch in das Interview:

Guten Abend Jona. Vielen Dank erst einmal, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Nach der „Haggis“-Vorstellung hier im Blog, musste ich einfach nachfragen. Apropos Haggis und Schottland: Das Buch ging gewissermaßen durch die Decke. Erzähl! Wie fühlst du dich?

Jona Dreyer: Total durch den Wind. Ich habe zwar durchaus damit gerechnet, dass die Geschichte gut ankommen wird, denn die Leser lieben witzige Sachen, aber dass die Resonanz so riesig sein würde, hätte ich mir nicht träumen lassen.

Gratulation in jedem Fall zu diesem Erfolg. Gay Romance in den Top 50 der Amazon Charts ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Was denkst du, wann fällt die Top 10? „Haggis“ war mit Platz 13 schon nahe dran.¹

Ich denke, vielleicht noch dieses, spätestens nächstes Jahr.

Dafür drücke ich ganz fest die Daumen. So lange bist du ja auch noch gar nicht dabei, aber bereits deine ersten Romane schlugen direkt bei den Lesern ein. Hat dich das überrascht oder warst du zuversichtlich was die Erstveröffentlichung betrifft? Bzw. wie erklärst du dir das?

Erklären kann ich das nicht wirklich, ich hatte bei meinem Erstling wohl einfach ein glückliches Händchen bei der Themenwahl. Ich habe damals eigentlich nicht damit gerechnet, dass jemand auf diesen Roman aufmerksam werden, geschweige denn ihn kaufen würde. Nachdem die zweite Veröffentlichung auch wieder ein Erfolg geworden ist, bekam ich so langsam das Gefühl, dass das etwas werden könnte mit mir und den Gay Romances.

Und wie das was geworden ist! Wie viele Bücher hast du bis jetzt bereits veröffentlicht?

Seit August 2015 habe ich 9 Romane und 3 Kurzromane, beziehungsweise Kurzgeschichten veröffentlicht.

Arbeitest du gerade an einem neuen Projekt und wenn ja, wohin entführst du uns dieses Mal?

Ich arbeite gerade parallel an zwei Projekten. Das eine ist ein kleines Sequel zu „Polarnächte“, das andere ist ein Drama mit Thriller-Elementen. Letzteres hat mich gerade deutlich mehr im Griff. Es spielt in England und Norwegen und handelt von einem psychisch kranken Mann, der einst ein gefeierter Schriftsteller war und sich nun in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Ein junger Buchhändler, der im gleichen Ort lebt, dringt zu ihm vor – und schaut in tiefste Abgründe … Es wird äußerst spannend. Dieser Roman soll voraussichtlich im September erscheinen.

Anhand deiner Veröffentlichungen kann ich sehen, dass du ein recht hohes Schreibtempo hast. Ist das eine Frage der Disziplin oder kommt dieser Fluss ganz natürlich?

Sowohl, als auch. Es gibt natürlich Phasen, in denen der Fluss ein wenig ins Stocken kommt. Dann muss man ein hohes Maß an Selbstdisziplin aufbringen, um dennoch weiterzumachen und das Projekt nicht auf die lange Bank zu schieben. An Ideen mangelt es mir hingegen nie. Außerdem kommt bei mir die nicht zu unterschätzende Tatsache hinzu, dass ich mittlerweile Vollzeit-Autorin bin.

Ein mutiger Schritt. Wie hast du den Weg in die Selbständigkeit erlebt? Hast du lange überlegen müssen?

Ich habe mir ein gutes Jahr angeschaut, wie sich meine Autorenkarriere entwickelt und bin beruflich immer weiter zurückgetreten. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich mich entscheiden musste, weil beides gleichzeitig einfach zu viel wurde. Ich schreibe ja nicht einfach nur eine Geschichte auf, sondern muss mich auch noch um andere Dinge wie Marketing und Covergestaltung kümmern. So habe ich mich letztendlich also für meine Leidenschaft entschieden und es keinen Tag bereut. Es war wie ein Befreiungsschlag für mich. Endlich kann ich meine Kreativität voll ausleben und muss mich nicht mehr von Vorgesetzten beschränken lassen.

Gibt es ein festes Team, das dich in deiner Tätigkeit unterstützt, wie zum Beispiel im Bereich Lektorat/ Korrektorat?

Ich habe immer zwei bis drei „Alphaleser“, die meine Romane schon während ihres Entstehungsprozesses kapitelweise begleiten und mit mir durchsprechen. Wenn das Manuskript dann so weit fertig ist, bekommen es noch einmal zwei bis drei Betaleser, die auf verschiedene Aspekte wie Logikfehler, Grammatik und Rechtschreibung achten.

Dazu sollte ich erwähnen, dass du Selfpublisherin bist, d.h. du verlegst auf eigene Faust. Ich weiß aber, dass du früher auch mal mit dem Gedanken gespielt hast in einem Verlag zu veröffentlichen. Was hat sich geändert und bist du mit deiner neuen Entscheidung durchweg zufrieden?

Ich habe inzwischen ja mehrere Verlagsangebote bekommen, von größeren und kleineren, aber nachdem ich mir die Konditionen angeschaut habe und sehe, wie wenig am Ende oft vom eigenen Werk übrig bleibt, habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Ich möchte die volle Kontrolle über meine Veröffentlichungen haben – wann, wo, wie ich veröffentliche, unter welchem Titel, mit welchem Cover und so weiter. Ich möchte mich in der Themenwahl und -umsetzung nicht einschränken lassen. Ich bin da sehr eigen. Ich möchte keinen Roman veröffentlichen, der nicht 100% Jona ist, und die Gefahr ist bei Verlagen oft gegeben, da man ein Manuskript dort natürlich möglichst massentauglich machen möchte. Ich habe meinen Job nicht aufgegeben und mich selbständig gemacht, nur um mir dann wieder vorschreiben zu lassen, was ich wie umzusetzen habe.

Kommen wir zur wichtigsten Frage, du hast nämlich Haustiere, Katzen um genau zu sein. Gibt es eine lustige Anekdote von dir und den Tieren in Bezug auf das Schreiben oder haben sie dich schon einmal zu einer Szene inspiriert?

Kennst du diese Videos, auf denen Katzen mit Salatgurken erschreckt werden? Wir haben das bei unseren mal ausprobiert, aber es hat leider überhaupt nicht funktioniert. In dem Augenblick kam ich aber auf die Idee, die WG-Katze in Herzweh & Zahnklopfen „Gurke“ zu taufen.

Wunderbar! Ich glaube, so etwas werde ich dich demnächst öfter fragen.

Nun zu einem etwas schwierigeren Thema: Machen wir uns nichts vor, Kritik, so nützlich sie ist, kann manchmal ganz schön schwierig sein. Gibt es einen Satz oder eine Formulierung in Rezensionen, den/ die du am liebsten verbieten würdest?

Ich hasse es, wenn jemand, nur weil ihm eine Geschichte nicht gefallen hat, in der Rezension „Roman“ oder „Autorin“ in Gänsefüßchen schreibt. Als sei man keine richtige Autorin oder das Buch kein richtiger Roman, nur weil es nicht gefallen hat. Das finde ich ziemlich despektierlich und das hat nichts mehr mit sachlicher Kritik zu tun. Kritik sollte sich an Inhalt und Ausführung des Werkes richten und nicht die Person dahinter durch den Schmutz ziehen.

Gibt es ein Thema, bei dem du dich gerne mal ganz frei austoben würdest, ganz ohne Überlegung, ob es bei den Lesern ankommt oder nicht?

Ja, solche Themen gibt es durchaus. Bitte verurteilt mich nicht, aber das wäre zum Beispiel eine Inzestgeschichte. Oder einen Serienmörder als Sympathieträger und Love Interest. Ich habe auch einen Plot mit bisexuellem Inhalt, bei dem ich noch nicht sicher bin, wie er ankommen wird. Und dann noch ein paar Dinge, die ich aber öffentlich nicht verrate.

Wenn Leser mehr von dir wissen wollen oder dich sogar gern persönlich sprechen würden, wo finden sie dich?

Ich bin an vielen Orten anzutreffen. Zum Beispiel auf meiner Autorenseite auf Facebook oder unter www.jonadreyer.de. Ebenfalls bin ich in diesem Jahr auf mehreren Messen, als nächstes die Buchmesse Hofheim am 10. und 11. Juni. Im Oktober dann, wenn sie stattfindet, die Gay Book Fair, und Ende November die BuchBerlin. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, mit mir in Kontakt zu treten. Ich bin auch nicht schüchtern und rede gern mit meinen Lesern.

Vielen Dank für deine Zeit, Jona. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und natürlich Freude mit deinen Protagonisten.

 

¹Beste Gay Romance Platzierung war ein 11. Rang („Failed“ von Chris P. Rolls)

Ich hoffe ihr habt Spaß gehabt, ich jedenfalls hatte welchen. Wer Jona noch nicht persönlich kennt, kann sich von mir bestätigen lassen, dass die Treffen immer sehr heiter sind.

Ihr habt es gesehen, wenn ihr mit Jona in Kontakt treten möchtet, könnt ihr das auf verschiedenen Wegen tun. Ansonsten könnt ihr auch in den Kommentaren eure Fragen da lassen, ich leite die dann weiter.

Ich wünsche euch einen schönen Restdonnerstag und für morgen einen reibungslosen Start ins Wochenende

~ Kristina ~

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s