± Leserunden – Eine „kleine“ Übersicht

Man hört und sieht es inzwischen recht häufig – Autoren laden zu Leserunden ein. Ob bereits veröffentlichte Bücher oder solche, die sich noch in der Entstehung befinden, Buchbesprechungen in dieser Form, bieten dem Autor einen besonderen Einblick in die Gedanken und Gefühle der Leser und sind wohl deshalb auch so beliebt. Nun ist nicht jedem sofort klar, was man sich unter einer Leserunde vorstellen kann, weshalb ich das gerne einmal vorstellen möchte.

Vorab: Dies ist nur ein allgemeiner Beitrag, natürlich gibt es auch Leserunden, die von dieser Vorstellung deutlich abweichen. Am besten ist, ihr fragt vorher (wenn es nicht ohnehin schon erklärt worden ist), was von euch erwartet wird.

Was ist eine Leserunde?

Kurz und knapp: Der Autor stellt sein Buch in Form eines Ebooks oder Prints zur Verfügung und bespricht dieses mit einer begrenzten Anzahl an Personen. Die Zahl der Teilnehmer variiert, es werden aber häufig kleine Runden bevorzugt (um die 10), damit der Autor auch die Möglichkeit hat, angemessen auf die Kommentare der Leser zu reagieren.

Wie läuft eine Leserunde ab?

  1. Wie schon erwähnt, bekommt ihr das Buch gestellt. Haben alle Teilnehmer ihr Exemplar erhalten, geht es meist auch schon los.
  2. Das Buch wird in Abschnitte aufgeteilt, zu denen ihr dann jeweils eure Anmerkungen/ Eindrücke hinterlasst. Wie genau diese Aufteilung aussieht (kapitelweise, mehrere Kapitel zusammengefasst, etc.), entscheidet der Autor.
  3. Zumeist wird der Autor auf eure Anmerkungen eingehen, auftretende Fragen beantworten oder auch gerne mal Hintergründe verraten, inspirierende Bilder/ Musik aus dem Schreibprozess oder Rechercheergebnisse teilen, kurz: mit euch ins Gespräch kommen.
  4. Zum Abschluss der Leserunde, beschreibt ihr euren Gesamteindruck zum Buch und, sofern gewollt/ erwünscht/ verlangt auch eine Rezension in einem Bewertungsportal.

Wie kann ich mich für eine Leserunde bewerben?

Gerade auf Lovelybooks kann man sich für viele verschiedene Bücher bewerben. Dort könnt ihr euch auch ein bisschen umsehen und am Beispiel in Erfahrung bringen, wie es meistens gehandhabt wird.

Inzwischen gibt es aber auch viele Autoren, die auf Facebook Plätze zu Leserunden anbieten. Dort könnt ihr in Büchergruppen oder auf den Autorenseiten Ausschau halten.

Über welchen Zeitraum geht die Leserunde?

Das ist sehr variabel (von der Länge des Buches abhängig) und wird vorher bekannt gegeben. Solltet ihr bereits wissen, dass ihr in dieser Zeit keine großartigen Ressourcen frei habt, ist es besser davon Abstand zu nehmen. Denn auch wenn es erst einmal machbar klingt, zu lesen, sich Gedanken zu machen und diese dann schriftlich zu formulieren, dauert mitunter mehr Zeit, als ihr euch vorstellen könnt. Wer sich unsicher ist, kann sich ja mal das aktuelle Leseexemplar in grobe Abschnitte aufteilen, zu jedem dieser, Empfindungen und Gedanken notieren und am Ende eine Rezension schreiben. So bekommt ihr auf jeden Fall eine reale Vorstellung davon, wie viel Zeit am Tag ihr erübrigen müsst, denn da hat jeder sein eigenes Tempo.

Was soll ich schreiben?

Darüber gibt es, meiner Erfahrung nach, die meisten Unsicherheiten und hierbei kommt auch ein bisschen darauf an, auf was der Autor mehr/ weniger Wert legt.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass es vielen Autoren hilft, wenn ihr erzählt, was ihr zu den Abschnitten empfunden habt. Ich mache das einmal an einem sehr simplen Beispiel fest.

Nehmen wir dazu eine Strophe aus „Alle meine Entchen“:

„Alle meine Entchen schwimmen auf dem See, Köpfchen in das Wasser, Schwänzchen in die Höh.“

Nun mag es eventuell etwas absurd erscheinen, das zu ergründen, aber es soll euch gleichzeitig zeigen, dass ihr keine Angst davor haben braucht, in einer Leserunde Eindrücke zu verfassen.

Mögliche Anmerkungen (je nach Gefühl beim Lesen):

  • Das Gründeln der Enten ist niedlich dargestellt und ich hatte sofort ein Bild dazu im Kopf, wie sie mit ihrem Po nach oben nach Futter suchen.
  • Mir fehlte die Anzahl der Enten, waren es nur 3 oder doch eher 10? War es eine Mutter mit ihren Küken oder einfach Enten, die zufällig zusammenkamen? Aufgrund der wenigen Details, konnte ich mir die Szene schwer vorstellen.

Indem ihr auf diese Art und Weise beschreibt, kann der Autor jederzeit nachprüfen, ob das, was er vermitteln wollte, auch so angekommen ist. Punkt 2 muss dabei gar nicht „negativ“ sein, denn eventuell war es beabsichtigt, dass der Leser erst einmal im Unklaren bleibt.

Daher ist auch immer wichtig, dass ihr ehrlich bleibt. Es hilft niemandem, wenn ihr nur schreibt, was wahrscheinlich gut beim Autor ankommt.

Was auch eher weniger gut ankommt, sind Verbesserungsvorschläge. Natürlich könnt ihr sagen, dass bestimmte Ausdrücke diesen und jenen Eindruck hinterlassen haben, bzw. von eurer Sicht aus nicht gut in die Handlung passen, aber ob und wie der Autor das umsetzt oder nicht, liegt ganz allein bei ihm. Sein Buch, sein Stil, seine Entscheidung! Ob ihr das gut oder weniger gut fandet, könnt ihr ja am Ende immer noch sagen.

Kann das jeder?

Nun, wie ihr an meinem Beispiel seht, braucht ihr dafür nicht studiert zu haben oder einen Blog zu betreiben. Die Autoren verlangen keine Abhandlungen, sondern persönliche Eindrücke. Und wenn ihr zu einer Szene mal nichts sagen könnt, dann schreibt ihr genau das. Oder dass es euch verwirrt hat, etc.

Solange ihr euch verständlich machen könnt, sollte einer Teilnahme an einer Leserunde nichts im Wege stehen.

Ist Kritik erwünscht?

Absolut! Jeder seriöse Autor wird euch für kritische Anmerkungen dankbar sein. Denn wie oben schon aufgezeigt, kann es durchaus in der Absicht des Schreiberlings liegen, unterschiedliche Empfindungen hervorzurufen.

Letzten Endes kommt es meist eher darauf an, wie eure kritische Bemerkung formuliert ist. Am besten man stellt sich dabei vor, als würde man einem Freund etwas von Angesicht zu Angesicht mitteilen.

Darf ich auf Rechtschreibfehler hinweisen?

Diese Frage stellt sich vor allem bei Leserunden, bei denen das Buch noch nicht veröffentlicht worden ist.

Befindet sich der Autor im Schreibprozess und gibt z. Bsp. kapitelweise die Fortsetzung heraus, ist es meist nicht erwünscht auf Fehler hinzuweisen, denn das Manuskript befindet sich noch in der Rohfassung, wird ggf. deutlich überarbeitet und dann später dem Korrektor übergeben.

Kurz vor einer Veröffentlichung, wenn Lektor/ Korrektor bereits fertig sind, sieht das anders aus und auch bei Werken, die bereits veröffentlicht sind, darf man auch anmerken, wenn noch ein Fehlerteufel aufgetaucht ist. :) Fragt dafür am besten den Autor, wie er es gehandhabt wissen möchte.

Was schreibe ich alles in die Rezension und darf ich auch wenige Sterne vergeben?

Zum ersten Teil: Wer sonst nicht gerne Rezensionen schreibt, wird es nach einer Leserunde vermutlich etwas leichter haben, weil es intensiv besprochen worden ist. Am Ende macht ihr nichts anderes als vorher auch, nur dass ihr das Buch jetzt als einen großen Abschnitt betrachtet. Mochtet ihr die Charaktere, war die Handlung spannend, gab es Ungereimtheiten (vielleicht sogar Recherchefehler), habt ihr ein gutes Gefühl oder hat euch das Buch traurig gemacht?

Das muss weder besonders lang oder kurz sein, ihr schreibt das, was euch an Gedanken kommt und das ist auch absolut ausreichend. Wie schon erwähnt, niemand erwartet eine Abhandlung. Schreibt das, mit dem ihr euch gut fühlt. Und wenn das bedeutet, dass ihr nur wenige Sterne vergeben könnt, dann ist das so. Durch die Besprechung weiß der Autor ohnehin schon, in welche Richtung euer Eindruck geht.

Und der ist so wie er ist in Ordnung. Keine Meinung ist besser oder schlechter als die andere!

No Go’s

Es gibt ein paar Dinge, die man wirklich nicht tun sollte, die aber eigentlich auch schon der gesunde Menschenverstand vorgibt:

  1. Beleidigungen! Egal ob euch das Buch gefällt oder nicht, der Autor hat viele Stunden Arbeit in sein Werk gesteckt. Das sollte jeder zu jeder Zeit bedenken. Konstruktive Kritik ist dagegen immer erwünscht.
  2. Keine Rezension schreiben, wenn sie Bedingung für die Teilnahme an der Leserunde war. Das gehört sich nicht. Diese Information ist vorher bekannt und demnach kann jeder entscheiden, ob er sich bewirbt oder lieber doch nicht.
  3. Das Buch einsacken und sich dann nicht mehr melden. Es kann immer mal etwas Unvorhergesehenes im Leben passieren, aber dann meldet ihr euch direkt beim Autor und versucht eine Lösung zu finden (z. Bsp. dass ihr zu einem späteren Zeitpunkt kommentiert). Im Zweifelsfall war das sonst auch eure letzte Leserunde. Bedenkt, dass die Autoren in Zeiten von Social Media gut vernetzt sind, solche Dinge bleiben meist nicht unbemerkt.
  4. Für den Fall, dass ihr ein Ebook bekommt: Dieses weitergeben oder zum Download anbieten. Sowas ist illegal! Und mittlerweile gibt es Möglichkeiten herauszufinden, welcher der Leserundenteilnehmer das Werk verbreitet hat. Das wird dann am Ende nicht günstig. ;)

Go’s für den Einzel-/ Ernstfall

Es sollte zwar nicht vorkommen, aber ganz selten mal, läuft eine Leserunde etwas aus dem Ruder (wovon ich persönlich nicht aus erster Hand berichten kann). Für diesen Fall sind folgende Dinge absolut legitim:

  1. Die Situation offen ansprechen, sagen, dass ihr euch (aus Gründen) unwohl fühlt und für den weiteren Verlauf andere Vorstellungen habt. Vielleicht ist das dem Autor/ den anderen Lesern gar nicht bewusst und es handelt sich um ein Missverständnis.
  2. Kommt es zu keiner Verbesserung, bzw. verschlechtert sich das Gruppenklima weiter, kann jeder auch die Notbremse ziehen und (mit Begründung) die Runde verlassen. Leserunden sollen Spaß machen und euch nicht in die Verzweiflung treiben.

Allgemein

Ansonsten sind Leserunden sehr locker und es geht oft genug sogar recht lustig zu, wenn Leser und Autoren sich gemeinsam austauschen. Da kommen die witzigsten Wortspiele, Verleser oder Missverständnisse zusammen.

Es bleibt natürlich immer eine Frage der eigenen Einstellung, der Mitleser und des Autors, aber insgesamt ist es zumeist unterhaltsam und sogar spannend, wenn die Autoren aus dem Nähkästchen plaudern.

Ich habe an diesen Runden unheimlich viel Spaß, mir gefällt diese intensive Besprechung sehr! Probiert es aus und vielleicht berichtet ihr mir von euren Erfahrungen. :)