꙳Amokspiel꙳ – Sebastian Fitzek

Ich erinnere mich an einen Aufenthaltsraum für Praktikanten, kurz vor dem Ende meiner Ausbildung: Da wir zu viele waren, hatten wir recht wenig zu tun und haben unsere übrige Zeit oft etwas, sagen wir mal, kreativer genutzt. Unter anderem brachte mein Mitpraktikant das „Amokspiel“ von Sebastian Fitzek mit. Seit diesem Tag bin ich absolut Fan von ihm, also vom Autor und habe auch schon einige seiner Bücher gelesen. Da am 26. Oktober sein neues Buch („Das Paket“) erscheint, hier eine Rezension zu einem seiner tollen Psychothriller.

Allgemeines zum Buch

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei „Amokspiel“ um einen Psychothriller. Auf 429 Seiten erlebt der Leser puren Nervenkitzel, der garantiert keine Langeweile aufkommen lässt. Nach „Die Therapie“ ist es das zweite Werk des Autors und im April 2007 erschienen.

Inhalt und Rezension

Ira Samin, Kriminalpsychologin, steht kurz davor sich das Leben zu nehmen. Der Selbstmord ihrer Tochter, den sie nicht verhindern konnte und für den sie sich die Schuld gibt, hat sie nicht verkraftet. Sie ist abgestürzt und alkoholabhängig. Einen Abschiedsbrief braucht sie nicht schreiben, alles ist klar, jeder weiß warum und ihre jüngste Tochter hat ihr nichts mehr zu sagen. Nun ist alles vorbereitet, sie muss nur noch abdrücken. Damit auch wirklich nichts schief geht, beschließt sie sich auch noch zu vergiften. Um das Gift ‚angemessen‘ runterspülen zu können, möchte sie sich eine Cola light (wenn’s geht mit Zitrone) zu besorgen. Dafür verlässt sie ihre Wohnung – und ab da, läuft nichts mehr so, wie sie es eigentlich geplant hatte.

Ein augenscheinlich psychisch gestörter Mann nimmt Geiseln, besetzt einen Radiosender und beginnt ein makaberes Spiel um Leben und Tod. Er hört nur auf, wenn er man ihm seine Verlobte lebend in den Sender bringt, nur die ist tot.

Was von vornherein aussichtslos erscheint, entpuppt sich zügig als ein Wirrwar aus Manipulation, Verzweiflung, Lügen und Verrat. Der Leser wird schnell in dieses Chaos hineingezogen und noch ehe man sich versieht, steht man selber vor der Frage: Wer spielt hier wirklich und vor allem, wer mit wem? Der Handlungsrahmen weitet sich explosionsartig aus, immer neue Charaktere werden eingeführt und am Ende findet das wahre Spiel, außerhalb des Radiosenders statt. Ein verzweifelter Mann, eine selbstmordgefährdete Ermittlerin, ein unausstehlicher Vorgesetzter, ein Oberstaatsanwalt, ein Maulwurf und die Berliner Unterwelt, ergeben einen Thriller, der den Leser bis fast zur letzten Seite in Atem hält.

Positiv fällt ganz klar auf, dass der Autor keine Klischees bemüht, sondern offensichtlich gut recherchiert hat. Das verleiht dem Ganzen nicht nur Glaubwürdigkeit, sondern macht einen nicht unerheblichen Teil der Spannung aus. Auch die Charakterisierung der Protagonisten macht es schwer, sich zu einer Vermutung zum Verlauf der Geschehnisse hinreißen zu lassen, denn in Ira findet man keine Heldenfigur und der Psychopath wird einem plötzlich immer sympathischer. Diese Verwirrungen nutzt der Autor geschickt, um seinen Maulwurf wirklich bis zum großen Finale zu tarnen.

Der Psychothriller erfüllt das, was man von ihm erwartet: Er ist spannend bis zum Ende, böse, beschleunigt den Puls an den richtigen Stellen, oder lässt gleich ganz die Atmung aussetzen. Die Protagonisten zeigen uns vor allem sehr vielschichtig ihre ‚dunkle‘ Seite, die Motive für ihr Handeln könnten dabei unterschiedlicher kaum sein. Am Ende gewinnt nicht klassisch Gut gegen Böse, denn den größten Kampf kämpfen hier wesentliche Charaktere mit sich selber. Und dieses Abtauchen in die menschliche Psyche, die inneren Konflikte machen aus dem Buch einen glaubhaften Psychothriller.

Der Anfang ist vielleicht eine Spur bemüht und die vielen Charaktere sorgen manchmal für Verwirrung der unangenehmeren Art. Ein paar Handlungen bleiben auch am Ende noch unklar und lösen sich nicht gut auf. Das tut dem Werk im Ganzen nichts und es wird wohl nicht viele Leser geben, die das Buch für eine längere Zeit aus der Hand legen können. Der Schluss ist recht offen gehalten, wie ich finde, gemessen am Inhalt und dem was geschehen ist, passt dieser allerdings sehr gut ins Bild.

Wirklich sehr gelungen und für mich die Entdeckung eines tollen Autors.

Stern leer

Autoreninformation/ – kontakt

http://www.sebastianfitzek.de

 

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