꙳Shilsas – In den Nebeln꙳ – Chris P. Rolls

shilsasKlappentext: „Hoch über nebeligen Schluchten liegt die Stadt Shilsas, nur durch Seilbahnen zu erreichen. Stadt der Sünde und des Elends, in der einzig der Tod Gesetz ist.
Navasirt Dadashian ist nur eine einfache Hure, versucht indes lange genug zu überleben, um die Ablösesumme und Passage über die Schlucht bezahlen und der Stadt entkommen zu können. Leichtsinn und Mut führen ihn zu dem gefürchtetsten Mann der Stadt: Matous Azatyan, genannt Hazar Maher, Herr der tausend Tode, den er wider Erwarten beeindruckt. Und auch Nava bekommt den geheimnisvollen Assassinen nicht mehr aus dem Kopf. Bald schon wird er hineingezogen in ein Chaos aus Argwohn, Fragen und Intrigen. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter Matous? Welcher mächtige Feind zieht die Fäden des Netzes, das sich immer enger um Nava und Matous spinnt? Nava weiß nur eines: Traue niemandem in Shilsas.“

Allgemeines zum Buch

Bei Shilsas handelt es sich um eine Fantasy Gay Romance, wenn man das mal zusammenfassen möchte. Die Inhalte sind durchaus explizit und wer mit gleichgeschlechtlicher Liebe nicht anfangen kann, ist hier falsch beraten. Das Buch ist nicht in einem Verlag erschienen und hat die Stärke von ca. 170 tsd Worten (im Print voraussichtlich um die 600 Seiten). Meine Lesezeit betrug ca. 10 Stunden.

Rezension

Wie im Klappentext schon erwähnt, handelt es sich bei Nava um eine männliche Hure, deren einziges Streben ist, sich wieder freizukaufen, um dann der Stadt zu entfliehen zu können. Dabei nimmt er so gut wie alles in Kauf, auch wenn es ihm nicht immer leicht fällt. Um sein Geld betrogen zu werden gehört allerdings nicht dazu und so beschließt er, in einem sehr mutigen Moment, es vom Arbeitgeber des Betrügers einzufordern – Matous Azatyan oder auch Hazar Maher, dem Herrn der tausend Tode. So findet zusammen, was zusammen gehört und der Leser wird in ein spannendes Fantasy- Abenteuer hineingezogen.

Aus Navas Sicht lernen wir Shilsas und dessen Bewohner kennen. Die Einführungen der unterschiedlichen Charaktere gelingen der Autorin wieder einmal fast mühelos, die fremdartigen Namen sind zu Beginn eventuell etwas irritierend. Das Geschehen nimmt zügig Fahrt auf und es wird keine Zeit mit langatmigen Erklärungen verwendet. Da Nava die Dinge aufgrund seines stark ausgeprägten Geruchssinns sehr intensiv wahrnimmt und anschaulich schildert, ist das ohnehin nicht notwendig.

Handeln und Gedanken stimmen gut mit Navas Rolle in der Geschichte überein. Wenn es zur Sache geht, nimmt er kein Blatt vor den Mund, ohne dabei übertrieben zu wirken. Die sich entwickelnde Beziehung zu Matous wird explizit aber auch sehr ansprechend beschrieben. Dass sich langsam entwickelnde Vertrauen, macht einen großen Teil der Spannung im Buch aus, auch wenn sich die Fragen der Protagonisten im Verlauf ändern. Es ist ein sehr faszinierendes einander Erleben ohne künstliche Spannungsmomente notwendig zu haben.

Beide Hauptprotagonisten werden vielschichtig dargestellt und erhalten über die Länge des Buches viel Tiefe. Dabei ist es faszinierend wie gut Matous durch Navas Sicht inszeniert wird. Beim Lesen hatte ich sogar mehrfach das Gefühl Nava einen Schritt voraus zu sein, da er durch die vielen Eindrücke manchmal die falschen Schlüsse zieht. Er beschreibt aber seine Umgebung so, dass es dem Leser durchaus möglich ist, zu einem anderen Resultat zu kommen. In meinen Augen ist das auch der Schlüssel, warum Matous nicht farblos bleibt, sondern den Leser ebenso mitnimmt, als wären die Dinge aus seiner Sicht beschrieben. Selbst wenn er nicht mit Nava agiert, bleibt immer der Hauch einer Ahnung, was Matous antreibt. Bei der Schilderung seiner Vergangenheit wechselt die Protasicht auf ihn, was das Geschehen emotional sehr nahe bringt, einen mit verzweifeln lässt und einen tief auf den Grund von Matous Seele mitnimmt (Ja, ja, klingt hochtrabend, ist aber so!). Fast ist es so, als würde man plötzlich selber in Navas Rolle schlüpfen und andächtig lauschen. Matous Motive werden dabei aber nicht zur Gänze aufgedeckt, sondern lösen sich erst zum Ende der Geschichte vollständig auf.

Die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet und auch diese werden durch Navas sehr spezielle Sicht wahrgenommen. Hierbei war es so, dass ich eher eine Ahnung von den Geschehnissen hatte als Nava, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Ein bisschen schade fand ich, dass kleinere Handlungsstränge auf diesem Gebiet nicht gänzlich aufgelöst werden, beim Umfang des Buches, macht das aber nur einen minimalen Teil aus.

Die Landschaft/ Shilsas ist leicht vorstellbar, die speziellen Gegebenheiten sehr interessant. Ein großes Plus ist die toll ausgearbeitete Flora und Fauna und die damit einhergehenden Handlungsstränge. Das ist enorm gut durchdacht und so detailreich wie es erforderlich ist, um alles schlüssig und glaubhaft miteinander in Verbindung zu bringen. Das Konzept ohne Regeln, bzw. jemanden der sie durchsetzt, lässt immer eine gewisse Grundspannung zu. Das Handeln der Personen empfand ich auf die Situation in Shilsas angepasst, den Verzicht auf künstliche Dramatik sehr angenehm. Der Grundtenor erinnert ein bisschen an einen sehr sachlich gehaltenen Bericht, der inhaltlich genug Schrecken und Faszination zu bieten hat. Ein paar wenige Passagen hatten etwas repetitiven Charakter und hinterließen das Gefühl, ruhig etwas gekürzt werden zu können. Warum es trotzdem funktioniert, hängt mit Navas sehr intensivem Blick auf die Situation zusammen. Als Leser bleibt man aufgrund dieser Tatsache am Ball, die Chance langweilig zu werden, bekommen die ‚Längen‘ damit nicht.

Alles in allem gefiel mir das Buch sehr gut und auch die Tatsache, dass Nava mit all seinen Fähigkeiten eine Rolle in der Geschichte spielt und damit maßgeblich den Handlungsverlauf beeinflusst. Die Protagonisten empfand ich durchgehend als glaubhaft, die Entwicklung die sich durchmachen nachvollziehbar. Bei Navas letzten Unsicherheiten am Ende konnte ich nicht ganz mitgehen, die Auflösung dieser ist aber wieder wunderbar gelungen.

Etwas, dass ich mir bis zum Ende aufgehoben habe, was mich aber nachhaltig beeindruckt hat, war die Sicht der ‚Menschen des Blutes‘ auf Homosexualität. Diesen Blickwinkel und besonders eine Passage im Text dazu, fand ich sehr berührend. Die Interpretation hat einfach etwas sehr echtes und herzliches.

Es gibt noch vieles was ich sagen könnte, bei so einem ‚Schinken‘ auch nicht verwunderlich, aber am Ende ist Shilsas ein schönes Abenteuer mit unheimlich sympathischen Protagonisten, tollen Eindrücken, großartigen Gänsehaut Momenten und dem Versprechen, dass sich Vertrauen nicht nur lohnen kann, sondern einen vielleicht auch aus den tiefen und nebligen Abgründen zurückholt.

Autoreninformation/ -kontakt

http://chrisrolls.blogspot.de

Neben den selber herausgebrachten Werken (selfpublished), erschienen auch Bücher im Ullstein und MAIN Verlag.

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