꙳Der Tischler und sein Stutzer꙳ – Tharah Meester

Der Tischler und sein StutzerHier nun also die Vorstellung von Tharahs neuestem Werk und ja, auf den ersten Blick ist es gar nicht so weit von „Shilsas“ entfernt. Wir tauchen in eine andere Welt ab, einer der Hauptcharaktere prostituiert sich und gleichgeschlechtliche Liebe ist kein Problem. Warum es dennoch ganz anders ist und es sich ebenfalls zu lesen lohnt, erfahrt ihr jetzt.

Allgemeines zum Buch

„Der Tischler und sein Stutzer“ wurde von Tharah Meester ohne Verlag herausgebracht und umfasst in der Printvariante ca. 500 Seiten. Es handelt sich um eine Gay Romance in einem viktorianisch angehauchten Setting. Veröffentlicht wurde es am 14. September 2016.

Inhalt und Rezension

Der Leser wird in die Stadt Ascot entführt, in der alles nach etwas eigenen Gesetzen läuft und auch die Gesetzesvertreter eine zuweilen merkwürdige Auffassung von Gerechtigkeit haben. Die Geschehnisse erfahren wir zu ungefähr gleichen Teilen aus Sicht der Hauptprotagonisten.

Franco Deveraux, ein ehemaliger Polizist, gerät in das Visier von Verbrechern, da er die Polizei von Ascot mit seinem Wissen über Waffen unterstützt. Der Drohbrief ist eindeutig und auch Corvin Chancey, sein Stricher, macht sich große Sorgen um ihn. Denn anders als Franco, ist sich Corvin seiner Zuneigung Franco gegenüber durchaus bewusst, auch wenn er diese Gefühle im Verborgenen hält. Was sollte dieser auch mit ihm anfangen können? Als Tischler zu nichts zu gebrauchen, hoch verschuldet und äußerlich so gar nicht Francos Beuteschema entsprechend, macht er sich keine Illusionen über ihre Zusammenkünfte. Was aber nicht bedeutet, dass er nicht alles dafür tun würde ihn zu schützen. Recht schnell wird klar, dass nicht nur Franko Hilfe benötigt, sondern auch Corvin. Es geht Schlag auf Schlag voran und die Situationen werden immer unvorhersehbarer.

Mit Corvin und Franko haben wir zwei wirklich liebenswerte Charaktere, die sich durchaus ähnlich sind, wenn auch mit anderen Voraussetzungen. Beide haben nicht viele Freunde und umgeben sich nicht selten mit Personen, die ihre Selbstzweifel bestärken. Sie neigen dazu sich stark abzuwerten, Corvin widert sich selber an. Sein, wie er glaubt, nicht vorhandenes Talent und die Notwendigkeit sich selber anstatt seiner Möbel zu verkaufen, machen ihm schwer zu schaffen. Franko wiederum sieht in sich selber den geborenen Versager, der nichts auf die Reihe bekommt. Sie fordern von anderen Respekt ein, ohne ihn sich selber zu gewähren. Damit agieren sie unterbewusst durchaus schon von Anfang an auf Augenhöhe. Diese Aspekte sind sehr gut ausgearbeitet und absolut glaubhaft, ebenso wie das daraus resultierende Handeln.

Was der Autorin, man muss sagen mal wieder, extrem gut gelungen ist, ist das bannen der Emotionen auf Papier. Ich habe vorher selten erlebt, dass Gefühle und Reaktionen nur vom Lesen plötzlich zum Leben erwachen. Ganz unterbewusst hält man die Luft an, wenn es die Charaktere tun, man ist angespannt und wird erst locker, wenn auch Corvin seine Schultern lockert und unzählige Beispiele mehr. Dieses mitfühlen/ miterleben schafft immer eine ganz besondere Atmosphäre, der man sich als Leser nicht entziehen kann. Die Beziehung Corvin – Franco wird dadurch sehr ansprechend/ emotional geschildert und auch die expliziten Szenen sind geschmackvoll umgesetzt. Ein weiterer Pluspunkt sind die ungezwungenen Gespräche zwischen ihnen, die mich als Leser früh zu dem Schluss kommen ließen, dass sie sich unheimlich gut ergänzen/ eine passende Paarung ergeben.

Etwas dass mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die ungezwungene Einführung der Charaktere ohne ein endloses Drumherum. Das ist auf den Punkt gebracht, genauso wie die Beschreibungen der Umgebung/ einzelnen Viertel Ascots. Die Autorin beschreibt genug um zu verstehen und lässt auf der anderen Seite Platz, seine Fantasie spielen zu lassen. Kein Erklärung zu lang, kein Wort zu viel, aber auch nicht zu wenig um oberflächlich zu wirken. Ein wenig habe ich eine genauere Ausführung der Familienverhältnisse vermisst, insbesondere der Corvins. Der Reichtum Francos, aber auch seine frühere Beziehung bleiben im Dunkeln. Das ist bei der Fülle an Geschehnissen nicht tragisch, hätte die Figuren aber durchaus abgerundet. Und ich bin ehrlich, bei einem guten Buch, habe ich mich noch nie über zu viele Seiten beschwert. Höchstens darüber, dass es zu Ende ist. 😉 Ausgleichend zur fehlenden bzw. lückenhaften Vorgeschichte, sind aber die Informationen zu ihren Berufen/ Hobbys. Diese Kenntnisse sind wunderbar ausgearbeitet und plausibel.

Der Sprachgebrauch lässt den Leser sich gut in diese Zeit und Umgebung entführen, ohne dabei übertrieben zu erscheinen. In der gedanklichen Rede sind die Protas durchaus etwas lockerer, was den Lesefluss aber ungemein fördert.

Wie schon erwähnt passiert eine Menge, was dadurch ausgeglichen wird, dass es eine überschaubare Personenzahl gibt. Das wiederum passt auch gut zur selbstauferlegten Isolation Francos und macht die Abläufe stimmig. Gut gefallen hat mir, dass die Personen nicht übermächtig werden und aus merkwürdigen Quellen Informationen bekommen, um alles aufklären zu können. Die Begrenztheit der Protagonisten fügt sich nahtlos in ihre gesellschaftliche Stellung und Ansehen ein.

Einen extra Punkt bekommt „Der Tischler und sein Stutzer“ im Übrigen für den wunderbaren Butler Francos. Dieser Nebencharakter ist toll inszeniert und eins zu eins vorstellbar. Wer den Kerl nicht in sein Herz schließt, hat eines aus Stein. Die anderen Nebencharaktere bleiben zumeist blass, was hier aber nicht negativ auffällt, weil es, wie oben erwähnt, gut zur Grundthematik passt. Ein bisschen Hoffnung macht die Autorin indes schon, dass es vielleicht einen dritten Ausflug nach Ascot geben könnte (man beachte die VÖ „Der Liebreiz einer Hyazinthe“), um zwei von diesen Personen etwas näher zu beleuchten.

Die Auflösung/ das Finale ist gut inszeniert, wobei ich das letzte Geständnis durchaus erahnt habe. Langweilig wird das allerdings nicht und in meinen Augen findet das Abenteuer in Ascot einen würdigen Abschluss.

Mit der Bewertung bin ich mit mir selber aktuell noch nicht ganz einig geworden, was zweifellos an meinem langen und (thematisch betrachtet) regenbogenfarbenen Lesewochenende liegt. Alles in allem hat mir die Geschichte aber sehr gut gefallen und mir schöne Lesestunden beschert.

Aber gut, nicht zu viel nachdenken. Meine endgültige Meinung in Sternen:

Autoreninformation/ -kontakt

http://tharahmeester.blogspot.de

Wer ein weiteres Abenteuer in Ascot erleben möchte, wird mit „Der Liebreiz einer Hyazinthe“ ein wundervolles Buch in den Händen halten. Wer etwas Hilfe braucht um die Geschehen zeitlich und örtlich miteinander in Verbindung zu bringen, findet auf Tharahs Seite Landkarten zu ihrer tollen Welt und auch eine Timeline.

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