꙳Der Liebreiz einer Hyazinthe꙳ – Tharah Meester

Der Liebreiz einer HyazintheNachdem ich am 03. Oktober das zweite Ascot-Abenteuer von Tharah vorgestellt habe, folgt nun die erste Geschichte aus der ‚beschaulichen‘ Stadt, in der die Leute keine Vorurteile haben, niemand korrupt ist, die Polizei ganz ordentlich ihre Arbeit erledigt… Ach nein, das war ein anderes Märchen. 😉 Ich gestehe, es ist eines meiner Lieblingsbücher von Tharah, auch wenn es vielleicht sprachlich noch nicht ganz so ausgereift ist, wie die neueren Werke. Dafür hat es einen ganz eigenen Charme und eine großartige Story-Entwicklung! ❤

Allgemeines zum Buch

Wie ihre anderen Bücher auch, ist das Buch in keinem Verlag erschienen, sondern selfpublished. Das Taschenbuch ist mit 646 Seiten angenehm lang und bietet somit viele unterhaltsame Lesestunden. Erschienen ist es im Dezember 2015. Wir haben hier wieder eine m/m Paarung, wer damit nicht umgehen kann, lässt es bitte. Es ist dem Genre Gay Romance & Fantasy zuzuordnen.

Inhalt und Rezension

Die Stadt Ascot ist nicht unbedingt eine, in der man viel Gerechtigkeit oder Nettigkeiten erwarten kann. Trotzdem ist Hyacinthe Black einigermaßen geschockt, als ihn der Chef de police aus persönlicher Rache heraus denunziert, ihn somit aus der ‚feinen‘ Gesellschaft ausschließt und seinen Vater damit in (wortwörtlich) mörderische Wut versetzt. Sein Leben wird in letzter Sekunde verschont, da ein Mann, den man nur ‚Eure Abscheulichkeit‘ nennt, für ihn eintritt und ihn ehelicht. Mit dieser schrecklichen Nacht, beginnt für Hyacinthe ein anderes Leben, welches, trotzdem er vorerst alle seine Hoffnungen auf Besserung begräbt, gar nicht so schrecklich enden muss.

Von Beginn an schließt man Hyacinthe ins Herz. Es geht gar nicht anders, da sein ganzes Wesen danach schreit umarmt und beschützt zu werden. Sein oftmals unüberlegtes Handeln ist in Anbetracht seines Alters passend und trotzdem nie übertrieben. Mit seiner Charakterentwicklung kann man ihn auch immer besser verstehen und gerade die reiferen Züge an ihm, die auf den ersten Blick nicht so richtig zu ihm passen mögen, erklären sich im Verlauf von selber. Trotz der erlittenen physischen und psychischen Gewalt, hat er sich etwas sehr Unschuldiges bewahrt, nämlich den Willen, mehr in Menschen zu sehen, als nur ihre oberflächliche Hülle. Hyacinthe ist als Protagonist sehr gut aufgebaut und maßgeblich für sehr fesselnde, emotionale Momente verantwortlich.

Gavrila (‚Eure Abscheulichkeit‘) ist zu Anfang sehr distanziert, was sprachlich gut umgesetzt ist. Genauso wie Hyacinthe, muss sich auch der Leser bemühen, mehr in ihm zu sehen. Dabei sind es die kleinen Gesten, die einen Vrila schnell sympathisch werden lassen, wenn auch auf eine manchmal sehr traurige Art. Da er nur gelernt hat, seine Gefühle bestmöglich zu verbergen, ist er in den Konfrontationen mit Hyacinthe oft hilflos. Diese Hilflosigkeit und Wut auf sich selbst, konnte ich fast in der Hand halten. Das kam wirklich total bei mir an und hat mich sehr berührt.

Trotz seines andersartigen Erscheinungsbildes hat Gavrila Freunde, die sich mehr Gedanken um ihn machen, als er selbst es erfassen kann. Die Verluste/ Geheimnisse die diese bunt zusammengewürfelte Gruppe miteinander verbindet, werden glaubhaft geschildert und nur langsam aufgedeckt. Dem Leser bleibt nur das vage Gefühl, dass noch etwas viel größeres in Gange ist, als die Protagonisten erahnen. Die Nebencharaktere sorgen dabei für einen sehr großen Anteil an der spannenden Entwicklung, da sie über die Maße gut in das Geschehen integriert sind. Ich habe selten ein Buch gelesen, das die Nebenstränge so konsequent, ganz natürlich und geschickt nutzt, wie es hier der Fall ist. Dafür ein ganz dickes Lob!

Auch die Umgebung wird toll in Szene gesetzt und entwickelt sich nebenbei im Kopf des Lesers. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin die besondere Atmosphäre an den verschiedenen Orten, mithilfe ihrer Protagonisten, einfangen konnte. Die Sprache trägt ebenfalls zur Stimmung und auch Glaubhaftigkeit bei. Im Printbuch ist gleich vorne eine Karte enthalten, die man, gerade wenn es um Geschichten aus der ganzen Welt geht, gut zu Rate ziehen kann, um sich noch besser orientieren zu können.

Nun zum Eingemachten:
Der Handlungsstrang/ der Spannungsbogen ist ein Gedicht! Dafür sorgen viele Kleinigkeiten, die ich aufgrund meiner begrenzt verfügbaren Zeit nicht alle aufzählen kann, und das Gespür der Autorin für den richtigen Moment. Die Hinweise, Geheimnisse, Intrigen und Erkenntnisse, setzen sich nach und nach zu einem Bild zusammen, dessen volles Ausmaß dem Leser erst zum Ende hin bewusst wird. Dabei werden die Protagonisten nicht zu Überfliegern, sondern sie gewinnen und scheitern in einem sehr menschlichen Maß. Die dazu kommenden zwischenmenschlichen Probleme und auch Lösungen, sorgen darüber hinaus für eine emotionale Note, die mich sehr angesprochen hat. Sie ist, in Anbetracht dessen was unseren beiden Helden passiert ist, absolut angebracht und in meinen Augen angemessen umgesetzt. An Glaubhaftigkeit gewinnt das noch, in dem schwere Traumata nicht einfach abgetan, sondern die vielfältigen Auswirkungen davon plastisch dargestellt werden. Nichts ist auf einmal alles gut. Die Charaktere bekommen ihre Chancen und den Raum sich vorsichtig zu entwickeln, Fehler zu machen und natürlich auch zur Selbstreflexion.

Was der Autorin besonders in diesem Werk gut gelungen ist, sind die Ruhephasen, die jeder spannende Plot mitunter braucht. Sie sind nicht immer schön, teilweise sehr traurig, aber immer da, wenn man auch als Leser erst einmal durchatmen muss.

Ich hatte es eingangs angemerkt, was noch Platz nach oben hat, ist die gesamtsprachliche Umsetzung. Teilweise wiederholen sich Gedankengänge zu oft und hinterlassen dieses, ‚War das nicht schon mal‘-Gefühl. Das passiert zum Glück nicht sehr häufig, aber eben so, dass es auffällt. Ebenso auffällig sind die in einer großen Anzahl kursiv gedruckten Wörter. Das wiederum hat die Autorin sprachlich gar nicht nötig, denn das was sie sagen/ausdrücken/ fühlen lassen möchte, kommt auch ohne dem wunderbar an. Mich hat es so eher irritiert.

Kommen wir zum Ende und auch zum Ende des Buches. Das Finale ist toll umgesetzt und verdient es auch, als solche benannt zu werden. Als Leser bekommt man plötzlich alle Fäden in die Hand und hat sofort die kleinen Hinweise aus der Vorgeschichte im Kopf, die sich nun nahtlos und logisch einfügen. Der Epilog räumt auch letzte Fragen aus und das Ganze schließt zufriedenstellend rund und schlüssig ab. Mit diesem warmen Gefühl verabschiede ich mich für heute aus dieser Rezension und wünsche euch viel Spaß beim nachlesen.

Autoreninformation/ -kontakt

http://tharahmeester.blogspot.de

Wer ein weiteres Abenteuer in Ascot erleben möchte, wird mit „Der Tischler und sein Stutzer“ eine ebenfalls tolle Geschichte in den Händen halten. Wer etwas Hilfe braucht um die Geschehen zeitlich und örtlich miteinander in Verbindung zu bringen, findet auf Tharahs Seite Landkarten zu ihrer tollen Welt und auch eine Timeline.

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