꙳Rebellen lieben leidenschaftlich꙳ – Tommy Herzsprung

imag0254_1.jpgNun, leidenschaftlich geht es hier durchaus zu, ob und wie viel mehr als das in diesem Buch steckt, werde ich euch gern verraten. Gekauft habe ich es vom Autor direkt (noch vor der Buchmesse in Berlin) und letztes Wochenende endlich gelesen. Nach etwas schwermütiger Lektüre mag ich es durchaus liebevoller und (hoffentlich) romantischer.

Allgemeines zum Buch

Es umfasst knapp 300 Seiten und kommt, wie in letzter Zeit ziemlich viele Bücher die ich lese, aus dem Bereich Selfpublishing. Anhand des Covers kann man es bereits erahnen und ja, es handelt sich um eine Gay Romance. Wie immer hierbei, Männer mit Männern und wer das nicht mag und so weiter blabla. Erschienen ist es im Oktober 2016 und stellt das Romandebüt von Tommy Herzsprung dar.

Inhalt und Rezension

Benjamin kommt nach London und hat einen festen Entschluss: Er will alles anders machen als bisher und sein Leben neu gestalten. Zunächst gestaltet sich das aber etwas suboptimal, Filmriss, Hotel und fremder Typ standen jedenfalls nicht auf der To Do List, erst recht nicht in Kombination. Der Fremde ist immerhin mehr als interessant und ein kleines Abenteuer doch gar nicht so abwegig – wenn da nicht das schale Gefühl und der Typ danach weg wäre. Aber so viel sei verraten, 300 Seiten würden sich nicht füllen, wenn es dabei bliebe und Benjamins und Jordans Wege sich nicht wieder gekreuzt hätten.

Die Handlung wird aus Bens Sicht geschildert (Ich-Erzähler) weswegen seine Gefühlsregungen und Handlungen am besten nachzuvollziehen sind. Auf mich wirkte er sehr sympathisch, vielleicht eine Spur naiv, was ungemein gut zu ihm und seinem Hintergrund passt bzw. zu dem was ich als Leser über ihn erfahre. Dazu versprüht er einen gewissen Charme, der oft mit lustig-komischen Momenten einhergeht.

Die Charakterisierung der anderen Protagonisten durch ihn, hätte für mich etwas tiefer sein können, deren Beweggründen sind zumeist trotzdem gut dargestellt. Rückblickend würde ich sagen, dass es die emotionale Tiefe war, die da etwas hinterher hängt. Dadurch, dass er selber ein einfühlsames Wesen besitzt, wird das dennoch gut abgefangen.

Jordan war für mich sehr distanziert, was mir in diesem speziellen Fall sehr zugesagt hat, denn letztlich passt das zu der Rolle in die er sich hinein gedrängt sieht. Das jahrelange Versteckspiel  und das vermeiden tieferer zwischenmenschlicher Beziehungen wirkt durch diese Distanz sehr glaubhaft. Auch, dass sich das auf andere wichtige Bezugspersonen bezieht. Seine Gesamtentwicklung gefiel mir schlussendlich sogar noch besser als Bens.

Das gewählte Setting empfand ich als erfrischend anders, der Blick auf Schattenseiten in der Sonne sehr interessant. Überhaupt unterstützt es das Motiv des Romans sehr gut und fügt sich wunderbar in das Schema von Zwängen ein. Für mich ist das der größte Pluspunkt des Romans, da toll zu sehen ist, wie ein gut ausgearbeiteter Rahmen eine Handlung stützen kann. Da macht es auch nichts, dass ein paar Elemente absehbar sind (z. Bsp. der Deal mit Jordans Verlobten), immerhin handelt es sich auch um eine Romanze und nicht um einen ausgetüftelten Krimi.

Sprachlich hat mir das im wesentlichen gefallen, das Buch lässt sich flüssig und in einem Rutsch lesen, ohne dass es Hänger gibt oder langweilig wird. Persönlich gestehe ich einem Ich-Erzähler mehr Freiheiten zu, an ein paar Stellen hätte es für meinen Geschmack etwas weniger Umgangssprache vertragen können. Ein weiterer Punkt war für mich die sprachliche Darstellung der einzelnen Protagonisten. Die Differenzierung der Charaktere durch ihre Sprache, hätte ruhig deutlicher ausfallen können. Zudem würde ich einen weiteren Korrekturlauf empfehlen, denn ein paar Tippfehler sind noch enthalten.

Das Ende versöhnt sich mit den Geschehnissen im Buch, bleibt aber relativ offen. Das passt absolut zur Geschichte und rundet die Handlung gut ab. Da ich es nicht mag wenn Bücher enden, muss ich aber noch dazu sagen, dass mir ein paar mehr Details (zum Alltag, zur Sprache, etc.) gut gefallen hätten. Es ist dann doch recht schnell fertig. Aber gut, an welchem Ende finde ich nicht noch ein Haar, es liegt definitiv mit daran, dass mich die letzte Seite grundsätzlich wehmütig stimmt.

Fazit: Eine liebenswerte Romanze mit einem glaubhaften Setting und schnuckeligen Protas. Mir fehlte etwas emotionale Tiefe und mit einer weiteren Korrektur liest es sich sicher noch runder. Die Schwächen des Buches werden durch seine Stärken gut aufgefangen und lassen für mich dieses Debüt sehr gelungen erscheinen. Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht und ich denke, dass es nicht das letzte des Autors für mich sein wird.

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Autoreninformation/ -kontakt

Tommy findet ihr auf seiner Internetseite www.tommyherzsprung.de und auch auf Facebook.

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