꙳Der steinerne Garten꙳ – Jayden V. Reeves

IMG_3102Nun muss ich doch etwas umplanen, da ich leider krank geworden bin und in der Zwischenzeit ein ganz besonderes Rezensionsexemplar bekommen habe. Die anderen Bücher stehen bereits in den Startlöchern und werden dann einfach direkt hintereinander hier vorgestellt. Den Debutroman von Jayden, wollte ich euch aber unbedingt zeitnah vorstellen, denn er ist in meinen Augen schon etwas besonderes. Mal keine Romanze, sondern ein richtiges Drama, ohne Kompromisse.

Allgemeines zum Buch

Wie schon erwähnt handelt es sich um ein Drama, welches sich mit unter um das Thema ‚Outing‘ dreht. Der Roman umfasst gut 600 Seiten und ist Anfang März beim Rediroma Verlag erschienen. Mein Buch ist ein Rezensionsexemplar, herzlichen Dank an dieser Stelle noch mal an den Autor.

Inhalt und Rezension

Wie sehr sich sein Leben mit der Übernahme eines Fahrtdienstes verändern würde, hätte Riley wohl nie zu träumen gewagt, aber mit dem Eintritt von Nathanyel in sein Leben, steht dieses plötzlich Kopf. Nate ist kein gewöhnlicher Mann. Seine Intelligenz ist kaum zu begreifen, ebenso wie sein Mangel an Empathie und seine Zwänge. Beide zusammen ergeben ein hochexplosives Gemisch, denn Riley selber ist auch nicht unbedingt für sein diplomatisches Geschick bekannt. Gefangen zwischen alten Lastern, begrabenen Erinnerungen und einer unerklärlichen Faszination zu Nate, ist Riley heillos überfordert und muss alles bisher Bekannte hinter sich lassen, um eine Chance auf eine ehrliche Zukunft zu bekommen.

Dieses Buch ist in der Kategorie Drama angesiedelt und genau als solches muss man es auch sehen. Es handelt sich nicht um eine verkappte Romanze, sondern um den Blick in das Leben von zwei Menschen, was in der Tiefe betrachtet düsterer kaum sein könnte.

Dass es sich nicht um typische Strahlemänner handelt, wird schon bei der Vorstellung von Riley deutlich. Er ist nicht zwingend sympathisch, auch wenn er in seiner Art durchaus reflektiert ist. Dass sein bisheriges Leben von falschen Entscheidungen geprägt ist, sieht er selber, zumal ihn ein gewaltiger Schuldenberg bei falschen Leuten immerfort daran erinnert. Riley ist recht vielschichtig gezeichnet worden, seine Handlungen dadurch nicht immer vorhersehbar oder gar nachvollziehbar. Die Päckchen, die er mit sich rumschleppt, kann er nie ganz ablegen und gibt dem Leser damit wenig Raum an ihn ranzukommen.

Nate ist für den Leser ähnlich distanziert, wenn auch auf eine andere Art. Da er aus der Psychiatrie abgeholt wird, ist von vornherein klar, dass seine immensen Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion einen Grund haben. Welcher das ist, wird durch die Erzählperspektive gut verschleiert (das Geschehen präsentiert sich aus Rileys Sicht). Seine Intentionen bleiben so gut wie immer unklar, wobei das gewollt und toll umgesetzt worden ist.

Rileys und Nates seltsames Arrangement, ihre jeweiligen Probleme und die gut getarnten Absichten von letzterem, ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und legen einen dunklen Schatten von Vorahnungen und Befürchtungen über das Buch. Diese Entwicklungen sind unheimlich interessant, vor allem dadurch, dass es keine Regeln zu geben scheint, nach denen Wendungen eintreten. Das macht einen Großteil der Spannung aus, was ich sehr geschätzt habe.

Für mich bekommen die Nebenprotagonisten etwas viel Platz, gerade das mittlere Drittel wird beim Lesen etwas lang. Die Handlung wird da sehr gebremst, was bei einem 600 Seiten umfassenden Buch nicht unbedingt einfach zu handhaben ist. Aufgefangen wird das wiederum durch die gut gelegten Verknüpfungen, die Riley und Nate am Ende immer wieder in einen Kontext bringen. Selbst einfache Dinge/ Szenen werden im richtigen Moment aufgegriffen und erlangen dadurch plötzlich eine besondere Bedeutung. Das ist sehr effektvoll und auf den Punkt stimmig. Überhaupt gefiel mir die sonstige Gestaltung des Verlaufes recht gut, besonders die Einbettung der Handlung in Prolog und Epilog hat mir sehr gefallen.

Ein Teil der Informationen hätte noch besser in die Geschichte eingearbeitet werden können, an wenigen Stellen wird etwas viel erzählt, statt gezeigt. Das ist sicherlich nicht so einfach umzusetzen, da Riley nach außen sehr verschlossen ist, aber für mich als Leser war die Aufnahme der Hintergründe mitunter nicht einfach.

Der Schreibstil ist angenehm, die Protagonisten werden sprachlich sehr gut voneinander differenziert (was die Nebencharaktere ebenfalls betrifft) und auch die intimen Momente sind ihrer Situation entsprechend gut umgesetzt worden. Was nicht bedeuten soll, dass hier ein rosa Zauber über allem liegt. Die Protagonisten bleiben ihrer Funktion in der Geschichte treu und begehen viele Fehler, die zum Glück aber nicht kleingeredet, sondern beim Namen genannt werden. Ich wiederhole mich an dieser Stelle zwar, aber dieses Buch ist ein Drama und das ist mit jeder Seite klar.

Kommen wir zur Auflösung des Buches, die ich selbstredend nicht preisgeben werde, allerdings kann ich sagen, dass diese es ganz schön in sich hat. Emotional betrachtet, hat mich vor allem die Aktualität der Grundproblematik in der Gesellschaft umgenietet. Die Fiktion tritt zum Ende des Buches immer weiter in den Hintergrund und offenbart einen sehr realistischen Aspekt, der mich gerade wieder zu Tränen rührt. So tolerant wir uns oftmals geben (und damit spreche ich jetzt nicht einmal von Homosexualität), alles was außerhalb unserer geistigen Grenzen passiert, nicht der Norm entspricht, ist für die allermeisten eben doch der Punkt, an dem sie dazu tendieren, gewollt oder ungewollt, eine Mauer um andere herum zu bauen. Dass andere hinter solchen Mauern eingeengt werden, wird dabei selten in Betracht bezogen. Und schon ist die vermeintliche Freiheit für den Einzelnen, nur noch eine leere Floskel.

Und genau aus diesem Grund hadere ich emotional natürlich mit dem Ausgang, nicht weil er unpassend ist, sondern weil er allzu realistisch aufzeigt, wohin gedankliche Mauern führen. Beide Protagonisten sind keine Unschuldslämmchen, d.h. von einem „schwarz und weiß“ kann ich nicht ausgehen, aber dass sich die schwer verletzte Seele am Ende, bei ihrem Kampf um Freiheit, geschlagen geben muss, ist schwer zu verpacken. Es passt letzten Endes zu dem was vorher geschieht, die Anlagen dafür sind toll in die Handlung integriert worden.

Fazit: Ein sehr berührendes Drama, das keine klassischen Helden braucht, sondern die Protagonisten vor allem durch ihre menschliche Seite punkten lässt. Teil 1 ist bereits so angelegt, dass ich gespannt bin wie es weiter gehen wird. Irre Hoffnungen, Neugierde, Befürchtungen, Wut und Trauer wechseln sich in meinen Gedanken daran beständig ab. Genügend offene Probleme sind jedenfalls vorhanden, um eine spannende Fortsetzung vermuten zu lassen.

Nebenbei sei noch angemerkt, dass es sich um den Debutroman des Autors handelt. Gerade dafür wurden meine Erwartungen mehr als übertroffen. Tolles Buch.

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Autoreninformation/ – kontakt

Jayden ist auf Facebook zu finden und hat zudem eine eigene Internetpräsenz, die ihr nachfolgend aufrufen könnt: http://www.jayden-v-reeves.com/. Dort habt ihr auch Einblick in den aktuellen Fortschritt zu Band zwei. Nur für den Fall, dass ihr danach auch angefixt seid. 😉

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