꙳Meinen Hass bekommt ihr nicht꙳ – Antoine Leiris

imag0212_1.jpgEin Buch, welches eigentlich gar keine Rezension braucht, allerdings stelle ich es euch dennoch gerne vor. Es hat mich sehr berührt und tief bewegt. Die Schilderungen sind so lebendig und nahe, dass mir während des Lesens fortwährend die Tränen gelaufen sind. Viele hat der Anschlag im Bataclan in Paris (2015) sehr mitgenommen, obwohl sie nicht einmal vor Ort waren, die Anteilnahme war riesen groß. Wie aber geht es jemandem, der bei diesem Anschlag einen Menschen verloren hat? Und wie groß muss dieser Mensch sein, der in den Stunden und Tagen der größten Trauer und Verzweiflung diese Botschaft an die Terroristen hat?

Allgemeines zum Buch

Das Buch umfasst ca. 140 Seiten, ist ‚großzügig‘ formatiert und erschien im Blanvalet Verlag. Antoine beschreibt in diesem Buch was in dieser Nacht, in der seine Frau starb, geschah und wie er das Leben mit seinem, zu dem Zeitpunkt, 17 Monate alten Sohn meistert.

Rezension

Wie oben angemerkt ist es sehr schwer die richtigen Worte zu finden und eine ordentliche Rezension eigentlich nicht möglich. Denn hier beschreibt ein tief trauernder Mann, wie er die Stunden, Tage und Wochen bis zur Beerdigung seiner Frau erlebt. Zusammen mit seinem Sohn, nur zu zweit statt zu dritt. Das ist so intensiv und so nah, dass es niemanden kalt lassen dürfte.

Das innere Erleben hat mich mit in diese Nacht genommen, die Verzweiflung konnte man fast aus der Luft greifen. Antoine Leiris beschreibt ganz eindringlich was danach geschah und wie er es schaffte, den Alltag zu meistern. Dabei wird nichts beschönigt, keine Phrasen gedroschen, keine Urteile gefällt, nur Erleben und der Versuch zu Begreifen, dass das eine Leben zu Ende ist.

Seinen offenen Brief an die Terroristen finde ich dabei am stärksten, denn er schrieb ihn in einem seiner schwächsten Momente im Leben. Und dieser enthält diese wichtige Botschaft – „Meinen Hass bekommt ihr nicht“.

Es ist schwer in Worte zu fassen wie ich mich beim Lesen des Buches gefühlt habe. Aufgewühlt natürlich, traurig und mitgenommen. Aber letztlich hat mich diese schlichte Art der Beschreibung der Situation vor allem abgeholt. Nach den Anschlägen der letzten Zeit vermittelt es ein Gefühl der Zuflucht. Es ist nichts gut nach so einem Verlust und es wird nie wieder so sein wie vorher, was bleibt ist das Leben für dass wir uns entscheiden. Antoine zeigt auf ganz erstaunliche Weise, wozu Hass da ist und warum er ihn nicht braucht. Und am Ende zeigt er auch, warum sie trotzdem noch zu dritt sind.

Unbedingte Leseempfehlung und nicht mit Sternen bewertbar.

Informationen zum Autor

Antoine Leiris arbeitet inzwischen als freier Journalist in Paris und war vorher Kulturredakteur bei den Radiosendern France Info und France bleu. Seinen offenen Brief, den er am 16.11.2015 schrieb, ist um die ganze Welt gegangen. Wer ihn im Original noch einmal lesen möchte (im Buch ist er übersetzt ebenfalls zu finden), wird auf Antoines Facebookseite fündig. -> „Meinen Hass bekommt ihr nicht

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