꙳Der stille Sammler꙳ – Becky Masterman

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Ein kleiner Zufallskauf, dessen Klappentext mich recht neugierig gemacht hat. Ihr wisst ja sicherlich wie das ist. Man braucht noch etwas Gemüse, was zu Trinken, vielleicht noch ein bisschen Eis und Schokolade und plötzlich steht mitten im Weg ein Bücherwagen. Und wie von Zauberhand, wird man in den Bann von vielen, ungelesenen Seiten gezogen. So ungefähr könnt ihr euch mein Funderlebnis vorstellen. Ob es sich gelohnt hat, seht ihr nachfolgend.

Allgemeines zum Buch

Mit knapp 400 Seiten ist man als Leser auch hier eine kleine Weile gebunden. „Der stille Sammler“ erschien 2013 unter dem Originaltitel „Rage Against the Dying“ (im Verlag Minotaur Books) und wurde Anfang 2015 im Bastei Lübbe Verlag auf Deutsch veröffentlicht. Übersetzt wurde es von Axel Merz. Wer mehr von der Agentin Brigid Quinn lesen möchte, kann sich den Nachfolgethriller „Bis du tot bist“ („Fear the Darkness“) schnappen. Ein weiterer Band erschien Ende März und ist bisher nur in der Originalausgabe lesbar („A Twist of the Knife“).

Inhalt und Rezension

Brigid, pensionierte Ex-Agentin des FBI, kann auf eine beispiellose Karriere zurückblicken. Ihre Aufklärungsquote ist traumhaft, aber dieser eine, schwarze Fleck belastet sie schwer. Der Versuch, ein Leben in Frieden aufzubauen und alles hinter sich zu lassen, ist mit harter Arbeit und einer großen Portion Heimlichtuerei verbunden. Diese droht nun aufzufliegen, als sie die Möglichkeit bekommt, den Fleck aufzuhellen und plötzlich alles gegen sie zu laufen scheint.

Die Bewertung des Buches fällt mir nicht ganz so leicht. Nachdem ich erst einmal hinein gekommen bin, hat sich eine durchaus interessante Geschichte entwickelt, die mich insgesamt allerdings nicht richtig gepackt hat, was an unterschiedlichen Aspekten lag.

Zunächst einmal sei gesagt, dass mir die sehr bildgebende Sprache der Autorin gefallen hat. Die Beschreibungen des Umfeldes empfand ich als sehr ansprechend und die Erzählperspektive erfrischend anders. Die Hauptprotagonistin erzählt hier nämlich ihre Geschichte rückblickend selber. Das ist nicht nur konsequent umgesetzt worden, sondern gibt der Geschichte die erzählt wird einen besonderen Charme.

Trotz der guten Basis, zieht sich der Beginn, was zur Folge hatte, dass ich mich in das Buch reinarbeiten musste. Die vielen Eindrücke und Hintergründe bremsen die Handlung, nach dem spannenden Prolog, ab. Es ließt sich nicht selbstverständlich weg und nimmt erst mit den vielen Ungereimtheiten im Geständnis des angeblichen Serienmörders wieder Fahrt auf. Nichtsdestotrotz bleibt das Tempo, für einen Thriller, recht gemäßigt, was mir in diesem Fall nicht unbedingt zugesagt hat.

Die Protagonistin Brigid hat mich ebenfalls nicht ganz auf ihre Seite ziehen können. Obwohl das Geschehen aus ihrer Sicht erzählt wird, bleibt sie emotional recht blass, ihre Handlungen sehr oft unverständlich und ja, auch unglaubwürdig. Bis zu einem gewissen Punkt, ist diese Distanz durchaus spannend, da sie den Charakter und ihr Erlebtes gut unterstützen. Allerdings verpasst die Autorin meines Erachtens nach, den Absprung zu mehr Emotionalität und Menschlichkeit hin. Vieles ist zu sachlich, als dass es möglich wäre Anteil nehmen zu können. Was sonderbar wirkt, denn der Fokus des Thrillers ruht oftmals bei Brigids persönlichen Umständen und ihren Problemen im Alltag.

Ihre Gegenspieler sind wieder gut ausgearbeitet und geben der Handlung Biss und Spannung. Hier hätte ich gern mehr Detail und Fokus gehabt, denn der eigentliche Fall bietet viel Potential. Der Rest der Protagonisten gerät zum schmückenden Beiwerk, ich denke, dass auch hier Möglichkeiten liegen gelassen worden sind.

Unspannend ist die Geschichte damit immer noch nicht. Was mir nicht sehr behagt, ist das Gefühl, dass eine ganze Reihe der Ereignisse außerhalb des Buches nicht in dieser Art hätten geschehen können. Der Alleingang der Ex-Agentin, die vollkommene Untätigkeit sämtlicher Untersuchungsgremien, die doppelte Bewertung des Mörders hinsichtlich des Vorgehens zur Beseitigung seiner Feinde, und einiges mehr. Das liest sich ganz charmant, wirklich Tiefe bekommt es damit aber nicht. Die Auflösung ist wieder gut, jedenfalls kann ich mit dieser leben, eine Ahnung vom Täter entwickelt sich durchaus schon vorher. Vielleicht liegt das auch nur an meiner Erfahrung in diesem Genre, aber etwas mehr Subtilität wäre unter Umständen günstig gewesen. Die Lösung der Handlungsstränge ist allerdings komplex genug, um das auffangen zu können.

Fazit: Ein ganz nettes Büchlein, was ich nicht so schlecht fand, aber mehr muss ich davon nicht haben. Die sprachlichen Fähigkeiten/ Ihre Art der Inszenierung in einem anderen Genre, wäre, nach meinem Dafürhalten, einen weiteren Versuch wert.

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Autoreninformation/ -kontakt

Becky Masterman könnt ihr auf ihrer eigenen Internetseite finden: http://beckymasterman.com/.

 

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