꙳AchtNacht꙳ – Sebastian Fitzek

IMAG0481Nachdem ich mir das Buch zu Ostern gegönnt habe, musste es noch ein Weilchen unangetastet in meinem Regal stehen bleiben, weil sich so viele, interessante Bücher schreiend dazwischen gedrängt haben. Allerdings war ich am Wochenende an das Bett gefesselt (*Hatschii*) und hatte, außer von einem Taschentuch zum nächsten zu greifen, nicht sehr viel zu tun. So ärgerlich das auch ist, krank sein verschafft einem immer die besten Lesezeiten. Die Begründung liegt auf der Hand.

Allgemeines zum Buch

Der Thriller ist 400 Seiten stark und erschien am 14. März diesen Jahres (2017). Wie alle seine Bücher, wurde „AchtNacht“ vom Knaur Verlag verlegt.

Inhalt und Rezension

Was passiert, wenn wir die Möglichkeit bekommen legal zu töten und dafür auch noch 10 Millionen Euro zu bekommen? Mit dieser Grundidee beschäftigt sich das Buch und der Gedanke dahinter, so weit er erst einmal weg sein mag, wird plausibel inszeniert. Soweit zur Idee…

Sebastian, Sebastian – wie ordne ich das jetzt ein? Manchmal ist es wirklich schwer Fan von einem Autor zu sein, denn ich will dann alle Bücher gern haben. Aber lügen werde ich ganz sicher nicht. Nun denn:

Am besten ist es wohl, wenn ich dieses Mal chronologisch vorgehe. Denn mein erster Gedanke, schon beim Prolog, war: Was ist hier passiert?

Es las sich ungewohnt stockend, was nicht nur mit der Wahl der Protagonistin zu tun hatte. Einige Sätze musste ich zwei Mal lesen, weil sie nicht sofort eingängig waren. Froh, dieses Kapitel überstanden zu haben, stellte ich fest, dass es in dem Stil weiterging. Dazu kam es bereits im ersten Teil (nur wenige Seiten voneinander getrennt) zu Ungereimtheiten. Bevor ich ab Kapitel 7 weitergelesen habe (die Abschnitte sind sehr kurz), habe ich eine lange Pause eingelegt und tatsächlich erwogen, das Buch erst einmal in die Warteschleife zu schieben.

Letztlich habe ich mich dann dazu überwinden können weiterzulesen (habe ich das gerade über ein ‚Fitzek-Buch‘ geschrieben?) und konnte mich im Lauf der nächsten Kapitel, an diese, sagen wir, ungewöhnliche Herangehensweise gewöhnen. Inhaltlich habe ich aber nicht viel finden können, was es mir leichter gemacht hätte.

Der Plot ist überraschend unausgeglichen. Ich bin über so viele Dinge gestolpert, die einfach nicht zusammenpassen und bei denen nicht einmal der Versuch gewagt wird, diese in irgendeiner Form zu erklären. Ich traue es mich fast gar nicht zu schreiben, aber nach meiner Auffassung sind da ganz erhebliche Logiklücken drin. Und das an entscheidenden Stellen. Selbst die Auflösung ist so brüchig, dass ich gar nicht vertieft darüber nachdenken möchte, diese Dinge springen einem ohnehin förmlich ins Gesicht.

Gibt es etwas Positives? Natürlich. Ist man erst einmal drin, ist es recht schnell vorbei. (auf den Buchsatz gehe ich gleich noch ein). Mein Kopfschütteln wurde zwar nicht weniger, aber nach dem stockenden Beginn, las es sich bald darauf wieder flüssiger. Wirklich gut fand ich aber die eigentliche Kernthematik, das Gedankenspiel, hinter dem ganz bestimmte Fragen stehen, die für die heutige Zeit durchaus relevant sind. Tatsächlich gibt es mitten in der Handlung Stellen, die so aus sozialen Netzwerken rauskopiert worden sein könnten. Dieses Gefühl fand ich auf eine gute Art sehr bizarr. Leider kommt dieser Aspekt etwas zu kurz, denn einen festen Fokus auf ein bestimmtes Motiv gibt es nicht.

Dazu muss ich sagen, dass dieser Thriller für mich nicht spannend war. Gar nicht. Ich habe nicht eine Sekunde mit den Protagonisten mitgefiebert. Es plätschert ganz gut vor sich hin, hat an manchen Stellen nette Bilder und dann ist es zu Ende. Ungefähr wie eine Zugfahrt (Ich mag Zugfahrten!). Man guckt aus dem Fenster, sieht Felder und Städte vorbeiziehen, freut sich über Kaninchen und Rehe und irgendwann ist man im Zielbahnhof. War nicht langweilig, irgendwie ganz nett, aber nun sind andere Dinge wichtig. Genau so habe ich bei „AchtNacht“ empfunden. Und da erwarte ich dann doch etwas mehr. Nicht nur von einem Sebastian Fitzek, sondern allgemein von einem Thriller.

U.a. lag das an dem schwierigen (sprachlichen) Beginn und den „Lücken“ in der Handlung, aber ganz entscheidend an der Zeichnung der Hauptprotagonisten. Trotz der persönlichen Schicksale bleiben die mir emotional so distanziert, wie es überhaupt möglich ist. Gefühle werden benannt und die Protagonisten werden da irgendwie auch durchgeführt, aber dass Gefühl transportiert wird, kann ich nicht sagen. Sie handeln oft genug auch nicht danach und manchmal wird sogar abgeblendet, wenn es emotional werden könnte. Da gibt es kaum/ keinen richtigen inneren Konflikt. Und damit fehlt mir auch jegliche Spannung. Wobei ich hier auch noch einwerfen möchte, dass der Prolog ebenfalls nicht zur Spannungsvermehrung beiträgt, im Gegenteil, den fand ich äußerst unglücklich. Zumal ich den Zweck hinter diesem nicht erkennen kann. Es läuft auf das hinaus, was im Kern zu erwarten ist und das ist so irgendwie – lahm. Ohne Esprit.

Den Buchsatz habe ich im Nebensatz schon erwähnt und auch, wenn ich das sonst nie mache, halte ich es heute tatsächlich für erwähnenswert, denn es ist noch großzügiger formatiert als sonst. Ich habe ja nun nicht das erste Mal ein Buch von ihm in der Hand und ich weiß um die Tatsache, dass auch Personen mit schlechten Augen keine Angst vor seinen Büchern haben müssen, aber hier hatte ich den dringenden Verdacht, dass es anders ist als sonst. Und nach einem kurzen Check kann ich auch sagen warum: Auf jeder Seite fehlt eine Zeile (gemessen an der üblichen Fitzek-Formatierung). Auf jeder dieser 400 Seiten. Nun ja, es wären keine 400 Seiten, aber wie man sieht, lässt sich so etwas auch regeln. Allerdings fällt das schon sehr auf, denn ich bin zwar kein langsamer Leser, aber dass ich deutlich unter einer Stunde auf 100 Seiten liege, passiert mir sonst nie (außer ich überfliege – was ich nicht getan habe!).

Ich rede, wie schon aufgefallen sein dürfte, nie über Buchpreise, weil ich gerne bereit bin den Preis zu zahlen, den die Autoren/ Verlage verlangen. Die vielen Arbeitsstunden, die hinter der Entstehung stecken (von so vielen Personen), kann man sich ja kaum vorstellen. Nur kommen hier mehrere Dinge zusammen: So wie ich das sehe, sind das nicht wirklich 400 Seiten, eher knapp 30 weniger. „Der Augensammler“ zum Vergleich hat 419 und kostet gleich mal ganze 2€ weniger. Nun klar, gestiegene Lebenshaltungs-/ Lohnkosten; ich habe das Buch gekauft, denkt nicht ich habe kein Verständnis, aber bei der Qualität die da herum kommt, gerate ich dann schon ins Grübeln. Auch darüber, warum es so aufgebauscht werden muss. Der Druck wird bei weniger Seiten schließlich günstiger. Am Ende habe ich es einfach nicht gern, wenn ich das Gefühl habe, veräppelt worden zu sein.

Das wird nicht mein letztes Buch von Sebastian gewesen sein, jeder kann mal einen Ausrutscher dabei haben, aber auf das Drumherum werde ich demnächst einen noch intensiveren Blick haben.

Was gebe ich vor Schreck nun? Inhaltlich, auch wegen der guten Idee, würde es auf drei Sterne hinauslaufen, mit diesem Schmu drumherum eher 2,5. Weil ich mich weder zu dem Einen noch zu dem Anderen durchringen kann, bleibt es bei einer langen Rezension und dieser mündlichen Einschätzung.

Autoreninformation/ -kontakt

http://www.sebastianfitzek.de/

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