꙳Der Pfauenfedernmord꙳ – Ulrike Busch

Der PfauenfedernmordVor ein paar Tagen hat mir Amazon ein Ebook-Geschenk gemacht. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Liebesschnulzen und einem Krimi. Die Entscheidung viel mir sehr leicht und so habe ich mich am Sonntag über das neu erworbene Stück hergemacht.

Wie ich bereits in ‚Über mich‘ angemerkt habe, liegt es mir sehr fern die Arbeit von Autoren herabzuwürdigen. Nichts desto trotz möchte ich natürlich ehrlich bleiben und meine Leseeindrücke wiedergeben. In diesem Fall hat mich das Buch nicht so gepackt, die Gründe dafür werde ich euch gleich in der Rezension aufzeigen.

Wie sehr solche Eindrücke voneinander abweichen können, kann man an diesem Beispiel eindrucksvoll erkennen, denn das Buch hat beim großen ‚A‘ sehr gute Bewertungen bekommen. Ich möchte mich daher nicht zu wichtig nehmen, zumal ich Buchkritiken eh nicht persönlich meine. Am Ende entscheidet jeder für sich, was für ihn ein gutes Buch, bzw. hier im speziellen Fall, einen guten Krimi ausmacht. Ihr seid also herzlich eingeladen, das Buch zu lesen, anders zu bewerten oder darüber zu diskutieren.

Allgemeines zum Buch

Das Buch erschien Ende 2015 in Amazons Hausverlag (Imprint Edition M) und umfasst knapp 300 Seiten. „Der Pfauenfedernmord“ ist der erste Teil der Serie „Ein Fall für die Kripo Wattenmeer“. Ein Nachfolgeroman ist bereits unter dem Titel „Jaspers letzter Flirt“ erschienen.

Inhalt und Rezension

Die Zutaten für diesen Krimi sind: Eine illustre Gesellschaft aus vier mehr oder weniger miteinander und untereinander befreundeten Paaren, je eine gute Portion Neid, Missgunst und Eifersucht sowie ein geheimnisvoller Unbekannter, der unser „Hauptpärchen“ in Angst und Schrecken versetzt.

Den Auftakt zum Krimi macht der Prolog, bei dem eine unbekannte Frauenleiche gefunden wird. Danach kann sich der Leser erst einmal entspannt zurück lehnen, denn bis zur Tat, dauert es noch ein Weilchen.

Unsere anfänglichen Hauptprotagonisten, Dr. Wiederkehr (ehem. Schönheitschirurg) und Frau Wunderlich-Wiederkehr (gefragte Galeristin und lebendes Anschauungsobjekt für gelungene Schönheitsoperationen), haben sich auf Sylt zur Ruhe gesetzt und feiern in diesem Jahr nicht nur Silberhochzeit, sondern auch 25-jähriges Bestehen der Freundschaft. Schnell wird klar, dass die Ehe und die Freundschaften mit dem beliebten Spruch „mehr Schein als Sein“ charakterisiert werden können, was natürlich viel Stoff für mögliche Opfer, Täter und falsche Verdächtigungen liefert.

Die Ausgangslage ist also gar nicht so schlecht, wenn es denn irgendwann losgehen würde. Die Autorin nimmt sich allerdings erst einmal sehr viel Zeit für die Einführung aller Charaktere, die Umstände in denen sie Leben, ihr Nöte und Sorgen oder angedachte Intrigen. Trotz der recht kleinteiligen Beschreibung bleiben die Figuren blass und oberflächlich, und der Zugriff zu ihren Gefühlen verwehrt. Das liegt zu einem großen Prozentsatz an der sich stets und ständig wechselnden Erzählperspektive, denn hier ist wirklich jeder einmal dran (selbst der Hund aus dem Prolog). Daraus ergibt sich zwar eine immense Vielfalt an Informationen und Eindrücken, richtig warm wurde ich aber mit keinem der Protagonisten. Oft hatte ich auch das Gefühl, dass die Personen nicht ihrem Alter entsprechend agieren. Natürlich darf eine dem Jugendwahn verfallene Frau auch etwas jünger wirken als sie ist, nicht nur äußerlich, so sie aber noch als sehr fähige, erfolgreiche und mit Ehrgeiz versehene Geschäftsperson vorgestellt wird, passt eine dem Erleben nach 20-jährige (eigentlich über 50) nicht so ganz zum Beschriebenen.

Wenn man alle handelnden Personen kennengelernt hat, und sich über Tage hinweg überzeugt hat, dass der eine dem anderen nichts gönnt und irgendwie jeder mit jedem zerstritten ist, passiert endlich auch der Mord. Immerhin noch knapp vor Buchhälfte. Die Handlung nimmt aber weiter keine Fahrt auf, da der Krimi bereits in einem Morast aus unwichtigen Informationen und Beschreibungen versunken ist. Zu allem Übel, ist der Täterhinweis so eindeutig, dass ich den Rest des Buches (die zweite Hälfte) nur noch gelesen habe, um meine Annahmen, die tatsächlich alle zugetroffen haben, bestätigt zu wissen. Von einer Spannungskurve kann ich daher nicht sprechen, für mich las sich alles anhaltend gleich unspektakulär. Da gab es keine Überraschungen oder Wendungen, die mich noch mitgezogen haben. Und hier offenbart sich auch die größte Schwäche des gewählten Erzählstils: Auch auf die ermittelnden Kommissare, erhalte ich als Leser keinen emotionalen Zugriff. Wie sie zu ihren Erkenntnissen gelangen ist nicht greifbar, ihre Gedanken zu ungeordnet um mich abholen zu können. Daher bin ich auch nie in die Versuchung geraten, mich den falschen Überzeugungen der Kommissare anzuschließen, was zwingend notwendig gewesen wäre um Spannung zu erzeugen.

Etwas dass mich dabei ebenfalls gestört hat, ist die unzureichende Ausarbeitung (evtl auch mangelnde Recherche) zum Thema Polizeiarbeit. Das zeigt sich an vielen kleinen Punkten und wird teilweise unfreiwillig komisch. Obwohl mich das zumindest gut unterhalten hat, hätte ich mir zur Untermauerung der Geschichte eine detailliertere und damit auch glaubwürdigere Beschreibung gewünscht.

Was der Geschichte fehlt um sie tatsächlich zu einem Krimi zu machen, ist der Fokus auf selbigen. Der Leser erhält schon vorab alle Informationen um auch ohne die Kommissare die Tat restlos aufzuklären zu können. Die Ablenkungsmanöver sind als solche zu erkennen, selbst das Geschlecht des Mörders ist, auch ohne den entscheidenden Hinweis, kurz nach Hälfte des Buches durch ein einfaches Ausschlussverfahren zu bestimmen.

Sprachlich ist das ganz in Ordnung, der Lesefluss wird letztlich nur durch die fehlende Spannung gehemmt. Am Ausdruck möchte ich auch nicht mäkeln, wenngleich ich mir etwas mehr Wortreichtum (im Sinne von weniger Wortwiederholungen) gut daran vorstellen kann. Die Länge des Buches empfand ich dem Inhalt entsprechend angemessen, die Prioritätenverteilung dagegen suboptimal.

Auch wenn ich selten auf Buchtitel/- cover zu sprechen komme, möchte ich den Titel hier erwähnen und der Autorin ein großes Lob dafür aussprechen. Nach meinem Empfinden ist dieser wirklich gut gewählt und durchdacht, da er das zentrale Motiv dieser Geschichte auf den Punkt bringt.

Es bleibt eine nette, oberflächliche und leider auch sehr klischeebehaftete Erzählung, in der zufällig noch jemand gestorben ist, was dann aber zügig aufgeklärt wird. Die Protas bekommen keine Tiefe und damit gerät auch der Rest zu flach. Seinen Höhepunkt findet dieses Vorgehen am Schluss: Das Ende ist in meinen Augen, nett formuliert, arg weichgespült. Eine Prise mehr Realismus, hätte dem Ganzen schon noch mal gut getan.

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Autoreninformation/ – kontakt

Ulrike Busch hat zwar keine eigene Internetpräsenz, jedoch eine Facebook Seite, auf der sie ihre Leser regelmäßig informiert.

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